Asylbewerber könnten in Privatwohnungen günstiger wohnen als in Sammellagern, sagt der Flüchtlingsrat. Die CSU ist skeptisch.
Bayern könnte durch die Unterbringung von Flüchtlingen in Privatwohnungen jährlich zweistellige Millionenbeträge einsparen. Dies geht aus einem neuen Gutachten des Bayerischen Flüchtlingsrats hervor, das der Süddeutschen Zeitung vorliegt.
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Asylunterkunft in München - laut Flüchtlingsrat eine teure Form der Unterbringung. (© Foto: ddp)
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Ein Verzicht auf Sammelunterkünfte erbringt demnach ein Einsparvolumen von 13,6 Millionen Euro im Jahr - hochgerechnet auf die derzeit mehr als 7000 Flüchtlinge, "die in Bayern in Flüchtlingslagern untergebracht sind", heißt es in dieser Studie.
"Um glaubhafte Zahlen zu bekommen, haben wir aus den 118 Lagerstandorten in Bayern bewusst solche herausgesucht, in denen viele Einzelpersonen leben", sagt Alexander Thal, der Verfasser des Gutachtens. Familien kommen nach seinen Angaben nämlich auf dem lokalen Wohnungsmarkt im Vergleich zur Gemeinschaftsunterkunft viel günstiger unter als Einzelpersonen.
Gestützt auf Aussagen des früheren Innenministers Günther Beckstein hat Thal den durchschnittlichen Pro-Kopf-Preis für den Aufenthalt im Flüchtlingslager auf 450 Euro im Monat angesetzt. In Dachau zum Beispiel koste die Unterbringung einer vierköpfigen Familie in der Sammelunterkunft im Monat 1800 Euro.
Auf dem lokalen Wohnungsmarkt käme diese Familie für 989 Euro unter, hat Thal ermittelt. Und obwohl in Dachau die Unterbringung der 84 Einzelpersonen in Wohnungen mehr Geld kosten würde als ihr Bleiben in der Gemeinschaftsunterkunft (fast 45.000 Euro mehr im Jahr), ließen sich 126.300 Euro einsparen, wenn dort alle Flüchtlinge in Wohnungen umziehen dürften.
Noch eindeutiger sind die Sparergebnisse in den anderen acht von Thal ausgewählten Unterkünften in Augsburg, München, Landshut, Pfarrkirchen, Neuburg an der Donau, Bayreuth, Nördlingen und in Aholfing-Obermotzing im Kreis Straubing-Bogen (siehe Graphik). "Das Festhalten an Flüchtlingslagern ist deshalb nichts anderes als Steuerverschwendung in Millionenhöhe", sagt Thal.
Innerhalb der CSU, die nach wie vor eine Auflösung der Sammelunterkünfte ablehnt, stößt die Studie bereits im Vorfeld auf Skepsis, denn auch das Sozialministerium hat zur Zukunft der Flüchtlingslager Zahlen herausgegeben. Denen zufolge ist die Unterbringung in diesen Gemeinschaftsunterkünften kostengünstiger.
"Da steht Aussage gegen Aussage", sagt der CSU-Sozialpolitiker Bernhard Seidenath. "Wenn aber das Gutachten des Flüchtlingsrates tatsächlich die Realität wiedergibt, dann gäbe es auch für uns keinen Grund mehr, gegen eine Unterbringung der Flüchtlinge in Privatwohnungen zu sein."
Seidenaths Landtagskollege Joachim Unterländer (CSU) sieht sich indes auch vom Sozialministerium nicht gut informiert: "Von keiner Seite liegen objektivierbare Zahlen für einen Kostenvergleich zwischen einer Wohnungsunterbringung und der Unterbringung in Sammelunterkünften vor." Das Ministerium solle gemeinsam mit den kommunalen Spitzenverbänden und den Wohlfahrtsverbänden "abschließend geprüfte Daten vorlegen", sagte er.
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(SZ vom 23.11.2009/gal)
Die neueste Antwort
Also bitte.... so ein Lager kostet bestimmt nicht mehr als 100 Mietswohnungen + Mobile Betreuung, Folgekosten durch Renovierung und noch vielem mehr.
Allerdings prägt so ein Vorgehen natürlich einen ganzen Stadtteil. So wurde nach der auflösung der Kontainerunterkünfte an der Rosenheimerstr. die Berg-am-Laim Str. so richtig "kuschlig"...
Ich glaube, dass die Mehrheit der Bevölkerung keine Vorstellung machen kann von den Zuständen in den Lagern, in denen Asylbewerber leider immer noch gezwungen sind zu hausen. Nicht jeder schätzt sechs- und achtbeinige Mitbewohner.
Auch nach jahrelangem Aufenthalt zwingt das Asylverfahrensrecht zwingt Menschen , in Bruchbuden fernab jeglicher Zivilisation zu wohnen. Durch das weitestgehende Arbeitsverbot sind sie gehindert, ihren Lebensunterhalt aus eigenen Kräften zu bestreiten - stattdessen sind sie gezwungen, von staatlichen Leistungen zu leben, die rd. 60% des als "Hartz IV-Regelsatz" bekannten Existenzminimums betragen.
Das Scheinargument von der geringen Anerkennungsquote geht ins Leere - sofern es gelingt, die Bescheide gerichtlich überprüfen zu lassen, wird den "Anerkennungs"-Behörden ihre spitzfindige und fatale Praxis um die Ohren gehauen, und die Quote schnellt in die Höhe.
Ganz unabhängig von Einspar-Berechnungen sind Änderungen hier überfällig. Die C-Parteien verstoßen mit ihrer ideologischen Verhinderungs- und Verzögerungstaktik eklatant gegen ihr stets propagiertes Menschenbild.
Traue keiner Statistik (oder auch Berechnung) die Du nicht selbst gefälscht hast.
Zunächst mal, die Unterbringung in "normalen" Wohnungen wird es attraktiver machen, in Deutschland Asyl zu suchen. Dafür ist meines Erachtens keine Mehrheit da. Und die Sammellager sind immer noch besser als die Unterbringung die die Mehrheit der Bewerber in den Ursprungsländern hatte. Und erleichtert dabei auch die Kontrolle, ob die Asylbedingungen eingehalten werden. Übrigens beträgt die Anerkennungsquote bei uns unter 1%, welchen Sinn würde es also machen, wenn Bewerber in eigenen Wohnungen bessere Möglichkeiten haben, sich einzuleben, nur um dann doch abgeschoben zu werden? Dies würde auch zudem die Abschiebung erschweren, was womöglich auch genau das ist, was der Flüchtlingsrat erreichen will.
Und dann, wie auch andere Kommentatoren schon sagen, es ist schon schwer genug für die Geringverdiener der Bevölkerung, eine Wohnung zu finden. Was werden diese davon halten, wenn der Staat Aslybewerber über den Wohnungsmarkt unterbringt, daduch zwangsläufig das Angebot verringert, und damit die Mieten hochtreibt? Und das, für Leute, deren Asylantrag zu 99% abgelehnt wird?
Sry, aber die ganze Idee ist völlig unrealistisch. Die zu erwartenden Nachteile sind weit höher als der schöngerechnete Einspareffekt. So geht's einfach nicht.
Die Leute kommen aus ganz anderen Kulturen, die kann man doch nicht einfach in 'ne Wohnung packen und sich selbst überlassen! Dadurch müssen doch zwangsläufig Probleme entstehen. Wenn die Leute aber über das ganze Stadtbetrieb verteilt werden, wird die Betreung zwangsläufig aufwendiger, personalintensiver und damit teurer. Wenn man von der SZ Meldung ausgeht, ist dies ein Aspekt, der offensichtlich überhaupt nicht berücksichtigt wurde.
Und, da stimme ich anderen Kommentatoren zu, diese zu erwartenden Probleme wird sich der Haus- bzw. Wohnungsbesitzer zusätzlich bezahlen lasen. Das man Asylbewerber einfach zu "normalen" Mietkosten unterbringen kann ist völlig unrealistisch. Damit entbehrt die Vergleichsrechnung jeder Grundlage. Nutzlos, so was.
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