Gefährdetes Weltkulturerbe: Denkmalschützer in Regensburg und Würzburg befürchten, dass ihre Städte von der Unesco abgewertet werden könnten.
In Regensburg und Würzburg wollen sie ganz genau auf die Entscheidung der Unesco über den Welterbe-Titel der Stadt Dresden schauen. Die wurde gestern allerdings erst einmal vertagt.
In Regensburg geht es wie in Dresden um eine neue Brücke: Die Steinerne Brücke bröckelt, Autos und Busse dürfen sie nicht mehr benutzen. (© Foto:)
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Die zwei bayerischen Städte dürfen sich selbst mit dem prestigeträchtigen Titel schmücken - und in beiden gibt es Konfliktpotential. In Würzburg zürnen Denkmalschützer über den Neubau einer Trambahn an der Residenz entlang. In Regensburg geht es, ähnlich wie in Dresden, um den Neubau einer Brücke.
In der Oberpfälzer Stadt ist derzeit ein ganzes Viertel weitgehend abgeschnitten von der Altstadt. Schon lange ist die Steinerne Brücke, 800 Jahre altes Wahrzeichen der Stadt, sanierungsbedürftig, seit vergangenem Sommer ist sie für den Fahr-Verkehr gesperrt. Ein Gutachten hatte gezeigt, dass nicht nur die Pfeiler bröckeln, sondern auch die Brüstung einem Bus nicht standhalten würde.
Ein ganzes Viertel wird links liegen gelassen
Um von der Altstadt nach Stadtamhof zu kommen, müssen die städtischen Busse seitdem einen kilometerlangen Umweg fahren. Und sie lassen nach dem Brand einer zweiten Brücke Stadtamhof völlig links liegen. Nur noch ein Rufbus versorgt die Menschen derzeit. An den Hauswänden sind längst Aufschriften zu lesen wie "Bus - Wann? Wo?"
Zugleich hängen flussaufwärts und flussabwärts Protestplakate gegen zwei mögliche Ersatztrassen. Die ersten Planungen für die neuen Strecken stehen bei der aktuellen Tagung des Unesco-Welterbekomitees in Sevilla auf der Tagesordnung.
Nach jahrelangen Debatten hatte der Stadtrat im Herbst die Prüfung zweier neuer Brücken auf den Weg gebracht. Die eine soll den Verkehr östlich abwickeln - über den Grießer Spitz, einen der letzten Naturräume in der Gegend, mit Abendseglern und Rauhautfledermäusen. Viele Politiker bevorzugen deshalb eine Westtrasse, die eine weitere Fußgängerbrücke, den Eisernen Steg, ersetzen soll.
Diese Variante stört vor allem Denkmalschützer. "Ich habe größte Bedenken gegen eine solche Brücke", kommentierte im vergangenen Jahr Achim Hubel, Welterbe-Berichterstatter für Regensburg. Der Einschätzung folgte heftiger Widerstand der Stadt - schließlich zog sich Hubel sogar von seinem Posten zurück. Doch auch der oberste bayerische Denkmalpfleger, Egon Greipl, spricht davon, dass eine Brücke im Westen "die Altstadtsilhouette von Regensburg sehr wohl beschädigen würde".
Regensburg will die Unesco einbinden
Er könne sich eine Billigung der West-Variante "nicht vorstellen", sagte er der SZ am Mittwoch. Und Hans-Jürgen Ahrns vom Interessenverband "Donauanlieger" hofft auf eine ablehnende Haltung der Kommission: "Es wären für die neue Brücke im Westen riesige Rampen notwendig - wer da zustimmt, setzt seine Glaubwürdigkeit als Denkmalpfleger aufs Spiel."
Tatsächlich hat Regensburg - anders als Dresden - schon in der Beschlussvorlage festgehalten, die Unesco möglichst früh einzubinden. Ob die Taktik aufgeht, wird sich im Lauf der Woche herausstellen. Auch eine ablehnende Haltung würde Regensburg berücksichtigen. "Es ist selbstverständlich, dass wir die Empfehlungen der Unesco in unsere Vorhaben einbeziehen", sagt Oberbürgermeister Hans Schaidinger (CSU). Angesichts der Werbewirkung, die der 2006 verliehene Status für Regensburg hat, darf man dem Glauben schenken.
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Eine Internetrecherche startend mit Ersatztrasse forum zeitung zeigt, dass Einheimische die Busargumentation des Amberger Denkmalschützers Achim Hubel nicht nachvollziehen können. Im Ergebnis wird nämlich durch die geplante Westrasse eine besonders schützenswerte Altstadtstraße von der Steinernen Brücke entlang der Donau nach Westen um knapp 300 Busse pro Tag entlastet und nur eine vielfach kürzeres anschließendes Straßenstück von unstrittig geringerer Bedeutung mit dieser Buszahl belastet. Nach Westen sollen Busse statt durch die Altstadt am denkmallosen Donaukanal entlang fahren. Auch die heikle Rampe liegt weniger im Fokus der Altstadtsilhouette als das Provisorium Eiserner Steg, quick & dirty vor 60 Jahren errichtet unweit uralter Patriziertürme. Um dessen Denkmal-Schaden für die Altstadtsilhouette zu ermessen, helfen folgende Fotos des VCD von Stadtamhof aus und auf dem Steg (Eisenträger vorm Kopf statt Aussicht):
http://www.vcd-bayern.de/regensburg/aktuell/ESB/Bild08.jpg
http://www.vcd-bayern.de/regensburg/aktuell/ESB/Bild10.jpg
Wörtlich darf man Hubel ohnehin nicht nehmen: Gelenkbusse müssten vom Weißgerbergraben zur Holzlände durch die engen Straßen geführt werden, meinte Hubel im Artikel des Regensburger Wochenblattes vom 12.11.08, der dem SZ-Bericht wohl zugrunde lag. DIE StraßeN?? Keine einzige Straße liegt zwischen Weißgerbergraben und Holzlände: Die Busse können einfach vom Weißgerbergraben einbiegen in die Holzlände.
Die geplante Entlastung hilft nicht nur den Anwohnern der mit Abstand am stärksten mit Luftschadstoffen belasteten Straße der Stadt. Sie macht auch Besuchern des Welterbes den Fußweg erträglicher. Weil Denkmalschützern das Busargument wichtig ist, können sie es nicht sinnvoll gegen die geplante Trasse verwenden, sondern sinnvoll nur für die Planung.
Warum 2 Denkmalschützer auf viele öffentlich diskutierte Denkmalschutzaspekte der Planung überhaupt nicht eingegangen sind und schon ein (Vor-)Urteil fällten, könnte mit Münchner Streit des einen mit seinem Ex-Chef erklärbar sein, der in Regensburg keine Rolle spielen darf!
Technische und baurechtliche Besonderheiten lassen erwarten, dass die altstadtseitige Rampe der geplanten Ersatzbrücke für Busse nicht so hoch liegen muss, wie in einem 1. städtischen Modell gezeigt worden war.
Dass die Stadt am 10.06.09 diese neue Erkenntnis der Presse mitteilte, mag ein Verdienst des voreiligen Alarmrufs der beiden Denkmalschützer sein.
Beide sind nun befangen.
entscheidung. die die bürgermeister mit ihren stadträten, zu treffen haben....
jeder freut sich über die alten gebäude und die hinterlassenschaft aus früherer zeit, vergessen dürfen wir aber nicht, dass hier menschen leben, alt und jung, mobil und auch nicht, menschen also die heute leben und ihre eigenen vorstellungen vom leben haben.
wenn die gegebenheiten so sind wie z.b in regensburg, eine stadt dei am und mit der donau leben muss,nun dann ist es zwingend erforderlich brücken zu bauen - heute und nicht erst übermorgen!
wie und zu welcher variante man neigen sollte , das kann nur unter einbeziehung aller beteiligten geschehen die da sind: bürger der stadt, planer, denkmalschutz und zuletzt die politker, weil sie oft durch unwissenheit glänzen und selten praktikable vorschläge machen - leider!!!
Entweder man will eine Stadt mit moderner Infrastruktur oder eine Art Disneyland haben.
Es ist ja nicht so als würden historische Gebäude abgerissen.
... wie betonklotzdurchsetzt das Weltkulturerbe Regensburger Atstadt ist, dann dürfte es auf die eine oder andere Brücke nicht mehr ankommen.
Die Argumentation gegen die Trassenführung der Würzburger Straßenbahnlinie 6 am Residenzplatz entlang ist hanebüchen: Wie sollen kaum zu sehende Fahrleitungsdrähte (sind das die einzigen Leitungen in diesem Bereich?) die sehr gequält bemühte "Blickachse" von der Residenz über den Dom zur Festung Marienberg (so heißt die Burg!), die es wegen vorhandener Bebauung ohnehin nur in der Phantasie ihrer Protagonisten und auf dem flachen Stadtplan gibt, stören? Das ist eine Diskussion, um die eigene Wichtigkeit zu behaupten. Wichtiger wäre es in der Tat, den Parkplatz vor der Residenz aufzuheben, damit der zu recht kritisierte Blechhaufen endlich verschwindet.