Styling für Nutztiere Zwei Stunden Rasieren

Nach zwei Stunden erreicht Nicole Nägeles Rasierer den Kuhkopf. Queen ist jetzt völlig entspannt, kneift die Augen zusammen und genießt die Kopfmassage. Brigitte Nägele bringt Tee und Kekse in den Stall, Vater Willy macht sich bereit fürs Abendmelken. "Früher war das vor den Schauen immer eine riesige Herumtelefoniererei: Wer kommt zum Stylen? Hat der Zeit für unsere Kühe?", erzählt er. "So weißt jetzt, die Nicole macht das."

60 Euro kostet es normalerweise, allein die Topline der Kuh richten zu lassen. Kühe in Form zu bringen ist anstrengend und zeitintensiv. Nicole Nägele nimmt sich vor großen Schauen eine Woche frei von ihrem Job im Elektrogeschäft. Sie träumt davon, noch einmal in der Schweiz einen Kuh-Fitter-Kurs bei Profis zu besuchen, denn vom kommendem Jahr an will sie Kühe anderer Höfe stylen. In der Szene gilt sie als eine der besten und hat schon mehrere Preise gewonnen.

Eine viertel Dose Haarspray muss sein

Nicole Nägele nimmt sich jetzt die Topline vor: Sie pudert den Haarstreifen am Rücken und föhnt ihn in Form. Dann rasiert sie ihn schmaler. Wieder pudern, wieder föhnen, kürzen. Die Linie muss aufrecht stehen und absolut gerade sein, so als wollte der Preisrichter mit der Wasserwaage nachprüfen. Feinschliff mit dem kleinen Rasierer. Perfekt. Dann mit kräftig Muh-Fitter-Spray fixieren: "Würden wir uns das in die Haaren sprühen, würden wir sie nie wieder gekämmt bekommen", sagt sie. Kuhhaare sind drahtig und störrisch. Eine viertel Dose Spezialspray muss schon sein.

Willy Nägele hat die Kühe lange Zeit selbst geschoren und Kuh-Fitter dann für das Stylen bezahlt. Die Schauen sind wichtig für seinen Hof: Am Körperbau der Kühe lesen die Zuschauer ab, wie gut das Erbgut des Vaters ist. Züchter ließen dann ihre Kühe von diesem Stier besamen. 75 Milchkühe und 100 Jungtiere leben auf dem Ferienhof Nägele - gewinnen einige davon bei Schauen, verkaufen sich die anderen besser. "Es macht den Bauern stolz, wenn seine Kuh gewinnt", sagt Willy Nägele. In der Milchleistung seien seine Kühe schon sehr gut, andere seien etwas besser in der Optik von breitem Becken, geraden Beinen, Rücken und Oberlinie.

Das soll nun die Nicole herausarbeiten. Die ist inzwischen beim Finetuning angekommen: Desinfizierendes Puderspray kaschiert schorfige Stellen an den Sprunggelenken, Spray bringt die Klauen zum Glänzen. Noch etwas bürsten und Kuh Nummer 993 ist perfekt: Schädel, Ohren und Körper sind gut präsentiert, am blank rasierten Euter zeichnet sich die kräftige Milchader ab. Auch das Klauenspray entfaltet jetzt seine volle Wirkung: Die Kuh trägt optisch Lackschühchen. Ganz wie die echte Queen.