Hohn der Menschheit: Wenn Medientiere wie Flocke und Knut erwachsen sind, fristen sie ihr Dasein als gelangweilte Ex-Berühmtheiten.
Wer sich nur mal versuchsweise ein Bild machen will von der naturbedingten Grausamkeit des Menschen, könnte dies beispielsweise in München tun, im Tierpark Hellabrunn. Dort wohnt die bereits betagte Großmutter des einst weltberühmten Publikumslieblings namens Knut. Lisa heißt die Dame, sie ist 30 Jahre alt, und meist liegt sie allem Anschein nach frustriert in der Sonne, während die Massen sich nebenan bei den Seelöwen und Pinguinen vergnügen.
Die kleine Eisbärendame Flocke erkundet im Tiergarten Nürnberg ihr neues Revier. (© Foto: AP)
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Um die zuweilen etwas affige Tier-Metaphorik zu verwenden, könnte man feststellen: Nach Lisa kräht kein Hahn mehr. Wenn man, vor ihrem nackten Felsen am Isarhochufer verharrend, über das Verfallsdatum des zoologischen Starkults nachdenkt, dann versinkt man in Depression.
Das ist nun mal der Lauf der Natur: Mit den Jahren werden aus süßen, quirligen Eisbärkindern fußlahme Rentner, Tiergreise ohne höheren Unterhaltungswert. Das Fell verfärbt sich bräunlich an unvorteilhaften Stellen, und gegen die wachsende Unförmigkeit hilft kein Botox, kein Lifting. Am Ende wendet sich das Publikum ab, nicht mit Grausen, sondern mit erbarmungslosem Desinteresse.
Wie ungerecht ist es doch, dass die Leute höhnische Bemerkungen machen ("guck mal, die Oma von Knut, ist die faul"), bevor sie sich der neuesten Sensation zuwenden: Irgendeine Nachwuchskraft aus dem Raubtierhaus oder bei den Giraffen sieht mal wieder so knuffig aus wie eines jener illusionären Kuscheltiere mit dem Knopf im Ohr. Immerhin dürfen die Bären noch in Würde ein Gnadenbrot bis zu ihrem natürlichen Tod fristen, während weniger attraktive Jungtiere - mal heimlich, mal vor Augen des ergriffenen Publikums - auf dem Speiseplan der Löwen landen, wenn die Relation von Zuchttieren und Gehegefläche leider mal wieder aus der Balance geraten ist.
Die Spitze des Medien-Eisbergs
Unterdessen geht der Wahnsinn weiter. Wer gehofft hätte, der Berliner Knut sei die Spitze eines medialen Eisberges gewesen, sieht sich nun getäuscht. Auf Youtube können Fans des Nürnberger Eisbärenmädchens Flocke jeden noch so tapsigen Schritt der jungen Heldin bewundern, die bald schon keine Heldin mehr sein wird, sondern ein halb vergessener Altstar. Auf den Rest von Privatsphäre der wehrlosen Tiere nimmt ohnehin kein Mensch mehr Rücksicht.
Die Vergänglichkeit des Ruhms ist dem Publikum dabei schnurzegal: Es will puppige Jungviecher sehen, die das Herz ansprechen - am besten mit dezenten Öhrchen und Stupsnasen, Streichelfell und Baby-Schnauzen, sonst droht der rasche Liebesentzug.
Dass sich die deutschen Zoos jetzt gegenseitig Konkurrenz machen, indem sie ihren Nachwuchs jeweils als größtmöglichen Superstar verkaufen und zu renditeträchtigen Souvenirs verarbeiten, ist eine neue Entwicklung. Noch bevor die Nürnberger ihre Flocke den Kameraleuten vorführen, haben sie in einem Anfall an fränkischer Gerissenheit die Komplettvermarktung in die Wege geleitet - ein bekanntes Versandhaus in Fürth hat den Lizenzvertrag gerade unterzeichnet.
Auf knallbunten Plakaten wird Flocke mit dem Slogan "Knut war gestern" angepriesen, was an Zynismus kaum zu überbieten ist: In wenigen Monaten blüht der verhätschelten Zoo-Prinzessin ein Schicksal wie dem einstigen Berliner Überbären. Sie wird vergessen sein und schlapp wie Oma Lisa die wenigen Getreuen vor ihrer Wohnung ignorieren. Wenn ein Bär erst mal bärenstark ist, dann ist er ein armer Hund, oder es geht ihm sogar wie Braunbär Bruno, der nun in einem Münchner Museum seine letzte Bleibe gefunden hat - als ausgestopfter Honigdieb mit problematischer Vergangenheit. Aber mit solchen Typen ist die bayerische Staatsregierung ja schon immer spielend fertig geworden.
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Probleme beim Berliner Flughafen lange bekannt
Die neueste Antwort
Der journalistischen Sorgfalt sollte es doch eigentlich geschuldigt sein dieses Traktat zumindest als "Kommentar" zu kennzeichnen......Mit sachlichem für und wieder hatte der Text auf jeden Fall nichts zu tun (Kritik an Zootierhaltung ist an sich natürlich legitim)
Die Zucht in Gefangenschaft sorgt für einen Überschuss an Tieren. Babys sind nämlich Kassenmagneten und ziehen massenweise Besucher an, die zusätzlich zum Eintrittsgeld auch noch Geld in den Geschenkeshops und Snackbars der Zoos ausgeben.
Zoos können vielleicht größere und feudalere Anlagen bauen, aber es sind und bleiben doch Gefängnisse. Viele "Verbesserungen" sind eher kosmetischer Art und dienen eher den Besuchern als den Tieren. Die meisten Tiere in Gefangenschaft leiden unter Frustration und Langeweile. Anstatt Millionen darauf zu verschwenden, Unmengen an Tieren einzusperren, sollten wir uns für die Erhaltung und Wiedereinrichtung dessen einsetzen, was wir Menschen den Tieren genommen haben: ihren ursprünglichen Lebensraum.
Starallüren bei einem Eisbären? Wer vermenschlicht denn hierunzulässeg?! Dem Tierbaby ist der Hype egal, solange in seiner Umgebung alles passt. Die Schweinerei war das Eindrigen von Paparazzis, die zur Verweisung der Kleinen geführt hat.
Solange die Information über eine Kamera unter der Kontrolle der Pfleger aufgenommen und danach erst über 1001 Wege verwurstet wird, ist es nur ein kleiner Eingriff in den Alltag des Tierbabys.
Die öffentliche Aufmerksamkeit hilft, Geld für Futter, Pflege und Beschäftigung ALLER Tiere im Zoo aufzutreiben, auch der uninteressanten. Gaffende und lärmende Zuschauer sind dagegen wohl kaum eine Notwendigkeit für die artgerechte Haltung.
ist ja mal wieder typisch. die massen begeistern sich für etwas und schon gibt es wieder die netten zeitgenossen, die alles durch den dreck ziehen müssen, garniert mit einer dicken portion kritik und zynismus an eben diesen menschen. was ist das für eine gesellschaft, in der man sich nicht einmal für etwas begeistern kann, ohne gleich abgewatscht zu werden.
ja - die hysterie um flocke, knut & co wird sich legen, aber vielleicht ist die begeisterung ja gerade so groß weil flocke eben nicht für ewig so klein und niedlich bleiben wird. außerdem wird durch das große interesse an flocke auch bei dem ein oder anderen mehr interesse an der umwelt und unserem klima geweckt, was doch durchaus positiv zu sehen ist. von den zusatzeinnahmen aus dem knut und flocke hype profitieren zudem noch die anderen tiere in den zoos.
also, was soll das gemecker?!
Die gemeine Volk interessiert eben sich mehr für Knut, Flocke und Konsorten und hat dabei keine Ahnung von der heimischen Wildniss direkt vor ihrer Haustür. Weite Teile dieser Bevölkerung, Erwachsene sowie Kinder, leidet unter dem Bambisyndrom, glaubt an den Osterhasen und denkt das die Milch von lila Kühen kommt. Kein Wunder!
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