Umweltskandal im Bayerischen Wald Teerabfälle vergiften Grundwasser

Bauer Werner Malz grub Löcher in seinen Boden, sah grau glänzenden Lehm und einen Ölfilm, ätzender Geruch stieg auf.

(Foto: Mediendenk)
  • Beim Bau eines Aussiedlerhofs im Bayerischen Wald wurden wohl 10 000 Tonnen teerhaltiger Straßenaufbruch vergraben. Das Landratsamt hatte keine Einwände.
  • Anwohner berichten von "Teerbrocken", die nun angeschwemmt werden und öligem Wasser, das einen Hügel herabsickert.
  • Jetzt ermittelt das LKA: Allein in der Region Passau sind mittlerweile bis zu 15 solcher Fälle bekannt.
Von Wolfgang Wittl, Hutthurm

Für einen Mann, der vor den Trümmern seiner Existenz steht, vermittelt Werner Malz einen erstaunlich fidelen Eindruck. "33", ruft er triumphierend, kaum dass er seinem Auto entstiegen ist. 33, so lautet der Wert im neuesten Gutachten, das er an diesem grauen Wintertag erhalten hat. 33 bezeichnet den Anteil von polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK), die hochgradig krebserregend sein können. Bis zu 0,2 Mikrogramm pro Liter gelten als unbedenklich, zwei Mikrogramm sind wie Gift. Das Sickerwasser auf dem Grundstück des Landwirts Malz enthält 33 Mikrogramm PAK je Liter - und mit jedem Tag kann es die Felder, Wiesen und Flüsse seiner Heimat mehr ruinieren.

Werner Malz ist eine der Hauptfiguren in einem Umweltskandal, wie ihn Krimi-Autoren sich nicht besser ausdenken könnten. Sie bräuchten nur eine fahrlässig untätige Aufsichtsbehörde zu erfinden, eine bis zur Skrupellosigkeit geschäftstüchtige Recyclingfirma sowie Landwirte, deren Sparsamkeit bestenfalls naiv zu nennen ist. Hilflose Anwohner, die seit Jahren vergeblich warnen, gäben gute Nebendarsteller ab, ebenso wie ein paar ergebnislos debattierende Landtagspolitiker. Schwung in die Geschichte käme erst durch Ermittlungen der Staatsanwaltschaft. Wie jetzt in Hutthurm, im Landkreis Passau, das beispielhaft steht für viele andere Fälle in Bayern.

Es war vor ein paar Jahren als Werner Malz beschloss, seine Landwirtschaft zu erweitern. Mit 25 Kühen hatte er den elterlichen Hof übernommen, es wurden 65, irgendwann hatte er die Idee, auf einer neuen Fläche richtig loszulegen. In Großthannensteig, einem Weiler außerhalb von Hutthurm, kaufte er ein paar Hektar Land. Ein Lauf-Stall, Fahrsilos, artgerechte Haltung - so hatte Malz sich das vorgestellt.

"Ich wurde ausgenutzt als Mülldeponie."

Als es 2009 darum ging, das hügelige Gelände aufzuschütten, sei eines Tages die Firma Thoma auf ihn zugekommen, erzählt Malz. Das Bau-Unternehmen aus Hutthurm ist spezialisiert auf Recycling von teer- und pechhaltigem Straßenaufbruch, ein Material, wie es im deutschen Straßenbau wegen seiner hohen Belastung seit gut 30 Jahren nicht mehr verwendet wird. Thoma lässt sich dafür bezahlen, kontaminierte Schichten zu entsorgen: Enthält der Straßenaufbruch zwischen 25 und 1000 Milligramm PAK pro Kilogramm, so muss er technisch aufbereitet werden, bis er nur unter strengen Auflagen wieder als Fundament verarbeitet werden darf. Was über 1000 Milligramm liegt, gilt laut Umweltamt als "gefährlicher Abfall" und ist wie Sondermüll zu behandeln.

Man habe da gutes Material, habe Thoma also zu ihm gesagt, das werde "hart wie Beton", erinnert sich Malz. Um den Papierverkehr mit dem Landratsamt würde die Firma sich kümmern, das sei kein Problem. "Mir war das ganz recht, denn ich hatte viel zu tun", sagt Malz. Er habe zwar gesehen, dass da auch viel Teer liege, "aber Teer liegt immer viel rum beim Thoma".

Man habe ihm versichert, das Material stelle keine Gefahr für die Lebensmittelerzeugung dar. Außerdem, räumt Malz ein, war das Angebot verlockend. Er musste Thoma nur die Arbeitsstunden bezahlen, eine Ersparnis von mehreren Zehntausend Euro.

Ob er nicht blauäugig gewesen sei? "Natürlich war ich skeptisch", sagt Malz, aber die Leute vom Landratsamt hätten ihm versichert, dass alles seine Richtigkeit habe. Je öfter Beamte auf der Baustelle vorbeikamen, desto geringer wurden seine Zweifel. Er wisse von einem Bauherren im Ort, der habe auf Anweisung des Landratsamtes sogar sein Dach abreißen müssen, nur weil er eine Ziegelreihe zu hoch gebaut habe. Daher werde bei ihm schon alles stimmen, dachte sich Malz. Heute sagt er: "Ich wurde ausgenutzt als Mülldeponie."