Tiergarten Nürnberg Die Angstliste des Zoodirektors

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Betriebspannen haben im Tiergarten Nürnberg die Gesundheit einiger Tiere erheblich gefährdet. Zoodirektor Encke hat die Mängel in einem Papier benannt. Jetzt ist es öffentlich geworden und könnte für viel Wirbel sorgen.

Von Olaf Przybilla, Nürnberg

Vier Wochen alt ist das Delfinkalb im Nürnberger Tiergarten. Es ist gesund und wohlgenährt und angesichts der schlimmen Serie von toten Delfinkälbern in Nürnberg - 16 Jahre ist es nicht gelungen, einen jungen Delfin aufzuziehen - wäre das eigentlich die Schlagzeile, die man derzeit erwarten würde aus dem Zoo. Aber so ist es nicht. Seit Donnerstag muss Tiergartendirektor Dag Encke davon ausgehen, dass ein wenige Tage altes Eisbärenjunges in der Bruthöhle verendet ist, aus bisher ungeklärten Gründen. Womöglich hat die Mutter das Tier aus Versehen erdrückt, oder es starb eines natürlichen Todes. Aber das ist es nicht allein. Für mehr Wirbel sorgt nun ein internes Schreiben, in dem der Zoo Vorfälle auflistet, die schlechte Schlagzeilen einbringen könnten.

Baumängel in der Delfinanlage

Das Papier, es dürfte 2012 entstanden sein, trägt eine etwas ungelenke Überschrift: "Auflistung von Vorfällen im Tiergarten, die von Medien und/oder Tierrechtsorganisationen zum Schaden des öffentlichen Ansehens des Tiergartens in die Öffentlichkeit getragen werden könnten." Der Autor befasst sich zunächst mit dem "Hintergrund" der Liste, mit dem Grund also, warum diese überhaupt notwendig ist. Indirekt geht es um die Delfinhaltung. Beim Bau der neuen, 31 Millionen Euro teuren Lagune seien "immer wieder Fehler zutage" getreten. Weil sich der Tiergarten wegen der Lagune in den Fokus zahlreicher Tierschutzorganisationen gerückt sah, verstand sich das Papier offenbar als vorsorglicher Service. Es ging um die Frage, auf welche Vorwürfe Nürnbergs Stadtspitze womöglich noch vorbereitet sein muss.

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Ein schillerndes Potpourri ist da aufgeführt, zunächst geht es um Baumängel: So wurde das Steuerungsgerät für die Entrauchungsanlage im Blauen Salon - das ist der Raum, in dem Besucher die Delfine hinter einer großen Glaswand betrachten können - nicht ausgeschrieben und nicht installiert. Ob der Salon mit der Lagune, die 2011 eröffnet wurde, in Betrieb gehen könne, stand deshalb infrage. "Bisher", heißt es im Papier, "ist es nicht gelungen nachzuweisen, wer den Bock geschossen hat."

Seekühe waren in Lebensgefahr

Eine Fuge in der Lagune war undicht, Salzwasser floss in den Wald, ein Landschaftsschutzgebiet. Auch trat beim Bau der Lagune Ozongas aus und strömte in den Blauen Salon. Ein Bauarbeiter wurde verletzt, er musste im Krankenhaus behandelt werden. Die Regeltechnik an den Apparaturen wird als störungsanfällig beschrieben: So sank einmal, offenbar wegen eines Programmierungsfehlers, die Temperatur im Becken der Seekühe drastisch: Für kurze Zeit drohte den Tieren der "Kälteschocktod". Schwankungen des pH-Werts in der Lagune führten überdies zu Entzündungen bei Delfinen. Auch trat "völlig verdrecktes Wasser in das Seekuhbecken", als ein Funktionsraum überschwemmt wurde, "etliche Barsche" verendeten.

Damit nicht genug: Wegen Problemen mit der Wassertechnik wurden in der Lagune erhöhte Keimzahlen und pathogene Pilze festgestellt - die Delfine mussten akut behandelt werden. Auch wegen der "Verfütterung von Zootieren" fürchtete der Tiergarten öffentliche Erregung. So werden dort laut Liste Antilopen, Rinder, Hirsche, Murmeltiere, Esel und Pferde verfüttert. Für Empörung könne auch sorgen, dass nach Einberufung der Ethikkommission ein Pavian eingeschläfert werden musste - dieser habe "die gesamte Gruppe zu spalten" gedroht.

Tierausbrüche wurden nicht bekannt gemacht

Auch seien seit 2005 beileibe nicht alle Tierausbrüche bekannt gemacht worden, weil viele der Tiere problemlos wieder ins Gehege zurückgebracht werden konnten. Aufgezählt werden 15 Tierarten, darunter ein Flachland-Gorilla, ein Totenkopfaffe und mehrere Bennett-Kängurus. Auch wegen diverser Auseinandersetzungen mit Tieren "während der Routinearbeit" fürchtete der Zoo eine Skandalisierung. Etwa wegen der "Abwehr von Straußen mit Schaufel" oder der "Abwehr von hackenden Pinguinen mit Fischeimer".

Liest sich in der Gesamtschau tatsächlich wenig erfreulich, Dag Encke will da gar nicht widersprechen. Aber es ist "eben Ausdruck dessen, dass wir hier ein Riesendorf sind, mit allem, was halt auch mal schlecht laufen kann." Womit er freilich ein massives Problem habe, sagt Encke, sei die permanente Skandalisierung des Zoos durch Tierschutzorganisationen. Eine Kampagne, die "immer schriller" werde seit der Eröffnung der Lagune und in "keinem Verhältnis zu unserer Arbeit steht".

Zoodirektor wehrt Vorwürfe ab

Er habe die Liste im Übrigen bewusst "entsprechend krass" formuliert, um der Verwaltung deutlich zu machen, dass manches bei entsprechender Darstellung für Wellen sorgen könnte. Heimlichtuerei aber lasse er sich nicht vorwerfen: So habe der Tiergarten 2006 selbstverständlich darüber informiert, dass ein Tierpfleger von vier Gorillas schwer verletzt wurde. Nun zu behaupten, der Zoo habe das verheimlicht, nur weil es auch in der Liste aufgeführt ist, sei eine "Unverschämtheit". Und über die Verfütterung von Tieren werde sogar am Eingang des Zoos Rechenschaft abgelegt. Wie auch darüber, dass Tiere eingeschläfert werden müssen.

Eine schriller werdende Kampagne? Edmund Haferbeck, Leiter der Rechtsabteilung bei der Tierschutzorganisation "Peta", hält das für "dummes Zeug". Es sei schon richtig, dass Encke, wie er beklagt, sehr stark mit dem Erklären von Mängeln beschäftigt sei. Dass er dies müsse, habe aber nichts mit Peta zu tun. Man stelle lediglich die Fehler dar, "die von den Betroffenen selbst niedergeschrieben wurden".