Die CDU und die Kanzlerin wollen plötzlich die Steuern senken - noch vor Wochen war das Thema tabu. In Bayern reagiert man grantig.
Die CSU ist grantig. Schlimm genug, dass sie sich neuerdings an einen Koalitionspartner gewöhnen muss, der sich als widerspenstiger erweist als zunächst angenommen. Und jetzt macht auch noch die Schwesterpartei CDU Ärger: Die will mit einem Konzept für Steuersenkungen in den Bundestagswahlkampf 2009 ziehen - genau so wollte die CSU die Landtagswahl gewinnen, nur die CDU machte damals nicht mit.
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Bundeskanzlerin Angela Merkel verärgert die CSU. (© Foto: dpa)
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Vor allem der bisherige CSU-Chef Erwin Huber, der nach dem Wahldebakel gehen musste, hat jetzt "gemischte Gefühle". Es sei zwar "eine Bestätigung für die CSU", dass die CDU nun in jene Pläne einsteige, die er für seine Partei entwickelt habe. Andererseits "ist auch ein Grant dabei", sagt Huber, denn hätten die CDU und Bundeskanzlerin Angela Merkel sie früher unterstützt, "dann hätte uns das bei der Wahl geholfen".
Stattdessen habe die Schwesterpartei der CSU viel geschadet, "weil sie das Programm madig gemacht hat", klagt Huber. Schon beim Parteitag der CSU, wo Huber sein Amt niedergelegt hatte, beschwerte er sich massiv über die fehlende Unterstützung aus Berlin.
Dass die CDU jetzt abschreibt, dafür hat Huber eine Erklärung parat: Der CDU fehle sowohl die Sachkompetenz als auch "eine ordnende Hand" in Steuerfragen. Das habe sich schon bei der Diskussion um die Erbschaftsteuer gezeigt. "Die CDU hat sich zu lange von Finanzminister Steinbrück (SPD) beeinflussen lassen, anstatt eigene Pläne zu entwerfen", kritisiert Huber.
Falscher Zeitpunkt
Aus der CSU kommt Unterstützung für den geschassten Parteichef. Er könne den Groll von Erwin Huber "menschlich verstehen", sagt Umweltminister Markus Söder. Zum einen werde nun deutlich, dass die Schwesterpartei das CSU-Konzept nicht aus inhaltlichen, sondern nur aus taktischen Gründen abgelehnt habe.
Vor allem aber sei damit der richtige Zeitpunkt für Steuererleichterungen verpasst worden. Wäre die CDU dem Vorschlag seiner Partei gefolgt, "dann hätten wir antizyklisch in die Rezession hineinwirken können", sagt Söder. Denn wenn die Bürger schon früher mehr Geld in der Tasche gehabt hätten, hätte davon auch die Wirtschaft profitiert.
"Wir hätten die Binnennachfrage gestärkt", sagt auch CSU-Landtagsfraktionschef Georg Schmid. Das sei derzeit das zentrale politische Thema: Die Bürger bräuchten mehr Geld, nur so könne die Wirtschaft in Deutschland angekurbelt werden.
Schmid mag zwar nicht spekulieren, ob die CSU mit ihrem Steuerprogramm die absolute Mehrheit bei der Landtagswahl wieder erreicht hätte, aber "dass es Einfluss gehabt hätte, ist unbestritten". Er ärgert sich sehr über die Schwesterpartei in Berlin. "So kann eine vertrauensvolle Politik nicht funktionieren", sagt er. Dass die CDU jetzt selbst Steuern senken wolle, zeige, "dass die Argumentation damals unehrlich war"; vor allem deshalb, weil die Steuerpläne der CDU den Bundeshaushalt nun erheblich mehr belasten sollten.
Innenminister Joachim Herrmann appelliert an die CDU, die Pläne zumindest gleich umzusetzen. "Wir brauchen jetzt eine Steuersenkung, nicht erst im tiefen Tal einer Rezession", sagt Herrmann. Es reiche nicht aus, für das Jahr 2009 ein Konzept vorzulegen, nach dem irgendwann einmal die Steuern gesenkt werden sollen. "Wenn die CDU den CSU-Vorschlag übernommen hätte und in einem ersten Schritt schon am 1. Januar 2009 Steuern senken würde, wäre das glaubwürdiger als Steuersenkungen für die Zeit nach der Wahl zu verkünden", sagt Herrmann.
Finanzminister Georg Fahrenschon versucht indes den Ideenklau positiv zu bewerten: "Gutes setzt sich immer durch. Wir freuen uns immer, wenn die CDU von uns abschreibt." Auch CSU-Generalsekretär Karl-Theodor zu Guttenberg gibt sich gelassen. "Das ist für mich kein Fall von Produktpiraterie, sondern von sinnvoller geistiger Befruchtung", sagt er. Er schlägt vor, das Gesetz am 5. Mai 2009 umzusetzen, "da wird das CSU-Steuersenkungskonzept nämlich genau ein Jahr alt".
(SZ vom 21.11.2008)
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Die neueste Antwort
Die Steuersenkungspläne der CDU sind nur ein Wahlkampfversprechen. Weitere werden folgen.
Das ist nicht wirklich ernst gemeint.
Aus den Kommentaren der CSU-Verantwortlichen kann man deutlich erkennen, dass sie immer noch nicht kapiert haben, wie Frau Merkel agiert. Eine CSU mit 40-45 % reicht aus, um in Berlin zusammen mit der FDP zu regieren. Eine Koalitions-CSU mit 40 45 % ist leichter zu händeln, wie eine CSU mit 55 %. Wann kapiert die CSU endlich, dass ihnen die Frau Merkel taktisch überlegen ist. Die haben es ja nicht mal beim eigenen Parteitag gemerkt (Pendlerpauschale), da haben sie die Angela ja noch hoch leben lassen. Die Steuerreform bleibt jetzt auch noch übrig für ein ausreichendes bis gutes Wahlergebnis der CDU. Respekt Angela !
Die CDU/CSU ist immer auf Versöhnung aus? Witzig - wirklich. Fragen Sie mal Herrn Merz. :-))
Die SPD hat noch Helmut Schmidt - die CDU deckt über die Machenschaften eines Helmut Kohl und seine Ehrenwörter lieber den Mantel des Schweigens.....
Politik, wie sie leibt und lebt. Es gibt keine Freunde. Nur Interessensgemeinschaften auf Zeit.
Ich verstehe ja vieles nicht, was da so gesagt und gemacht wird. Ich verstehe zum Beispiel nicht, wieso in Zeiten als die Steuereinnahmen höher waren als erwartet "keine Luft" für Steuersenkungen war, jetzt aber, wo die Schätzungen nach unten korrigiert werden, auf einmal diese "Luft" da ist. Ich verstehe auch nicht, warum auf einmal kein Mensch mehr von der Pendlerpauschale spricht, obwohl doch lauthals verkündet wurde, es wäre NICHT nur Wahlkampfthema. Merkwürdigerweise treffen Wahltag und Tag des Verstummens über die Pauschale ziemlich genau überein. Was ich aber verstehe ist, dass die Ankündigung der Senkung besser in das Jahr 2009 verlegt wird. Schließlich ist da wieder Wahlkampf. Würden die Steuererleichterungen vorher erfolgen, würde der Bürger das vielleicht gar nicht so wahr nehmen wegen der steigenden Kosten z.B. im Gesundheitswesen. Kostensteigerung auf der einen Seite und Senkung auf der anderen zum gleichen Zeitpunkt ist taktisch unklug, da sich für den Bürger unterm Strich nichts ändert. Mache ich aber erst etwas teurer und gebe dann etwas zurück, kann ich von einer Entlastung sprechhen. Wird doch im Handel wunderbar praktiziert. Die kostendeckende Kalkulation liegt sagen wir 20 % unter der "unverbindlichen Preisempfehlung". Dann wird nach kurzer Zeit das Produkt 20 % billiger verkauft. Der Kunde freut sich über die Erpsarnis, obwohl die Absenkung von vornherein möglich gewesen wäre. Aber da hätte er es gar nicht registriert....