Bayernweit protestieren Studenten gegen Studiengebühren. Nun sollen Förderprogramme ausgebaut werden.
Der Platz vor der Mensa der Münchner Universität ist heute in Orange getaucht. Überall stehen Studenten und tragen grelle, orange-farbene Shirts. "SOS - Studieren ohne Studiengebühren!" steht darauf. Auch Benni Böhm hat solch ein Shirt übergestreift. Er studiert im zehnten Semester Physik. Zuzüglich Miete, MVV und Studiengebühren benötigt er monatlich 800 Euro - "und das ist schon knapp." Normalerweise jobbt er nachmittags, doch heute geht er für die Kommilitonen auf die Straße, die aus finanziellen Gründen ihr Studium bereits abgebrochen haben. "Gebühren gehören abgeschafft", sagt Böhm.
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Studenten haben sich deutlich gegen die Studiengebühren ausgeprochen. (© Foto: dpa)
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Mehr als 13.000 Studenten denken so und demonstrierten am Mittwoch in 13 bayerischen Hochschul-Städten für eine "freie Bildung". "Ergreifen Sie die Chance, und wracken Sie die Studiengebühren ab", forderte Klaus Denzinger von den bayerischen Studentenvertretungen die Politik auf.
Seit zwei Jahren zahlen Bayerns Studenten bis zu 500 Euro pro Semester. Das Bundesverfassungsgericht hat den Weg für ein kostenpflichtiges Studium 2005 frei gemacht. 150 Millionen Euro aus Studiengebühren fließen nun jährlich zur Verbesserung der Lehre an die Hochschulen des Freistaats. Geld, das sie angesichts ihrer schlechten Ausstattung auch dringend brauchen können.
Studenten und die Landtagsopposition fordern dennoch die "Abschaffung der Uni-Maut". Sie sei ungerecht und schrecke Studenten vom Studium ab, sagt die hochschulpolitische Sprecherin der Grünen, Ulrike Gote. Etliche Experten teilen diese Meinung. Das zeigte am selben Tag eine Anhörung im Landtag. Ein Drittel mehr Jugendliche würden studieren, hätten sie nicht Angst, sich dadurch zu verschulden, berichtet Elke Middendorff vom Hochschul-Informations-System. Angesichts des Fachkräftemangels und der politischen Forderung nach einer Ausweitung der Hochschulbildung ist das eine erhebliche Zahl.
Doch nicht dem Für und Wider von Studiengebühren, sondern dem Ausbau eines Stipendiensystems ist die Anhörung gewidmet. Eine "soziale Abfederung" hatte das Bundesverfassungsgericht in seinem Urteil zur Bedingung für Studiengebühren gemacht. Der CSU-nahe Ring Christlich Demokratischer Studenten findet, der Auflage sei Bayern durch großzügige Befreiungsregelungen auch gefolgt: 24 Prozent der Studenten müssen keine Gebühren zahlen. Zudem gebe es zinsgünstige Darlehen. Bernhard Brösel vom Deutschen Studentenwerk erinnert jedoch an die wortreichen Versprechungen von Politik und Wirtschaft, milliardenschwere Stipendienprogramme aufzulegen. "Nichts ist geschehen", sagt er.
Zwei Prozent der Studenten haben Stipendien - einig ist man sich über die Parteien hinweg, dass "das mehr werden muss", wie der ehemalige Wissenschaftsminister Thomas Goppel (CSU) sagt. Auch sollten Förderprogramme bekannter gemacht werden und, wie die Studienstiftung des Deutschen Volkes anmerkt, auch für Kinder aus nicht-akademischen Elternhäusern aufgelegt werden. Draußen auf der Straße zweifeln die Demonstranten daran, dass mehr Stipendien die Lösung sind. "Das ist für mich nicht drin", sagt Benni Böhm. Seine Noten seien zu schlecht. Er habe nur begrenzt Zeit zum Lernen, weil er jobben muss.
(SZ vom 14.5.2009)
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Die neueste Antwort
Manchmal sind die Grundregeln des Dreisatzes - sprich der Logik - vergessen:
a) Deutschland braucht gut ausgebildete Menschen - wie jedes andere Land!
b) Gute Ausbildung kostet Geld.
c) Wenn Deutschland gut ausgebildete Menschen haben will, muss Deutschland dafür entsprechend bezahlen.
Nicht die Studierenden sind die Verursacher der Bildungsmisere in Deutschland - sondern verantwortunglose Politiker/Innen, die nur bis zur nächsten Abwrackprämie denken wollen.
Der Muff im Gehirne ist schlimmer seit Birne!
P.S. Was ist eigentlich mit einer Verfassungsklage derjenigen, die gar kein Auto fahren, wegen der Verletzung des Gleichheitsgrundsatzes. Seit über neun Jahren habe ich kein Auto mehr - deshalb müßte ich mindestens 2.500,- an Steuererleichterungen erhalten, da ich den CO2 Abbau nachhaltig unterstütze. Diese Geld würde ich gerne in einen Ausbildungsfond gegeben sehen!
Liebe Leser!
Meiner Meinung nach ist der Punkt, Studiengebühren würden die Ausbildung erschweren bzw. auch nicht, nur ein Problemfeld.
Ein anderes, und das ist auch Kritik von vielen anderen - meinetwegen idealistischen - Studenten und Professoren, ist dieses:
Demnach ist die Universität vor allem ein wissenschaftlicher Betrieb! Und Ausbildung (hier wurde das Studium mit einer Meister-Bildung auf einen bestimmten Beruf hin verglichen) nur eine ihrer Teilaufgaben.
Die Universität hat die gesellschaftliche Aufgabe in einem kreativen, von außen betrachtet auch chaotischen, Prozess Fortschritt zu produzieren. Wobei dieser Fortschritt eigentlich auch nur wieder ein Ausfluß von wissenschaftlicher Arbeit ist.
Die Wissenschaft/Universität hat sich somit überhaupt nicht dafür zu interessieren, welche monetären Interessen von außen an sie herangetragen werden.
Dieser Gedanke als Tendenz.
Grüße
sicher eine interessante frage, die nicht leicht zu beantworten ist. meiner meinung nach sollten gebühren erhoben werden, allerdings nur wenn sie den studierenden untmittelbar zur verfügung stehen, wie neue bücher und so weiter..... gleichwohl kann und sollte jeder davon befreit werden,wenn es die wirtschaftliche situation nicht zuläst,siehe auch die anträge zum bafög....
schauen wir uns um und erleben.wie garnicht wenige studenten, ein auto fahren, großügige urlaubsreisen planen, der neuesten mode (labels) nach gekleidet sind, teilweise über ein einkommen (jobs) verfügen,von dem ein familienvater mit kinder oft nur träumen kann - auch das sind tatsachen!
also liebe studenten,auch die aus meiner unmittelbaren umgebung, studiengebühren ja aber in einer differenzierten höhe, härten abmildern bzw ganz vermeiden und selbstverständlich die politik in die pflicht nehmen, damit endlich alle,die gerne wollen, einen vernünftigen studienplatz bekommen....
Studiengebühren würden dann Sinn ergeben, wenn diese erst nach deutlichem Überschreiten der Regelstudienzeit erhoben werden. Einem Studenten tun die 500 im Semester weh. Ein Jahr eher im Job, Einstiegsgehalt 40.000 incl. Arbeitgeberanteilen, 50% Staatsquote - das verbummelte Jahr kostet den Staat und damit uns alle lockere 20.000.
Ich bin der Meinung, Studiengebühren müssten absolut leistungsabhängig sein.
Wer sehr gute Leistungen erbringt zahlt nichts, wer sehr schlechte Leistungen erbringt zahlt richtig viel.
Meinetwegen nach einem kostenlosen ersten "Probe-"Jahr.
Dann müsste aber auch jeder, unabhängig vom Schulabschluss, der sich ja heute oft schon in der vierten Klasse entscheidet, die Möglichkeit haben, zu studieren.
Nur das wäre echte Chancengleichheit !
Dass alle Steuerzahler in faule, dumme oder unfähige Abiturienten investieren sollen, die sich jahrelang als Studenten mit etlichen Privilegien durchschnorren (Kindergeld, billige Krankenversicherung) um letztlich womöglich nie einen wettbewerbsfähigen Abschluss zu erreichen ist nicht einzusehen.
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