Von Birgit Kruse, Grasbrunn

CSU-Chef Erwin Huber holt sich Wahlkampfunterstützung aus Hessen - und erfährt, wie ein entschlossener Roland Koch aus seiner Niederlage eine wertvolle Wahlbotschaft zaubert.

Manchmal kann die Unterstützung von Parteifreunden auch schmerzhaft sein. Wie etwa im Festzelt beim traditionellen "Keferloher Montag" im oberbayerischen Grasbrunn bei München. Da spricht Erwin Huber - und eigentlich gehören Bierzeltauftritte für jeden CSU-Chef zur Jobbeschreibung. Aber Huber kommt vor den 2300 Gästen nicht recht in Schwung.

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CSU-Chef Erwin Huber macht in Keferloh Wahlkampf. (© Foto: dpa)

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Wenig später zeigt ihm Roland Koch, wie man es macht. Keine Spur davon, dass Koch in Hessen vor wenigen Monaten seine Wahl verloren hat. Mit ein paar Worten hat er die Besucher um den Finger gewickelt. Koch, der für Kanzlerin Angela Merkel eingesprungen ist, die zum EU-Sondergipfel nach Brüssel musste, macht das, was in einem bayerischen Bierzelt immer ankommt: Er verlangt ein Bier statt des bereitgestellten Wassers.

Huber dagegen, der in kleiner Runde charmant und überzeugend sein kann, schafft es nicht, die Menschen mitzureißen. Sicher, es gefällt den Leuten, als Huber die Bedeutung der Landwirtschaft betont und sie als "Teil der kulturellen Seele Bayerns" lobt.

Viele hier haben selbst noch einen Hof oder kommen aus der Landwirtschaft. Mehr als einen lauen Applaus können sie sich jedoch nicht abringen. Auch nicht bei Hubers großen Themen: Pendlerpauschale, Erbschaftssteuer, Steuersenkungen.

Wo ihm bei anderen Kundgebungen der Beifall sicher ist, bleibt er an diesem Tag aus. Fast eine Stunde redet er gegen die Geräuschkulisse im Festzelt an. Nicht einmal seine Mahnung, dass nur die CSU in der Lage sei, "in Berlin und Brüssel den Einfluss Bayerns geltend" zu machen, reißt die Leute aus ihrer Lethargie.

Als dann am Nachmittag der Defiliermarsch gespielt wird und die Flinsbacher Gebirgsschützenkompanie ihre Gewehre präsentiert, ändert sich die Stimmung. Die Menschen sind plötzlich neugierig. Sie stehen auf, recken die Hälse, zücken die Fotoapparate, als Roland Koch kommt.

Und Koch hat mehr zu bieten. Er hat eine Botschaft, er will die Bayern vor dem Schicksal bewahren, das ihm in Hessen derzeit widerfährt. Er hämmert jedem Einzelnen förmlich ein, dass er als Wähler über die Zukunft Bayerns entscheiden könne. "Die größte Gefahr ist, dass die Leute zu Hause bleiben", mahnt er.

Als hessischer Ministerpräsident wisse er genau, wovon er rede. Wenn 15.000 Menschen mehr zur Wahl gegangen wären, dann säße die Linke heute nicht im hessischen Landtag. "Wir leiden jetzt unter den Linken", sagt Koch und fügt hinzu: "Sorgen Sie dafür, dass es unser Problem bleibt und nicht Ihr Problem wird."

Den Bayern gibt er seine "Leuchtturm-Theorie" mit auf den Weg: Wenn jeder der hier Anwesenden als Leuchtturm fungiere und jeden Bekannten überzeugen könne, CSU zu wählen, dann könne nichts mehr schief gehen am 28. September. Denn: "Die bayerische Landtagswahl ist eine Wahl, die nicht nur das Land prägt, sondern die Bundesrepublik im Ganzen." Das zieht.

Eine Frau, die die CSU eben noch als "treu und bieder" und Huber als "braven Burschen" bezeichnet hat, nickt mit dem Kopf, stimmt Koch zu, klatscht. Viele andere tuen das auch - vor allem, als er mit dröhnender Stimme im Stakkato auf die Linken schimpf, vor dem "Einmarsch der Kommunisten" und der SPD warnt: "Den Sozialdemokraten ist im Umgang mit der Linkspartei nicht zu vertrauen", wettert er. "Keiner Ypsilanti, keinem Beck und keinem Maget".

Und selbst seinen eigenen Fehler, im Wahlkampf zu sehr und zu populistisch auf die Bekämpfung der Ausländerkriminalität gesetzt zu haben, kehrt Koch an diesem Tag ins Positive, lobt die bayerische Sicherheitspolitik mit Videoüberwachung und Polizeikontrollen auf den Autobahnen und erntet auch hierfür viel Beifall.

Während es für Koch ein Leichtes scheint, von den fast 2300 Besuchern mit Applaus belohnt zu werden, will das Huber an diesem Tag nur einmal so richtig gelingen: Als er sich für Kruzifixe und gegen muslimische Feiertage stark macht. "Wir wollen, dass unsere Kinder in den Schulen im christlichen Glauben erzogen werden", ruft er vom Rednerpult und schiebt hinterher: "Islamische Feiertage werden wir in Bayern niemals einführen." An diesem Nachmittag ist Huber eindeutig der Leuchtturm mit der schwächeren Strahlkraft.

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(sueddeutsche.de/ihe)