Umweltschutz Frankenwald ist neuer Kandidat bei der Suche nach Nationalpark

Der Frankenwald, in dem auch die Burg Lauenstein liegt, ist ein ungefähr 100 000 Hektar großes Waldgebiet im Nordosten Bayerns.

(Foto: imago stock&people)
  • Im Auswahlverfahren für Bayerns dritten Nationalpark sind bereits der Spessart, die Rhön und die Region Neuburg an der Donau.
  • Umweltministerin Ulrike Scharf befürwortet den Vorschlag, den Frankenwald zum dritten Nationalpark zu machen.
  • Naturschützer sehen den Frankenwald als bislang schwächsten Kandidaten.
Von Lisa Schnell, Christian Sebald und Wolfgang Wittl

In das Auswahlverfahren für einen dritten Nationalpark in Bayern hat sich jetzt eine vierte Region ins Spiel gebracht: der Frankenwald. "Ich habe über einen langen Zeitraum viele Gespräche mit unseren Bauern, Jägern und Kommunalpolitikern daheim geführt", sagte der CSU-Landtagsabgeordnete Jürgen Baumgärtner am Donnerstag in München.

Der 44-jährige Politiker stammt aus Kronach, dem Tor zum Frankenwald. Das Ergebnis der Runden: "Wir wollen einen ergebnisoffenen Dialog über einen Nationalpark Frankenwald", sagte Baumgärtner. "Das kann eine große Chance für unsere Region sein." Bislang sind der Spessart und die Rhön mit ihren Buchenwäldern sowie die Region Neuburg an der Donau mit ihren Auwäldern in dem Auswahlverfahren.

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Die Staatsregierung reagierte sehr erfreut auf die Bewerbung aus Oberfranken. Ministerpräsident Horst Seehofer kommentierte sie mit den Worten: "Vom Frankenwald spreche ich seit Monaten." Umweltministerin Ulrike Scharf kündigte an, dass sie demnächst in den Frankenwald fahren wird, um das "Premiumangebot Nationalpark persönlich vorzustellen".

Scharf betonte, dass ein Nationalpark eine große Chance für den Frankenwald wäre. Baumgärtner erklärte, dass "der Frankenwald im Kern vier ausgeprägte Kompetenzen mitbringt: eine wunderschöne und wertvolle Natur, eine äußerst innovative Industrie, starke mittelständische Unternehmen sowie engagierte Arbeitnehmer".

Der Frankenwald mit seiner höchsten Erhebung, dem Döbraberg (795 Meter), ist ein ungefähr 100 000 Hektar großes Waldgebiet im Nordosten Bayerns, er reicht bis nach Thüringen hinein und ist etwa zur Hälfte bewaldet. Es sind zu drei Viertel Fichten, die dort wachsen, nur zwölf Prozent der Bäume in der Region sind Buchen.

Zudem handelt es sich bei den Wäldern im Frankenwald fast ausschließlich um Wirtschaftswälder. Knapp zwei Drittel sind in Privatbesitz, gut 10 000 Hektar sind Kommunalwald, die verbleibenden 20 000 Hektar sind Staatswald. Damit ist im Staatswald rein rechnerisch das Potenzial für einen Nationalpark mit 10 000 Hektar Fläche vorhanden, wie es das bayerische Naturschutzgesetz vorgibt.

Der größte Teil des Frankenwalds ist als Naturpark ausgewiesen. Zu den Naturschönheiten dort zählen das Höllental bei Bad Steben mit seinen Aussichtspunkten "Hirschsprung" und "König Davis", die Radspitze und der "Eckscher Höhenweg", und das Loquitzal bei Lauenstein. Außerdem ist die stille Region Rückzugsraum für seltene Tierarten, für die Wildkatze zum Beispiel und den Schwarzstorch.

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Der Bund Deutscher Forstleute, der Berufsverband für Forstleute im öffentlichen Dienst und Privatunternehmen, hat den Frankenwald als "Waldgebiet des Jahres 2017" ausgezeichnet. "Hier gelingt es in besonderer Weise, die forstliche Nutzung in Einklang mit dem Naturschutz und der touristischen Nutzung zu bringen", heißt es in der Laudatio.

Die Naturschutzverbände wurden komplett von der Ausweitung des Auswahlverfahrens überrascht. "Natürlich freut es uns sehr, wenn Abgeordnete ihre Region ins Gespräch bringen", sagte der Landesbeauftragte des Bundes Naturschutz, Richard Mergner. "Aber einen Nationalpark Frankenwald hatten wir bisher überhaupt nicht auf dem Schirm." Deutlicher äußerte sich der Chef des Vogelschutzbundes LBV, Norbert Schäffer. Zwar betonte auch er, dass sein Verband die Wortmeldung aus der Region begrüße.