Die Wahrheit über die Kosten des Transrapid-Projektes bringt die bayerische Staatsregierung in schreckliche Erklärungsnot. So zum Spaß, und um der Welt zu zeigen, was man alles auf die Beine stellen kann, verbrät man nicht mehr als drei Milliarden Euro - schon gar nicht, wenn wichtige Verkehrsprojekte wegen Geldmangel auf Eis liegen.
Es ist gerade mal ein halbes Jahr her, da freuten sie sich wie Kinder, die endlich die neue Modelleisenbahn in den Händen halten.
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Was soll man machen? Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein bei der heutigen Pressekonferenz in Berlin, bei der das Ende des Transrapids verkündet wurde. (© Foto: AP)
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Der scheidende Ministerpräsident Edmund Stoiber und sein Wirtschaftsminister Erwin Huber verkündeten den "endgültigen Durchbruch" für den Transrapid zwischen der Münchner Innenstadt und dem Flughafen. Man hat der Bevölkerung allen Ernstes weismachen wollen, die Finanzierung des bayerischen (und deutschen) Prestige-Objekts sei gesichert.
Was damals schon jeder wusste, der es wissen wollte: Diese Summe reicht hinten und vorne nicht. Durchbrüche werden beim Bau eines Tunnels gefeiert. In diesem Fall hatte man aber gerade erst die halbe Strecke unter dem Berg freigelegt.
Die Staatsregierung ist angesichts der endlich geoffenbarten, der ganzen Wahrheit in schrecklicher Erklärungsnot. Für die Steuerzahler in ganz Deutschland, besonders aber in Bayern, ist die Nachricht eine einzige Offenbarung.
Dass der Bund mit einer Beteiligung von fast einer Milliarde Euro schon die Schmerzgrenze überschritten hatte, war deutlich. Klar war also auch, dass der Freistaat Bayern nun das gewaltige Kostenrisiko zu tragen hatte. Dieser Kelch ist nun an allen vorübergegangen, die einer nüchternen Analyse von Kosten und Nutzen zugänglich sind.
Natürlich wird jetzt auch wieder das alte Lied angestimmt: Der Prophet zähle nichts im Lande, deutscher Erfindergeist werde anderswo genutzt, weil die Leute hier dem Fortschritt der Technik und den wegweisenden Entwürfen misstrauten.
Der Transrapid kommt aber bisher nur auf einer einzigen Strecke in China zum Einsatz, offensichtlich nicht so überzeugend, dass sich die Welt um ihn reißen würde. Dass der Sausewind auf den gerade mal 37 Kilometern zum Münchner Flughafen einen Ansturm von Interessenten ausgelöst hätte, erwarteten nur grenzenlose Optimisten.
Er ist, um Punkt A mit Punkt B schneller zu verbinden, jedenfalls im dichtbesiedelten, von Schienennetzen durchzogenen Mitteleuropa ein schwer integrierbarer Fremdkörper - und schlicht zu teuer. Der Vorteil, den er gegenüber einer beschleunigten, auf Schienen rollenden Bahn ausspielen kann, steht nicht in angemessenem Verhältnis zu den hohen Kosten.
Das galt schon für die Strecke zwischen Hamburg und Berlin, für den Metrorapid im Ruhrgebiet, es hat auch Gültigkeit für das Münchner Projekt. So zum Spaß, und um der Welt zu zeigen, was man alles auf die Beine stellen kann, verbrät man nicht mehr als drei Milliarden Euro. Schon gar nicht, wenn gleichzeitig wichtige Verkehrsprojekte wegen Geldmangels auf Eis liegen.
- Kostenexplosion bei Transrapid "Kein Plan B" 27.03.2008
- Prestige-Projekt gescheitert Transrapid wird nicht gebaut 27.03.2008
- Bildstrecke Chronologie des Scheiterns 27.03.2008
(SZ vom 28.03.2008/gba)
Gewalt in Syrien
Die neueste Antwort
Hauptsache man schreibt was übers Rauchen - obs zum Thema passt oder nicht...
Aber zum Thema: Was die CSU jetzt abzieht ist total lächerlich. Sich beleidigt in die Ecke setzen und motzen:
Jetzt kriegt ihr halt gar keine Anbindung des Flughafens, soll sich doch die Münchner SPD drum kümmern und das bezahlen. Die Millionen nutzen wir jetzt für Wahlgeschenke, um uns bei den Landtagswahlen zu retten, und das sagt der Beckstein auch noch öffentlich, wie blöd kann sich ein Ministerpräsident anstellen?
Es kann doch nicht weitere 10-20 Jahre dauern, einen Zug vom Hauptbahnhof zum Flughafen fahren zu lassen, der weniger als 50 Minuten braucht. Es fehlt schlicht am Willen in der CSU, eine vernünftige Lösung zu finden.
Ich schlage vor eine 40 Km lange Brücke vom Hauptbahnhof bis zum Flughafen zu bauen und darauf einen getunten Hochgeschwindigkeitspendelbus fahren zu lassen...
das wäre doch mal ein Prestigeobjekt...
Was in Bayern passiert, ist erschreckend! Mit der Entscheidung gegen den Transrapid wurde der Anspruch "Laptop und Lederhose" aufgegeben. Selbst Bayern ist nicht mehr in der Lage ein Zukunftsprojekt zu vollenden. Es reicht doch schon, wenn im stolzen FREISTAAT Massen von Menschen vor den Kneipen stehen und rauchen müssen, weil auch hier die vielbeschworene bayerische Liberalität missachtet wurde. In grotesker Weise rückt die CSU von ihrem Motto "Näher am Menschen" ab, weiter weg kann man kaum noch sein. Die beiden führenden CSU-Granden wirken hoffnungslos überfordert und stammeln sich von Pressekonferenz zu Pressekonferenz. Hat Gabriele Pauli das alles wirklich gewollt?
Die zum nächsten Wahltermin schielenden Politiker stopfen mit den Milliarden, die sie dem Kleinen Mann mithilfe der Schröderschen Gesetze aus der Tasche gezogen haben, lieber die gigantischen Löcher, die größenwahnsinnige Banker in ihre Bilanzen gerissen haben, anstatt in eine Technologie zu investieren, die - langfristig betrachtet - ökologisch und ökonomisch sinnvoller ist als jede andere bekannte Alternative. Wieder einmal hat das Mittelmaß, haben die Bedenkenträger gesiegt: Feinstaubverbreitende Holzverbrenner, Krötenretter und andere Gutmenschen sorgen mit ihren emotionsgeladenen Vorurteilen dafür, dass sich nichts mehr bewegt in Deutschland. Gute Nacht!
... sind die Beschäftigten und die Nutzer des Flughafens sowie die Umwelt.
1974 wurde das Planfeststellungsverfahren für den Flughafen am jetzigen Ort eingeleitet.
1993 ging der Flughafen in Betrieb.
2006 ging die ICE Strecke von München nach Ingolstadt in Betrieb, ohne Haltestelle am Flughafen
Seit 1974 oder spätenstens 1993 hätte man schnellstens für eine schnelle Anbindung des Flughafens mit der Stadt München bzw. dem Hauptbahnhof München sorgen müssen.
D.h. seit 34 bzw. 15 Jahren verschlafen die Politiker aller Parteien diese wichtige verkehrspolitische Aufgabe. Und so werden auch weiterhin viele der 27000 Beschäftigten und der 34 Mio Reisenden mit dem Auto zum Flughafen fahren, zur Freude des Parkplatzbetreibers und zum Schaden der Natur.
... ist der Kupferpreis. Damit wird er buchstäblich unkalkulierbar.
Selbst für so eine Kurzstrecke, wie die zum Flughafen bedeutet das schon das Aus, obwohl die dafür benötigte Menge Kupfer wohl noch nicht den Weltmarkt bewegen würde.
Ganz anders wäre das aber bei einer Langstrecke, wofür das Konzept ja eigentlich gedacht ist. Aus diesem Grund lassen da auch die Chinesen die Finger weg.
Es war halt vom Start weg eine Schnapsidee, einen gigantischen Elektromotor zu bauen, der nur im Promillebereich genutzt wird, indem ein Zug auf ihm fährt.
Nachtrauern wird ihm niemand, ausser den Aktionären, deren Geld für Entwicklung verbrannt wurde. Von den Subventionen reden wir mal garnicht. Das ist aber immer noch besser so, als dem schlechten Geld haufenweise gutes nachzuschmeissen.
C.
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