Unterfranken Elfjährige tödlich getroffen - Ermittlungen beim Schützenverein im Nachbarort

In dem kleinen Ort Unterschleichach, in dem knapp 300 Menschen wohnen, sind das Entsetzen und die Trauer über den Tod des elf Jahre alten Mädchens groß.

(Foto: dpa)

Weniger als 300 Menschen leben in dem Dorf, wo an Silvester ein Mädchen durch einen Schuss starb. Der Bürgermeister sagt, jemand habe "einen sehr, sehr großen Fehler gemacht".

Von Olaf Przybilla, Unterschleichach

Der Bürgermeister Thomas Sechser hat selbst erst 17 Stunden nach dem Vorfall erfahren, was da in der ersten Stunde des neuen Jahres in seiner Gemeinde passiert ist. Eine Elfjährige war in Unterschleichach am Neujahrstag etwa eine Stunde nach Mitternacht auf offener Straße von einem "metallischen Gegenstand" am Kopf getroffen worden und war in einem Schweinfurter Krankenhaus ihren Verletzungen erlegen.

Am Tag darauf wurde der Schock des Bürgermeisters "noch größer", sagt er, als er erfuhr, dass es ein Geschoss aus einer Kleinkaliberwaffe war, das den Tod der Elfjährigen beim Silvesterfeiern verursacht hat. "Das macht einen fassungslos", sagt Sechser.

Weniger als 300 Bewohner - die Ermittler befragen trotzdem alle

In dem Dorf, einem Ortsteil von Oberaurach, wohnen weniger als 300 Menschen, "eine Idylle im Steigerwald", sagt der Bürgermeister. Der Tatort liegt am Ortsrand des Dorfes, in einer Neubausiedlung mit Einfamilienhäusern, nicht besonders eng besiedelt. Sollte der Schütze aus einem der umliegenden Häuser geschossen haben, würden dafür nicht viele in Frage gekommen. Die Ermittler befragen trotzdem das ganze Dorf, jedes Anwesen werde besucht, sagte ein Polizeisprecher am Sonntag, schon um den Druck auf den Schützen zu erhöhen.

Was es für eine Kleinkaliberwaffe war, aus dem das Projektil stammte, darauf wollen sich die hinzugezogenen Spezialisten des Landeskriminalamtes nicht festlegen. Auch nicht darauf, ob es sich bei dem Projektil womöglich um einen Querschläger gehandelt haben könnte, der von einem harten Gegenstand abprallte. Dass man für das Führen so einer Waffe aber einen Waffenschein braucht, das ist klar.

Noch am Sonntag befragten die Ermittler die Bewohner des Dorfes. Zunächst allerdings, "ohne eine heiße Spur" zu verfolgen, sagt Thomas Lutz, der Leiter der Einsatzzentrale am Polizeipräsidium Würzburg. Ermittelt werde in sämtliche Richtungen. Dass jemand gezielt auf das Mädchen gefeuert habe, könne man nicht ausschließen, sagt er. Wesentlich wahrscheinlicher wirke es aber, dass es sich um "keine vorsätzliche Tat" gehandelt habe. Die Elfjährige hätte dann womöglich "zur falschen Zeit am falschen Ort" gestanden, sagt Lutz.

Die Obduktion ergab: Ein Metallteil hat das Mädchen getötet

An einen gezielten Kopfschuss mag auch der Bürgermeister nicht glauben. Was den Fall nicht weniger furchtbar mache, sagt Sechser. Die Elfjährige stammt aus Burgebrach in Oberfranken, etwa 20 Kilometer vom unterfränkischen Unterschleichach im Landkreis Haßberge entfernt. Sie war in der Silvesternacht zu Besuch bei einer ihr bekannten Familie, um Mitternacht ging man gemeinsam mit anderen Jugendlichen zum Feiern auf die Straße.

Als der Schuss etwa eine Stunde nach Jahreswechsel fiel, war das Feuerwerk in der Ortschaft längst beendet. Die Elfjährige wurde am Kopf getroffen, sie brach zusammen und wurde bewusstlos. Reanimationsversuche in einer Schweinfurter Klinik blieben erfolglos, in den Morgenstunden erlag sie ihren Verletzungen. Eine Obduktion ergab, dass ein Metallteil den Tod des Mädchens verursacht hat. Die Polizei richtete daraufhin eine Einsatzzentrale im Sportheim des Ortes ein und durchkämmte mit Metalldetektoren die Gegend um die Straße "Am Käppela".

"Vielleicht hat da einer einen sehr, sehr großen Fehler gemacht"

Der Bürgermeister hofft, dass die Ermittlungen möglichst bald zu einem Ergebnis führen. Oder sich der Schütze womöglich selbst stellt. Sechser ist selbst Vater, "das ist eine so furchtbare Vorstellung, dass einem Kind, das zu Besuch ist, etwas zustößt", sagt er. Und natürlich schössen nun die Spekulationen ins Kraut in der Ortschaft. Zumal es im Nachbarort einen Schützenverein gibt mit für Oberauracher Verhältnisse zahlreichen Mitgliedern, darunter auch vielen Jugendlichen. Es dürfte also einige registrierte Waffen geben in der Gemeinde.

"Vielleicht hat da einer in dieser Nacht einen sehr, sehr großen Fehler gemacht", sagt Sechser, womöglich unter Alkoholeinfluss. Sechser hatte zunächst noch an einen illegalen Böller geglaubt, der den Tod des Mädchens verursacht haben könnte. Gerade an Silvester sei es "ja manchmal unvorstellbar, mit welcher Dummheit die Leute durch die Welt gehen", sagt der Bürgermeister.

Man habe mit "massiven Kräften" die Gegend abgesucht, sagte Polizeisprecherin Kathrin Thamm. Im Ort ist davon die Rede, dass insbesondere Sportschützen befragt wurden.