Taxifahrerin in Deggendorf Kündigung - "ein völlig falsches Signal"

Grundsätzlich unterliegen alle Taxifahrer einer Beförderungspflicht, von der es jedoch Ausnahmen gibt: etwa wenn ein Fahrgast eine ansteckende Krankheit hat, gefährliche Gegenstände mit sich führt oder wenn eine vorhersehbare Gefährdungssituation besteht. "Wenn die Sicherheit nicht gewährleistet ist, darf ein Taxifahrer einen Fahrgast ablehnen", sagt Frank Kuhle vom Landesverband Bayerischer Taxi- und Mietwagenunternehmen.

Die Deggendorfer Polizei hegt keinen Zweifel, dass diese Voraussetzung bei Klier erfüllt war. Die Beamten ermitteln wegen "Beleidigung auf sexueller Basis", demnächst geht der Fall an die Staatsanwaltschaft. Taxifahrer seien keine Fußabstreifer und Frauen kein Freiwild, sagt der Polizeichef. Durch die Kündigung werde "ein völlig falsches Signal" an die Bevölkerung gesendet.

Auch Verbandssprecher Kuhle zeigt sich von der Entscheidung der Unternehmerin überrascht, ohne nähere Details zu kennen. Zwar befand sich Manuela Klier noch in der Probezeit, doch ob die Kündigung rechtmäßig ist? Gut 15.000 Menschen in Bayern verdienen ihren Lebensunterhalt als festangestellte Taxifahrer, etwa zehn Prozent von ihnen sind Frauen.

Viele Übergriffe stehen in Zusammenhang mit Alkohol - wie viele es insgesamt sind, dazu gibt es keine offizielle Statistik. Ohnehin gehen die Experten von einer hohen Dunkelziffer aus. Ein zentrales Thema für den Verband der Taxiunternehmer ist daher die Sicherheit seiner Angestellten. Neben der bereits vorhandenen Pflicht zu einer speziellen Alarmanlage spricht sich Kuhle für weitere technische Hilfsmittel in Taxis aus, etwa für Kameras oder für vorübergehend speicherbare Fotos von Passagieren beim Einsteigen. Allerdings sollten Taxiunternehmen selbst entscheiden können, ob sie das wollen.

Um nicht mit dem Datenschutz in Konflikt zu geraten, müsste am Auto überdies ein deutlicher Hinweis auf solche Kameras angebracht werden. Ein Modellversuch in Bremen zeige, dass die Überfälle dadurch zurückgingen. Falls es dennoch zu Belästigungen kommt, sollten Taxifahrerinnen jeden Übergriff sofort energisch zurückweisen, rät Kuhle.

Für Manuela Klier kommen diese Tipps wohl zu spät. Sie ist bereits auf Jobsuche, demnächst wird sie vor das Arbeitsgericht ziehen. Nicht um ihre bisherige Arbeitsstelle zurückzubekommen, sondern weil sie sich ungerecht behandelt fühlt.