Der Streit in der Union verschärft sich: Bayerns Ministerpräsident Beckstein fordert von Kanzlerin Merkel mehr Einfühlungsvermögen in die Nöte der Bürger.
Knapp drei Monate vor der bayerischen Landtagswahl verschärft die CSU im Streit um die Pendlerpauschale den Konflikt mit der CDU. Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein warf Bundeskanzlerin Angela Merkel indirekt vor, mit ihrer kühlen, sachlichen Politik die Herzen der Menschen nicht zu erreichen. Beckstein verlangte von der Kanzlerin mehr Einfühlungsvermögen in die Nöte der Bürger und verteidigte die CSU-Unterschriftenaktion zur Pendlerpauschale.
Bild vergrößern
Günther Beckstein verschärft den Ton im Steit mit der Schwesterpartei. (© Foto: Rolf Seyboldt)
Anzeige
"Die Union kommt über die 35-Prozent-Marke nur hinaus, wenn wir genau dort hinschauen, wo die Menschen der Schuh drückt", sagte Beckstein der Süddeutschen Zeitung . Deswegen werde die CSU weiter für die Wiedereinführung der Pendlerpauschale kämpfen; auch mit den umstrittenen Unterschriftenaktionen, die nun überall in Bayern anlaufen.
Er kündigte anhaltenden Widerstand gegen Merkel an. "Nur weil wir Angela Merkel schätzen, heißt das nicht, dass wir uns der Kanzlerin unterwerfen. Die CDU muss das Wort ihrer Vorsitzenden beachten, die CSU nicht." Beckstein nannte den Kampf für die Pendlerpauschale eine Frage der Gerechtigkeit. Es wäre "ein verheerender Fehler, wenn die CSU das Thema beerdigen würde, nur weil Angela Merkel noch nicht Ja sagt".
Wie zuvor auch schon CSU-Chef Erwin Huber drängte Beckstein die Kanzlerin, sich bald bei der Pendlerpauschale zu bewegen. Merkel habe in dieser Frage "einfach unrecht". Er gehe davon aus, dass im Herbst ohnehin eine Kurskorrektur komme. Dagegen warnte CSU-Vize Horst Seehofer vor einem Streit in der Union "um des Streites oder des Profils willen". Seehofer hält direkte Attacken auf die populäre Kanzlerin offenbar nicht für hilfreich. "Unser größter Trumpf ist die Kanzlerin, und sie wird es auch 2009 sein", sagte Seehofer zur SZ.
Während die CDU-Spitze in Berlin auf deutliche Reaktionen verzichtete, erntete die CSU bei CDU-Regierungschefs in Ostdeutschland deutliche Kritik. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer nannte die Forderung nach der Rückkehr zur vollen Pendlerpauschale "ausgesprochen populistisch". Er wandte sich auch gegen die Behauptung, man müsse den Menschen jetzt etwas zurückgeben. "Wir müssen unseren Kindern etwas zurückgeben, weil wir Jahrzehnte auf Pump gelebt haben." Deshalb stehe er voll hinter der Politik Angela Merkels, erst die Haushalte zu konsolidieren und dann über Erleichterungen nachzudenken.
Auch Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus kritisierte die Linie der CSU. Er glaube nicht, dass die Rückkehr zur vollen Pendlerpauschale ein durchschlagender Erfolg würde, weil sie "vielen auch von den hohen Energiepreisen Betroffenen, wie Rentnern und Familien, gar nichts bringen würde". Althaus warnte vor einem Schnellschuss, weil eine Entlastung durch die steigenden Energiepreise verpuffen könnte. Er plädierte stattdessen dafür, die Ökosteuer schrittweise zu reduzieren: "Das entlastet nicht nur die Pendler, sondern alle Autofahrer."
Auch in der CSU ist es keineswegs unumstritten, ausgerechnet die Pendlerpauschale in den Mittelpunkt einer Kampagne zur Entlastung der Bürger zu rücken. Nach SZ-Informationen hat es im bayerischen Kabinett vor kurzem einen Vorstoß gegeben, doch lieber auf das Thema Energiesteuern zu setzen. Dies soll von CSU-Chef Huber aber rüde abgelehnt worden sein. Auch der ehemalige CSU-Chef Edmund Stoiber soll Hubers Plädoyer für generelle Steuersenkungen mit Sorge sehen, heißt es in der CSU. Stoiber hatte seine Partei jahrelang darauf eingeschworen, dass Ziel eines ausgeglichenen Haushaltes müsse absolute Priorität haben.
(SZ vom 5.7.2008/beu)
67. Jahrestag der Bombardierung
Die neueste Antwort
Bei dieser kommt es darauf an, den Bürgern die Anwälte des kleines Mannes vorzuheucheln, unter gleichzeitiger Anschuldigung eines Gegners als Behinderer bzw. Verhinderer von volksnaher Politik. Ein Ergebnis zum Wohle der Bürger ist überhaupt nicht angedacht, da es auf das Vorheucheln und Anschuldigen ankommt, was möglichst lange aufrecht erhalten werden soll. Ein Ergebnis zum Wohle der Bürger würde das Vorheucheln und Anschuldigen bzw. vorgeheuchelte Anschuldigen beenden und ist deshalb unerwünscht.
wenn er erst jetzt merkt, dass bei Siemens Personal abgebaut wird, obwohl dies schon seit Jahren passiert?
http://www.nci-net.de
Volksnähe haben weder die Politiker noch die Wirtschaftsbosse.
Scheinheiligkeit ohne Ende!
Da braucht der nicht auf Merkel schimpfen, die so aalglatt ist, dass es mir den Magen umdreht, er ist genauso!
Das ist der Versuch eines kleinen Mannes, sich an einer großen Frau zu reiben.
Damit wird Beckstein, wie schon so oft, keinen Erfolg haben.
Nach 50 Jahren Regierungsverantwortung in Bayern vermißt Herr Beckstein die Volksnähe bei der Kanzlerin. Wo war denn die Volksnähe in den vorherigen Jahren. Alle Reformen wurden gegen die Mehrheit der Bevölkerung mit der absoluten Mehrheit im Parlament durchgesetzt. Erst der Warnschuß bei der Kommunalwahl läßt die CSU wieder über Volksnähe nachdenken. Das haben die bayerischen Wähler längst durchschaut. 50 Jahre Regierung, jetzt kommen die Christsozialen darauf daß z.B. das Schulsystem geändert werden muß. 2000 neue Lehrerstellen werden geschaffen hört,hört. Wer hat eigentlich vorher regiert????
durch die Gegend tragen zu muessen , so hat das nichts mit Realitaet sondern mit Aufgabe der Glaubwuerdigkeit zu tun.
Guenther ist nun mal nicht der Edmund.
Wenn er glaubt, sich auf Kosten der Schweterpartei oder der Kanzlerin profilieren zu muessen, dann sollte er seinen Senf in Mfr schlecken und Marga entlasten.
ueberzeugen wird er dadurch nicht.
Wieso glauben eigentlich alle CSU Dimpfel, dass sie sich stets auf Kosten der Schwesterpartei profilieren muessen.
DAs ging doch schon bei Strauss in die Lederhose.
Paging