Suche nach Rentner aus Deggendorf Der rätselhafte Fall des Georg Luxi

Der 86-jährige Millionär Georg Luxi ist seit Jahren spurlos verschwunden und wird vermutlich von seiner Lebensgefährtin und deren Sohn abgeschirmt. Doch die Suche bleibt erfolglos. Luxis Töchter verzweifeln - auch an ominösen Hinweisen aus der Bevölkerung.

Von Wolfgang Wittl, Deggendorf

Evelyn Angerer steckt gerade im Stress. In wenigen Minuten wird wieder einmal ein Fernsehteam bei ihr vorbeikommen, um ihren Teil der Geschichte zu hören. Angerer wird dann erzählen, was sie all den vielen anderen Medienleuten bereits erzählt hat, seit die Süddeutsche Zeitung diesen in Deutschland wohl einzigartigen Fall vor zehn Tagen publik gemacht hat: wie ihr Vater, der 86-jährige und vermutlich demente Georg Luxi, von dessen Lebensgefährtin und deren Sohn seit Monaten mit unbekanntem Aufenthaltsort unter Verschluss gehalten wird; wie sich die beiden von Luxi eine Generalvollmacht ausstellen ließen, ohne dass die Familie es bemerkt hätte; wie sie Luxis Millionenvermögen auf sich übertragen ließen; wie hilflos der Rechtsstaat bei der Suche nach Luxi und dessen ebenfalls unauffindbarer Lebensgefährtin agiert.

Hoffnung, ihren Vater eines Tages wieder zu sehen, nein, die habe sie noch nicht, sagt Evelyn Angerer: "Aber ich bin froh, dass wieder Bewegung in die Sache gekommen ist."

Das große Interesse an dem Fall erklärt sich durch seine außergewöhnliche Skurrilität: Kann es tatsächlich möglich sein, einen vermögenden, wahrscheinlich verwirrten Mann so mir nichts, dir nichts von der Bildfläche verschwinden zu lassen? Nicht in irgendeiner Bananenrepublik, sondern hier in Deutschland? Offenbar ja, es kann.

Die Staatsanwaltschaft Deggendorf, die das Verfahren gegen die Generalbevollmächtigten Christa und Josef M. (Namen geändert) vorübergehend eingestellt hatte, ermittelt zwar wieder gegen den Sohn von Luxis Lebensgefährtin. Allerdings mit begrenzten Aussichten auf Erfolg, wie die Leitende Oberstaatsanwältin Kunigunde Schwaiberger einräumt. Mangels dringenden Tatverdachts erwarte sie nicht, dass ein Haftbefehl gegen Josef M. durchzusetzen sei.

Weil Georg Luxi die vergangenen 30 Jahre mit Christa M. zusammengelebt habe, sei schließlich nicht von einem Kapitalverbrechen auszugehen. Josef M. wiederum kann zu keiner Aussage gezwungen werden, weil er sich als Beschuldigter nicht selbst belasten muss. Luxis Töchter haben ihn wegen Unterschlagung und Freiheitsberaubung angezeigt.

In einem Brief an die SZ hat Josef M. unlängst geschrieben, Georg Luxi sei wegen der finanziellen Gier seiner Töchter geflüchtet, der 86-Jährige genieße als freier Bürger sein Leben. Was die Behörden von solchen Aussagen halten, zeigt die aktuelle Erklärung des Polizeipräsidiums Niederbayern. Darin heißt es, "die bisherigen Ermittlungen erhärten den Verdacht, dass der vermutlich demente Rentner durch eine Person aus dem persönlichen Umfeld und deren Sohn gezielt abgeschirmt wird". Es bestünden "belastbare Verdachtsmomente" gegen die 76-jährige Christa M. und deren Sohn, selbst erfahrene Ermittler der Kripo hätten "bisher nichts Ähnliches bearbeitet". Es sei zu bezweifeln, dass Luxi die Tragweite seines Handelns noch überblicke, etwa den Verzicht auf das Wohnrecht in seiner einstigen Wohnung.

Gleichwohl bleibt der Handlungsspielraum der Ermittler eingeschränkt. Sie sind weiterhin auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen, die allerdings zweckdienlicher sein sollten als jener, den zuletzt eine Leserin einer Deggendorfer Lokalzeitung steckte. Sie will Georg Luxi vor Monaten auf einem Flohmarkt gesehen haben, wie er wertvolle Uhren verkaufte. Der Mann habe ihr von seiner Lebensgefährtin erzählt und geistig total fit gewirkt. Für eine Verwirrtheit Luxis, wie sie Polizisten bereits vor zwei Jahren beim Öffnen der Wohnung festgestellt hatten, habe es keinerlei Anzeichen gegeben, beteuerte die Leserin.

Nur wann genau und wo dieses Treffen auf dem Flohmarkt stattgefunden haben soll, das wisse sie nicht mehr. Bei der Staatsanwaltschaft hat sich die Frau bisher nicht gemeldet, doch Evelyn Angerer verspricht sich ohnehin nichts davon: "Wertvolle Uhren? Flohmarkt? Das ist absolut untypisch für unseren Vater."