Im Streit über die geplanten Stundenkürzungen am achtjährigen Gymnasium hat Kultusminister Schneider überraschend einen Kompromiss mit der Landeselternvereinigung erzielt.
Im Streit über die geplanten Stundenkürzungen am achtjährigen Gymnasium (G8) hat Kultusminister Siegfried Schneider (CSU) überraschend einen Kompromiss mit der Landeselternvereinigung (LEV) erzielt. Zwar wird er an seinem Plan festhalten, die Unterrichtspflichtzeit von zurzeit 266 Wochenstunden in acht Jahren auf 260 vor allem zu Lasten der Intensivierungsstunden zu senken. Fünf der insgesamt 14 Übungsstunden sollen aus dem Pflichtprogramm fallen.
Anzeige
Doch konnte sich Schneider mit der LEV darauf einigen, dass die fünf Stunden den Schulen künftig nicht nur als freiwilliges Angebot erhalten bleiben, sondern in den acht Schuljahren auch genommen werden müssen. "Es ist egal zu welchem Zeitpunkt, aber sie müssen gehalten werden", sagte LEV-Chef Thomas Lillig der SZ.
Darüber hinaus wird eine Stunde in der ersten Fremdsprache in der siebten Jahrgangsstufe gekürzt. Auch versprach der Minister, den Lehrstoff in allen Fächern um ein Neuntel zu kürzen und nicht nur in Nebenfächern wie Geschichte und Geografie.
Der Kompromiss wurde gestern Abend mit 40 Elternbeiräten, dem erweiterten Vorstand der LEV, einstimmig erzielt. "Wir sind zufrieden", sagte Lillig. Zuvor waren die von Schneider geplanten Stundenkürzungen am achtjährigen Gymnasium auf erhebliche Kritik gestoßen, auch bei der Landtagsopposition. An den Intensivierungsstunden zur individuellen Förderung zu kürzen sei unverantwortlich, sagte die bildungspolitische Sprecherin der Grünen, Simone Tolle.
"Das ist der verzweifelte Versuch, marginale Veränderungen am G 8 als Reform zu verkaufen", erklärte ebenso ihr Kollege von der SPD-Fraktion, Hans-Ulrich Pfaffmann. Offen ist, ob Schneiders Vorschlag nun ebenso von den Lehrern akzeptiert wird. Bereits gestern warnten der bayerische Philologenverband sowie die Direktorenvereinigung vor der Kürzung des Fachunterrichts. Mit je drei wöchentlichen Stunden in Deutsch, Mathematik sowie der ersten Fremdsprache sei Bayern bereits bundesweit Schlusslicht, hieß es.
(SZ vom 01.04.2008/sekr)
Surfrider Beach in Malibu
Die neueste Antwort
@vernou: Alle Welt redet von ENTRÜMPELUNG. Ja wurde denn bisher NUR Gerümpel gelehrt. Dieser Begriff ist ziemlich verräterisch. Früher waren die Rahmenbedingungen anders. Heute gibt es dramatische Zahlen bei der Schülergesundheit (z.B. ca. 20% haben Essstörungen), außerschulischen Leistungsdruck, Rivalität (Stichworte Lebensstandard, Markenkleidung, Unterhaltungselektronik). Bildung wird in diesem Umfeld selbst Teil eines immer härteren Effizienz-Kreislaufs. Deshalb war das G8 ein falscher Weg, aber auch die Vorwürfe der Opposition (zuviel Unterrichtsausfall, zu wenig Sport, angeblich sinkende Leistungsstandars) gehen in die falsche Richtung. Konservative und Linksliberale übersehen gleichermaßen, dass sich die Erwartungen in Bildung, Beruf und Alltag zu Überforderungen summieren, die mit früher nicht vergleichbar sind. Sie sind nur für Schüler mit großem sozialem Rückhalt in der Familie zu schaffen, siehe hier:
http://www.zeit.de/2008/12/C-Studie-Bildungschancen
Darum halte ich kurzfristig Entlastungen durch moderate Stoff- und
Stundenkürzungen für sinnvoll, Hauptfächer ausgenommen. Philologenverband und Direktorenvereinigung haben am 31. März argumentiert, dass dies schwächere Schüler besonders belaste. Das ist doch scheinheilig, wenn man in Wahrheit gegen jede Stoffkürzung ist.
Ein Grund für die soziale Selektion an den Schulen und Hochschulen ist das falsche, elitär überhöhte, akribisch-detailversessene Bildungsethos, das schon Frank Wedekind (Frühlings Erwachen), Hermann Hesse und andere kritisiert haben und das heute in Gestalt verkrampft-übermotivierter Mittelschichtseltern eine traurige Wiederkehr erlebt. In diesem Milieu ist auch oft der Geist des Mobbings zuhause.
@DT360 und YennsUli:
Seit wann ersetzt Nachäffen Argumente? So einfach sollten Sie es sich nicht machen!
Von dem was YennsUlli sagt, teile ich nur die Auffassung, dass moderne Fremdsprachen stärker gefördert werden müssten. Dieses pauschale Herumdreschen auf Latein ist m.E. nicht berechtigt. Die Sprachen, v.a. in Form des Sprachlichen Zweigs, mussten im G8 kräftig Federn lassen - eine 3. FS schon im 4. Jahr ist einfach etwas viel. Ansonsten hat YennsUll eine eigenartige Auffassung vom schulischen Arbeiten, wenn er u.a. schreibt: "die Schüler lernen dauernd auswendig". Entschuldigung, das entspricht in keiner Weise der Realität; Sie sollten vielleicht einmal Unterrichtsbesuche machen, dann können Sie vielleicht besser mitreden.
Noch eines: Alle Welt redet von ENTRÜMPELUNG. Ja wurde denn bisher NUR Gerümpel gelehrt? Dieser Begriff ist ziemlich verräterisch.
Das Gerede von "Kürzen um 1/9" zeigt auch, dass den Verantwortlichen der LEV und leider auch der politischen Führung des Ministerium ein eigenartiger Bildungsbegriff vorschwebt. Ich wusste bisher nicht, dass sich Bildung auf eine so einfache ARTITHMETISCHE Formel reduzieren lässt.
Die heutigen Neuigkeiten zeigen überdies, dass die Panik in der CSU riesig ist. Man verspricht jetzt auf einmal den Leuten das Blaue vom Himmel herunter, nachdem man in der Bildungspolitik, willfährig dem MP Stoiber folgend, "einen Saustall angerichtet hat" (Zitat aus der Sonthofener Rede von Franz Josef Strauß, passt ganz gut auf die momentane Situation ...
@vernou:
Ich habe eine Meinung geäußert: Ich bin für Kürzungen bei Stoff und Stundenzahl. Das hat mit G8 nichts zu tun, sondern ist unabhängig davon.
Sie haben eine andere Meinung. Die Frage ist also: Wer hat recht, Sie oder ich?
Ich will diese Frage nicht entscheiden, weil ich parteiisch bin .... ;-)
Aber lesen Sie sich doch einmal den ausgezeichneten Beitrag von YennsUlli durch, der aus meiner Sicht die Situation glasklar darstellt und die Schlussfolgerungen sachlogisch entwickelt (Kompliment an YennsUlli!); mal abgesehen von der Abschaffung von Latein, die ich jetzt nicht befürworte.
PS: Zu der Frage der ersten Fremdsprache meine ich, dass vor der Reform die Gesamtstundenzahl in den Jahrgangsstufen 5 mit 11 sehr hoch war, zumal diese Fremdsprache in der Regel dann noch weiter bis zum Abitur belegt wird.
und gleich Spanisch oder Italienisch einführen. Was nützt einem eine tote Sprache, wenn man später doch wieder neu lernen muss für die südeuropäischen Sprachen?? Ich weiß wovon ich rede. Hatte Latein, aber kein Französisch. Nun büffele ich noch Französisch, dann noch Spanisch. Hätte ich mir sparen können ohne blödes Latein. Ok, also ich will ja nicht so sein. Durch Latein verstehe ich jedenfalls Spanisch besser als ohne... und kann es schneller lernen, da viele Grundvokabeln ähnlich sind. Aber trotzdem...
Das Problem ist dass alle Lehrer sofort protestieren, wenn etwas von IHREM Fach gekürzt werden soll. Der Minister kann es niemandem Recht machen. Es muss einfach weniger werden, die Schüler lernen dauernd auswendig, und nach 10 Jahren ist alles wieder vergessen. Ich finde unserer Schulsystem hat da einen ganz gewaltigen Mangel, für Viele ist es einfach vergeudete Zeit, dauernd für NIX zu pauken, um es bald wieder zu vergessen. In der heutigen Zeit leiden wir eh am Informations-Überfluss! Die paar Schönheitskorrekturen am Lehrplan sind doch Schönfärberei.
Den Jugendlichen wird so viel Druck gemacht, dass die Kriminalität enorm steigen wird in 10 Jahren. Die meisten verstehen ja gar nicht, warum es immer öfter betrunkene U-Bahnschläger gibt. Es ist hauptsächlich der Druck in der Schule, zu Hause und der in sich hineingefressene Frust. Die Herren Politiker sollten mal alle einen Psychologie-Grundkurs machen, dann würde sich wohl hoffentlich eher was ändern. Aber weiterhin schauen alle Gewalt im TV, machen Ballerspiele am PC, haben Druck in der Schule hoch 10! Wen wundert die Zunahme der Gewalt da wirklich?
"Gebt uns unsere Kindheit zurück" Ein offener Brief einer Schülerin in tz-online nachzulesen. Freundlich geschrieben. Aber vielen Schülern ballen sich inzwischen die Fäuste in der Hosentasche. Die Politiker haben alle keine Ahnung, wie man zukunftsbezogen denkt, um den sozialen Frieden zu sichern!!!
@Unwissender (nomen est omen?)
Sie scheinen in erster Linie eine Aversion gegen ein bestimmtes Fach zu haben. das sei Ihnen gegönnt, aber es hilft in der gegenwärtigen Diskussion nichts, gegen einzelne Fächer zu polemisieren.
@DT36 und Mosinello:
Sie schreiben: "... und gegebenenfalls die Anforderungen der ersten Fremdsprache in der siebten Jahrgangsstufe abgesenkt werden; dann geht es halt etwas langsamer vorwärts und am Ende der achten Klasse ist man wieder auf dem erwarteten Stand."
Entschuldigung, das müssen Sie mir noch einmal genauer erklären. Ich habe 25% weniger Unterrichtszeit, schreite langsamer voran und habe dann ein Jahr später den Lernstand, den ich vorher mit vier Wochenstunden erreicht habe? Bitte verraten Sie mir mir Ihren Zaubertrick.
Im Übrigen sind Ihre Ausführungen geprägt von der Wiederholung nichtssagender Allgemeinplätze und Pauschalbehauptungen, für die Sie keinerlei Beweise anführen (wahrscheinlich mangels Sachverstand). Lesen Sie sich doch einmal genau den ausgezeichneten Beitrag von Mosinello durch, der die Fakten glasklar darstellt und die Schlussfolgerungen sachlogisch entwickelt (Kompliment an Mosinello!).
Jetzt zum Titel: seit wann verkündet denn die LEV solch weitreichende Änderungen? Haben die jetzt im Ministerium die Macht übernommen? Ich hoffe nicht! Ihr Vorsitzender Lillig redet viel, wenn der Tag lang ist, leider auch viel Unsinn, der nicht von Sachverstand in schulischen Fragen zeugt, den er in seiner Position eigentlich vorweisen sollte.
Ein Beispiel: vor einiger Zeit äußerte er im Bayerischen Rundfunk, dass im Französisch-Anfangsunterricht eine völlig ungebräuchliche Zeit, nämlich das "futur composé" (klingt für ihn nach kompliziert) statt das "futur simple" (das hält er offenbar für einfach) gelehrt wird. Jeder, der auch nur ein bisschen von Französisch versteht, rauft sich ob soviel manipulativ eingesetzter Unkenntnis die Haare oder bricht in schallendes Gelächter aus.
Dass so jemand mit Hilfe seiner Organisation jetzt die Richtlinien der bayrischen Bildungspolitik mitzubestimmen scheint, ist ein (weiterer) Skandal in diesem Trauerspiel.
Paging