Transfer von Schwarzgeld Eine halbe Million unterm Designerhemd

Auch der "Ameisenverkehr" führt nicht immer zum Ziel: Die Fahnder im Grenzgebiet stellen immer mehr Steuerhinterzieher.

(Foto: dpa)

Goldbarren in der Handtasche, Bargeld im Lebkuchenhaus: Seit der Verurteilung von Uli Hoeneß blüht der Schwarzgeld-Verkehr im Allgäu. Dabei versuchen sich einige Steuerhinterzieher besonders schlau anzustellen - und werden doch erwischt.

Von Stefan Mayr, Lindau

Dass sich im Allgäu Touristen aus allen Ecken der Republik und der Welt tummeln, ist bekannt. Um sie kümmern sich jede Menge Hoteliers, Gastwirte und weitere Geschäftsleute. Neuerdings taucht in der Alpenregion zwischen Lindau und Kempten aber zunehmend eine Art von Reisenden auf, für die sich besonders Polizei und Zollfahndung interessieren.

Die Beamten in Lindau haben es mit einer ganz speziellen Klientel zu tun: Wohlhabende Menschen, die Schwarzgeld von ihren Schweizer Konten nach Deutschland schmuggeln. Schon immer waren die Schweiz, Österreich oder das Fürstentum Liechtenstein eine Oase für Steuerflüchtlinge, und gelegentlich holten die Herrschaften dann auch einmal einen Teil ihres Geldes zurück, in der Hoffnung, unerkannt zu bleiben.

Doch heuer hat die Polizei mit den Schwarzgeld-Schmugglern plötzlich alle Hände voll zu tun. Auslöser dieser noch nie da gewesenen Geldtransport-Lawine sind Steuer-CDs mit brisanten Daten, die nach Deutschland geschickt wurden - und vor allem der Fall Uli Hoeneß. Der Manager des FC Bayern war am 13. März wegen Steuerhinterziehung zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Was danach kam, bezeichnet Hagen Kohlmann vom Hauptzollamt Ulm als "wirklich unglaublich": "Im April hatten wir die krasseste Spitze, da hatten wir bei zehn Fahrzeugkontrollen locker drei, vier Treffer."

Zahl der Schmuggler fast verdoppelt

In einem Jahr hat sich in der Region Lindau die Zahl der ertappten Geldschmuggler fast verdoppelt: 2012 gab es 44 Fälle, 2013 waren es 85. Und die Zollfahnder rechnen mit einem weiteren Anstieg im Lauf des Jahres. "Die Banken in Österreich, Schweiz und Liechtenstein haben ihre Kunden angeschrieben und ihnen, vereinfacht gesagt, mitgeteilt, dass sie bis Ende 2014 ihre Finanzen ordnen sollten", berichtet Hagen Kohlmann. "Das zwingt die Leute jetzt zum Handeln."

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Denn vom kommenden Jahr an wollen die Banken in den Noch-Steueroasen den deutschen Finanzbehörden die Daten ihrer Kunden übermitteln. "Wegen des Drucks von allen Seiten ist zurzeit sehr viel Geld in Bewegung", sagt Kohlmann.

Der Fahnder und seine Kollegen treffen auf ihren Kontrollfahrten in der Allgäuer Grenzregion auf allerlei skurrile Personen.Prominentestes Beispiel ist der Kunstsammler Cornelius Gurlitt, der in seiner Schwabinger Wohnung Gemälde im Wert von mehreren Millionen verwahrte. Die Zollfahnder waren auf ihn aufmerksam geworden, weil er im Jahr 2010 bei einer Routinekontrolle im Eurocity von Zürich nach München 9000 Euro Bargeld dabei hatte. Das ist an sich nicht strafbar, bis zu 10 000 Euro undeklariertes Bargeld darf man in die EU einführen. Doch die Nervosität des älteren Herrn erregte Verdacht, die Ermittlungen nahmen ihren Lauf.