Es wird eng für die CSU - eine aktuelle Umfrage sieht die Partei bei gerade noch 50 Prozent. Das sind zehn Prozentpunkte weniger als bei der vergangenen Landtagswahl. Solche Werte kratzen am Selbstbewusstsein - und an der Herrlichkeit von Parteichef Huber und Ministerpräsident Beckstein.

Weil es schlecht um das Image der CSU steht und die Münchner Abendzeitung (AZ) mit neuem Layout und Konzept aufwartet, haben sich die beiden an der Spitze zu einem Doppelinterview entschlossen. Parteichef Erwin Huber und Ministerpräsident Günther Beckstein plauderten einträchtig daher.

Beckstein dpa, csu

Miniserpräsident Günther Beckstein: (© Foto: dpa)

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Am meisten weh getan hätten persönliche Angriffe, verriet CSU-Vormann Huber der AZ: "Wenn einer aus den eigenen Reihen sagt, meine Frisur sei nicht in Ordnung."

Na, wenn er da nicht etwas vergessen hat. Aktuelle Befragungen des bayerischen Wählervolks zum Beispiel. Und danach wird es langsam eng für die CSU. Laut einer aktuellen Umfrage im Auftrag von Sat1 müssen die Christsozialen um ihre absolute Mehrheit in Bayern bangen. Ein halbes Jahr vor der Landtagswahl liegt die Partei derzeit nur noch bei 50 Prozent. Bei der Landtagswahl im Jahr 2003 war sie mit ihrem damaligen Parteichef Edmund Stoiber noch auf 60,7 Prozent gekommen und konnte sich damit erstmals die Zweidrittelmehrheit im Parlament sichern.

Die bayerische SPD käme der Umfrage zufolge auf ein Ergebnis von 21 Prozent, wenn schon am nächsten Sonntag statt im September Landtagswahl wäre. Die Grünen liegen bei zehn Prozent. Die FDP könnte mit fünf Prozent in den Landtag einziehen. Dagegen kämen die Freien Wähler und die Linke nur auf jeweils vier Prozent.

Die Umfrage stammt von der GMS Dr. Jung Gesellschaft für Markt- und Sozialforschung. Befragt wurden rund 1500 Bürger im Zeitraum vom 31. März bis zum 6. April. Im Januar hatte eine GMS-Umfrage noch 56 Prozent für die CSU ergeben.

Während sich andere Parteien über dieses Umfrageergebnis freuen würden, geht in der CSU nun sicherlich erneut die Angst um. Denn was für kleine Parteien die Fünf-Prozent-Hürde ist, sind für die CSU die 50 Prozent. Zwar könnte die Partei noch immer alleine im Freistaat regieren, auf der bundespolitischen Bühne würde ihr Einfluss jedoch immer mehr dahinschmelzen. Aussichten, die vor allem Parteichef Erwin Huber schlaflose Nächte bereiten könnten.

Auf der Klausurtagung des CSU-Vorstands in Wildbad Kreuth hat der Parteichef erst vor wenigen Tagen wieder die Parole ausgegeben, in den nächsten Monaten vor allem mit bundespolitischen Themen punkten zu wollen. Vor allem mit der Wiedereinführung der Pendlerpauschale ab dem ersten Kilometer, Steuererleichterungen für den Mittelstand und bei der Erbschaftssteuer will Huber versuchen, das Vertrauen der Wähler zurückzugewinnen.

Denn gerade in den vergangenen Wochen war die CSU immer wieder ins Fadenkreuz der Kritik geraten. Bei der Kanzlerin ist Huber bislang mit seinen Forderungen abgeblitzt. Und nach dem schlechten Kommunalwahlergebnis, den Debatten um das umstrittene Rauchverbot und das Aus für das Prestigeprojekt Transrapid wurde auch die parteiinterne Kritik am Führungsduo Beckstein/Huber immer lauter. Von Kommunikationspannen und fehlenden Zukunftsvisionen war die Rede.

Zwar hatte sich die Parteiführung am Wochenende noch eine neue Geschlossenheit verordnet. Wie lange diese angesichts aktueller Umfragewerte anhalten wird, muss sich zeigen. Generalsekretärin Christine Haderthauer ruft die Parteifreunde bereits zur Zusammenarbeit auf, um bis zur Landtagswahl zu den 50 Prozent wieder ein deutliches plus X hinzuzufügen. Denn: "Das ist keine Zahl zum Ausruhen, sondern ein Arbeitsauftrag für die gesamte Partei."

Für Fraktionschef Georg Schmid steht nach der Umfrage fest, dass sich die CSU zunächst stabilisiert habe. "50 Prozent ist ein Wert, den keine andere Partei in Deutschland erreicht. Auf dieser Basis werden wir unseren soliden Kurs fortsetzen."

Die Landtagsopposition reibt sich indes die Hände: "Frau Haderthauer versucht, sich ein für ihre Verhältnisse höchst blamables Umfrageergebnis schönzureden", wettert die SPD-Abgeordnete Adelheid Rupp. Von Tag zu Tag werde das Versagen der CSU deutlicher - und das beginne sich immer klarer in Umfragewerten niederzuschlagen.

Eine Erkenntnis Becksteins in der Abendzeitung wird derzeit täglich auf beängstigende Weise bestätigt: "Der Wind ist am Gipfelkreuz deutlich stärker als im Tal."

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(sueddeutsche.de/ddp-bay/bica/jja)