Von Klaus Brill und Max Hägler

Tschechien will Atommüll nahe der deutschen Grenze einlagern - das versetzt Ostbayern in Aufregung.

In Tschechien werden derzeit zwei militärische Sperrgebiete nahe der bayerischen Grenze auf ihre Tauglichkeit für den Bau eines atomaren Endlagers untersucht. Die beiden Areale liegen bei Cesky Krumlov (Krumau) im Süden und bei Karlovy Vary (Karlsbad) im Norden.

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Die Karte zeigt die beiden Areale, die Tschechien ins Auge fasst: Sie liegen bei Cesky Krumlov (Krumau) im Süden und bei Karlovy Vary (Karlsbad) im Norden. (© Grafik: SZ)

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Das bestätigte der Leitende Direktor der staatlichen Behörde für die Entsorgung radioaktiven Abfalls, Vitezslav Duda, am Freitag der Süddeutschen Zeitung.

Nach seinen Worten handelt es sich bisher aber nur um "vorläufige Untersuchungen". Die Regierung müsse noch entscheiden, ob im nächsten Jahr auch geologische Studien eingeleitet werden sollten. Diese könnten frühestens im Jahr 2012 abgeschlossen werden. Erst danach stünden Bohrungen und schließlich eine endgültige Entscheidung an.

Der Vorgang stößt in den beiden angrenzenden Ländern Bayern und Österreich allerdings schon jetzt auf Widerstand. "Wir sind besorgt und werden die Untersuchungen in Tschechien sehr genau verfolgen", sagte Bayerns Umweltminister Markus Söder (CSU).

Er kündigte an, die bayerische Regierung werde sich direkt an die tschechische Regierung wenden und forderte ein Einschreiten von Bundesumweltminister Gabriel.

Der niederbayerische CSU-Chef Manfred Weber nannte es "inakzeptabel, dass ein Endlager mitten in einer der schönsten Naturregionen Europas" entstehen solle. Der südliche der beiden möglichen Standort, 20 Kilometer von der bayerischen Grenze entfernt, liege im geplanten Tourismusdreieck Böhmerwald und sei damit der "denkbar schlechteste Ort".

Er hätte sich aus Gründen der guten Nachbarschaft gewünscht, dass man informiert werde über derlei Planungen. "Neben dem Atomkraftwerk Temelin ist das geplante Endlager für uns Ostbayern ein weiterer Punkt, der die Zusammenarbeit mit Prag trübt", sagte Weber.

Der Landeshauptmann von Oberösterreich, Josef Pühringer, nannte das Lager mit Blick auf die Tourismusregion ebenfalls "völlig undenkbar". Das Land Oberösterreich habe in diesem Bereich viel investiert. "Wir werden deshalb auf grenzüberschreitenden Widerstand setzen", sagte Pühringer.

Grüne kritisieren "Doppelzüngigkeit" der CSU

Auch die bayerischen Grünen warnen vor den Plänen. Der Granit in Böhmen sei wegen der Zerklüftung ungeeignet für Lagerstätten, sagte Eike Hallitzky, Landtagsabgeordneter der Grünen.

Seine Fraktion forderte Umweltminister Söder auf, den Landtag sofort über das Projekt und mögliche Risiken zu informieren. Hallitzky kritsierte auch die CSU wegen ihrer "Doppelzüngigkeit". Einerseits wolle die CSU in Deutschland die Speerspitze der Atomkraft sein, andererseits möchte sie aber kein Endlager akzeptieren und sich an die Spitze des Widerstandes stellen.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) reagierte mit Verwunderung auf den Hilferuf seines bayerischen Ressortkollegen. Die Unterstützung der Atomkraft - wie von der CSU exerziert - führe schließlich auch im eigenen Land "unweigerlich zu einer Vervielfachung des Atommülls", sagte Gabriel der SZ. Es sei erfreulich, "dass Herr Söder offenbar langsam zu begreifen scheint, dass Atomkraft keine Bioenergie ist".

Mit Blick auf den Koalitionsstreit auf Bundesebene und die Diskussion um das deutsche Endlager Gorleben forderte Gabriel "ein transparentes, ergebnisoffenes Suchverfahren auch für Deutschland".

Das österreichische Umweltministerium hält sich mit einer Einschätzung weitgehend zurück. "Erst einmal müssen sich die Tschechen auf einen Standort einigen, dann werden wir uns einbringen", heißt es aus Wien. Bislang werden die Atomabfälle aus Temelin und einem weiteren Reaktor in Dukovany in den Kraftwerken selbst gelagert.

Nach den Planungen der tschechischen Regierung soll bis 2015 die Entscheidung über den Bau eines atomaren Endlagers fallen, das dann 2025 in Betrieb genommen werden könnte. "Das ist eine lange Zeit, das ist genug Zeit", sagte Vitezslav Duda dazu.

Nach Angaben des Direktors gelten bisher geologische Formationen in sechs verschiedenen Gemeinden in ganz Tschechien als geeignet. In vier dieser sechs Orte gibt es jedoch heftigen Widerstand. In den beiden übrigen sei man nahe an einer Verständigung. Allerdings habe die Regierung seine Behörde schon vor einiger Zeit gebeten, zusätzliche Untersuchungen in den jetzt genannten Gebieten anzustellen, sagte Duda.

Zahlreiche Bürger und Kommunalpolitiker aus Ostbayern hatten sich schon bisher gegen den Betrieb des ebenfalls in Grenznähe gelegenen südtschechischen Atomkraftwerks Temelin ausgesprochen. Dort war es in der Vergangenheit mehrmals zu Störungen gekommen.

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(SZ vom 30.05.2009/dmo/odg)