Umstrittenes Theaterplakat Blasphemie-Streit in Dinkelsbühl

Umstritten: Die einen sehen in diesem Plakat eine Herabwürdigung der christlichen Religion, die anderen plädieren für die Freiheit der Kunst.

(Foto: oh)
  • Ein Theaterplakat in Dinkelsbühl sorgt derzeit für Aufregung.
  • Darauf zu sehen: Ein Hügel mit drei gekreuzigten Menschen und die Zeile "Sichern Sie sich die besten Plätze!"
  • Das Landestheater betont, dass das Motiv keine Provokation sein sollte. Trotzdem fordern einige empörte Dinkelsbühler nun die Absetzung des Sommerprogamms.
Von Katja Auer, Dinkelsbühl

Gut, vielleicht hätte jemanden auffallen können im Landestheater Dinkelsbühl, dass der Text auf dem Plakat ein bisschen zweideutig ist. Ein Hügel mit drei Kreuzen ist darauf zu sehen, Golgatha könnte es zum Beispiel sein, wo Jesus Christus gekreuzigt wurde. Und darunter steht, im Schattenriss des Berges: "Sichern Sie sich die besten Plätze."

Nein, doch nicht für eine Kreuzigung, so sei das überhaupt nicht gemeint gewesen, beteuert man im Landestheater. Nicht einmal als Provokation, als Scherz schon gar nicht. Für das Sommertheater sollten sich die Zuschauer schon Karten besorgen. Schließlich gebe es da im Sommer ein tolles Programm: Vom 17. Mai an wird die Rockoper "Jesus Christ Superstar" gespielt. Deswegen auch das Plakat-Motiv. Aber in Dinkelsbühl will die Erregung gar nicht mehr abflauen.

Absetzung des Sommerprogramms

Dabei hatte sich Intendant Peter Cahn so gefreut, als er seinem Theater die Rechte für das Musical doch noch sichern konnte, nachdem das im vergangenen Jahr schon einmal gescheitert war. Es ist ein großes Projekt für die kleine Bühne, es braucht eine Menge Geld und Personal.

Und jetzt das. Die Leserbriefspalten der Fränkischen Landeszeitung sind voll von Kommentaren über die angebliche Herabwürdigung der christlichen Religion und anderen, die gerade nach den Anschlägen in Paris die Freiheit der Kunst verteidigen. Die Debatte geht inzwischen so weit, dass einige Dinkelsbühler sogar die Absetzung des Sommerprogramms fordern. Intendant Cahn bekommt Post, auch anonyme ist darunter, deren Absender ihm Blasphemie vorwerfen und dass er sich über die Kreuzigung Jesu lustig mache. "Die Aufforderung, sich dabei die besten Plätze zu sichern, ist menschenverachtend", heißt es in einem Schreiben. Deswegen müsse das Stück abgesetzt werden. Kein Geld der Welt, das zweifellos in die Aufführung gesteckt worden sei, sei es wert, sich über "einen allmächtigen und liebenden Gott lustig zu machen".

Das Musical gehört zu den erfolgreichsten überhaupt

Das will Cahn gar nicht. Absetzen aber auch nicht. Auf keinen Fall. Im Gegenteil, er sei froh, in einer Gesellschaft zu leben, in der offen über den Glauben diskutiert werden könne. Und die Toleranz, die von anderen Glaubensgemeinschaften wie den Muslimen eingefordert werden, "müssen wir auch von uns selbst einfordern", sagte er der Fränkischen Landeszeitung. Er wird also weiterproben. Auch wenn er inzwischen einräumt, dass er das Plakat nicht ausgewählt hätte, wenn er sich seiner Wirkung bewusst gewesen wäre.

Dabei ist "Jesus Christ Superstar" längst kein Stück mehr, das für die ganz große Aufregung taugt. Es erzählt mit eingängigen Liedern die sieben letzten Tage Jesu und freilich gab es seit der Uraufführung 1971 in New York immer wieder Widerstand und Kritik aus kirchlichen Kreisen. Dennoch zählt das Musical heute zu den erfolgreichsten überhaupt. Selbst Radio Vatikan, das nicht als progressivster aller Radiosender gilt, hatte die Rockoper schon im Programm. Aber möglicherweise ist das in Dinkelsbühl nur schlecht zu empfangen.