Die einst so stolze CSU schrumpft auf 40 Prozent plus X. Das liegt am Landesbank-Desaster, aber auch an den abrupten Richtungswechseln von Parteichef Seehofer.
Freude in Zeiten der Krise: Immerhin 41 Prozent der bayerischen Wähler würden sich laut Umfrage für die CSU entscheiden. Berauschend ist das Ergebnis nicht - aber immer noch besser, als von vielen in der Partei erwartet. Dort ist man von Werten unter der 40-Prozent-Marke ausgegangen.
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Horst Seehofer: Der Parteichef hat die Vorurteile über sich bestätigt. (© Foto: AP)
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Dieser großen Erleichterung, die sich nun breitmacht, sind auch die Siegesparolen zuzuschreiben, die die Partespitze nun ausgibt. Denn auch jetzt ist die CSU noch immer mit Abstand die stärkste Partei im Freistaat - und angesichts der schlechten Umfragewerte der anderen Parteien, wäre sogar noch Luft nach unten.
Doch einen Grund zur Euphorie gibt es nicht. Die Umfrage- und Wahlergebnisse der CSU sinken stetig. Von den mehr als 60 Prozent von einst kann Parteichef Seehofer noch lange träumen. Daran ist die CSU selber schuld. Jüngstes Beispiel ist das Milliarden-Desaster bei der Bayerischen Landesbank. Für den Wähler ist das Problem der Staatsbank längst auch zum Problem des Staates geworden und damit der CSU.
Doch es wäre zu kurz gegriffen, den stetigen Vertrauensverlust der Wähler allein mit dem Missmanagement alter CSU-Größen zu erklären, die aus ihrer Selbstüberschätzung heraus eine Regionalbank zu einem Global Player machen wollten. Die Ursachen sind vielschichtiger und liegen in der selbstzerstörerischen Entwicklung, die die Partei in den letzten Jahren genommen hat.
Die CSU hat sich ihrer größten Stärke beraubt: ihrer Verlässlichkeit. Heute steht sie vor allem für abrupte Richtungswechsel. Das Schlimmste daran: Synonym für diese Unberechenbarkeit ist Parteichef Horst Seehofer. Der einstige Bundesminister war nach dem Verlust der absoluten Mehrheit in Bayern die letzte Hoffnung der Partei. Ausgerechnet er, der unberechenbare Einzelgänger.
Doch Seehofer hat alle alten Vorurteile über sich bestätigt. Er ist es, der maßgeblich durch seine politischen Alleingänge zum Vertrauensverlust beiträgt. Er kann stündlich seine Meinung ändern - ohne dies jemals mit den Parteifreunden abzustimmen.
Doch Seehofer sitzt fest im Sattel. Nach der Umfrage, in der die CSU noch mal mit einem blauen Auge davongekommen ist, werden seine parteiinternen Kritiker schweigen. Vorerst zumindest.
Und noch etwas hat sich verändert in der CSU. So sehr hinter den Kulissen schon immer um Posten und Einfluss gerangelt wurde - wenn es ernst wurde, hat die CSU immer Geschlossenheit demonstriert. Heute dagegen präsentiert sich die Partei zerstritten und zerklüftet. Für die eigenen Anhänger ist das verstörend.
Auch mit der Landtagsfraktion ist derzeit nicht viel los. Einst galt sie als Herzkammer der CSU. Hier sitzen die meisten Kreisvorsitzenden der Partei, die sich rühmten, das Ohr an der Basis zu haben und zu wissen, was die Menschen von ihrer CSU erwarten. Früher hat der Fraktionschef Einfluss auf die Regierung genommen, Politik gestaltet, heute nickt er sie nur noch ab. Die wenigen, die sich kritisch äußern, tun dies fast ausschließlich hinter vorgehaltener Hand. Die Herzkammer bräuchte dringend einen Schrittmacher.
Es wird höchste Zeit, dass sich die CSU ihre Probleme eingesteht und auf eine ehrliche Debatte über den eigenen Zustand einlässt. Dies wird schmerzhaft sein. Doch nur mit einer ehrlichen Analyse der eigenen Fehler kann die Partei wieder zu alter Stärke zurückfinden. In Berlin erstrittene Steuervergünstigungen für Hoteliers oder Millionenhilfen für Landwirte lindern nur vorübergehend den Schmerz, heilen aber keine Wunden. Außerdem ist es höchste Zeit, sich endlich wieder um die Sachpolitik zu kümmern. Miteinander reden ist angesagt, nicht übereinander.
Immer wieder wurden umfassende und tiefgehende Analysen angekündigt. Stattgefunden haben sie bis heute nicht. Auch jetzt, nachdem die Partei nicht unter die 40 Prozent gerutscht ist, wird eine Debatte ausbleiben. Das könnte sich noch bitter rächen. Dann wird sich die CSU nicht nur an Umfrageergebnisse unter 40 Prozent gewöhnen müssen, sondern irgendwann auch an solche Wahlergebnisse.
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(sueddeutsche.de/cmat/gba)
OB-Kandidatin Nallinger
Die neueste Antwort
alles eine Wiederholung von hundertfach in diversen Beiträgen schon gesagtem, chewbacca0815. Das sieht laut repräsentativer Umfrage die Mehrheit anders. Und wir leben halt in einer Demkokratie.
Denn die CSU wird noch lange brauchen, die Tragweite dieses Vertrauensverlustes zu verstehen, wenn überhaupt. Und je länger eine schonungslose, objektive und offene Debatte in der Partei unterdrückt wird, je länger intern ein "Weiter wie gehabt" zwar nicht propagiert, aber de facto gelebt wird, desto mehr Boden wird verloren und schon bald wird die 4 vorne einer 3 weichen müssen.
Ja, die Menschen sind unzufrieden mit Seehofer, der Regierung und der CSU - und dies mit Fug und Recht. Dass das Ergebnis noch so "glimpflich" ausgefallen ist, verdankt die CSU nicht der eigenen Stärke, sondern der Schwäche der anderen Parteien. Aber auch diese Offensichtlichkeit wird in dem - mir vollkommen unverständlichen - Freudengeschrei überhört. Wer wie Hr. Seehofer angesichts dieser verheerenden Bilanz von Stärke und Bestätigung spricht, ist dem Realitätsverlust und dem Selbstbetrug bereits gandenlos verfallen.
Täuschen Sie sich da mal nicht, werter Kasperl. An Selbstüberschätzung sind schon manch Andere zugrunde gegangen.
Zum Einen sehen wir momentan sehr schön, wieviel "Verantwortung" der Trachtenverein an der Nymphenburger wirklich bereit ist zu übernehmen, zum Anderen war hier enorme kriminelle Energie im Spiel, den eigenen Größenwahn in diese Dimensionen aufzublasen. Man könnte auch die Bildung einer kriminellen Vereinung zum Schaden des Freistaates zugrunde legen, da diese Züge durchaus erkennbar wären. Der Freistaat allerdings ist nicht allein der Amigostadl sondern die Summe der in Bayern lebenden Bürger und Bürgerinnen (nur mal so am Rande bemerkt, weil schwer verständlich für einen CSUler).
Hätte irgendjemand im Amigostadl auch nur den Hauch von Verantwortung gehabt, wäre es niemals soweit gekommen. Sie scheinen sich nicht im Klaren zu sein, was "Verantwortung haben" tatsächlich bedeutet. Das ist mitnichten der bedingungslose Kadavergehorsam deren rund um den bairischen MP. Es ist auch nicht der vorauseilende Gehorsam der Minsterialbeamten, ihrem Obersten Führer in jeder Weise gefallen zu wollen.
Verantwortliches Handeln sieht anders aus! Diese Ansammlung von verantwortungslos agierenden Stammtischbrüdern ist meilenweit davon entfernt, Verantwortung zu übernehmen; im Gegenteil, man weist ja jegliche Verantwortung weit von sich! Was bei diesem Schnellstmeinungswechsler an der Spitze allerdings nun auch wieder nicht überrascht.
"CSU kann mit Wirtschaftskompetenz punkten"
Häh???
Und die Erde ist doch eine Scheibe, was??
Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, daß keinem der hier so moralisch überheblich Urteilenden jemals soviel Verantwortung zugeeignet wurde, daß er je in die Verlegenheit gekommen wäre einen Fehler von größerer Tragweite zu begehen. Vermutlich aus guten Gründen.
Um die Antwort auf die Frage woher das Personal kommen soll, das vergleichbare Fehler in Zukunft garantiert nicht macht, drückt sich auch jeder herum. Wenn mir jemand eine überzeugende Alternative nennt, bin ich dabei.
Paging