Der Koalitionspartner, dein Konkurrent: CSU-Chef Seehofer zweifelt das FDP-Steuermodell an und spricht von einem "harten Wettbewerb" mit den Liberalen.
Horst Seehofer legt sich mit der FDP an - wieder einmal. In einem Interview mit der Financial Times Deutschland stellt der CSU-Vorsitzende die FDP-Pläne für die Einführung eines Steuerstufentarifs in Frage. Zwar sei die Einführung eines Stufentarifs vereinbart worden, sagte Seehofer der Zeitung. Allerdings bestehe die Gefahr, dass Teile der Bevölkerung mehr bezahlen müssten als heute. Um diesen Effekt zu vermeiden, sei viel Geld nötig.
CSU-Chef Horst Seehofer geht in einem Interview die Steuerpläne der FDP an. (© Foto:)
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Der Koalitionsvertrag sieht sowohl die Einführung eines Stufentarifs vor als auch die Entlastung kleiner und mittlerer Einkommen. Seehofer sagte: "Zwischen dem, was man als Grundlage in einem Koalitionsvertrag vereinbart, und der konkreten Gesetzgebung besteht noch mal ein großer Unterschied."
Die Frage sei, mit wie vielen Stufen man arbeite. Ein Modell mit drei Stufen, wie es die FDP im Wahlkampf gefordert hatte, halte er nicht für machbar. "Auch ein Spitzensteuersatz von nur 35 Prozent statt 45 Prozent wie heute wird nicht kommen", sagte der bayerische Ministerpräsident. Er plädierte dafür, diese Fragen erst ab Mai 2010 zu klären. Dann sind in Nordrhein-Westfalen Landtagswahlen.
Mit Blick auf den Koalitionspartner FDP sprach Seehofer von einer wachsenden Konkurrenz. "Der Wettbewerb im bürgerlichen Lager ist entschieden härter geworden", sagte er. Die FDP sei "von einer Nischenpartei auf dem Weg zu einer kleinen Volkspartei". Zwar wollten Union und FDP miteinander regieren, aber dadurch werde der politische Wettbewerb nicht ausgeschaltet.
Grüne sprechen von "Klientelpolitik"
Die Grünen haben unterdessen die Steuerentlastungspläne der Regierung von Union und FDP scharf kritisiert. "Schwarz-Gelb betreibt reine Klientelpolitik. Die Steuern sollen für Reiche gesenkt werden, wachsende Kinderarmut nimmt Schwarz-Gelb billigend in Kauf", sagte Renate Künast, Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, der Passauer Neue Presse. Die geplante Erhöhung der Kinderfreibeträge öffne "die Schere zwischen armen und reichen Kindern immer weiter".
Höhere Kinderfreibeträge würden nur den Gut- und Höchstverdienern nutzen. Vom erhöhten Kindergeld werde kein Cent bei Hartz-IV-Beziehern landen, weil das Kindergeld voll angerechnet werde. "Eine gute und gerechte Kinderpolitik sieht anders aus: Sie muss alle Kinder gleich behandeln und vor allem in gute Bildung und Entwicklung investieren", sagte Künast der Zeitung. "Viele und gute Kindergartenplätze, mehr Personal und gutes Essen, das brauchen Deutschlands Kinder."
Das Kabinett entscheidet an diesem Montag über die erste Stufe der Steuerentalstungen. Kernpunkte des sogenannten Wachstumsbeschleunigungsgesetz sind die die Anhebung des Kinderfreibetrages von derzeit 6024 Euro auf 7008 Euro sowie des Kindergeldes um jeweils 20 Euro pro Kind. Weitere Entlastungen sind bei der Erbschaft- und Unternehmensteuer vorgesehen. Für Übernachtungen in Hotels und Gaststätten soll künftig der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent gelten.
Insgesamt soll das Entlastungsvolumen 8,5 Milliarden Euro betragen. Davon treffen 4,6 Milliarden Euro den Bund, der Rest Länder und Kommunen.
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(ddp-bay/AFP/hai/odg)
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Die neueste Antwort
Was fehlt, sind klare und ehrliche Darstellungen, welche Ausgaben gestrichen werden sollen.
Will der Ministerpräsident an den Schulen sparen? Die Beamtenarbeitszeiten wieder auf 42 Stunden pro Woche verlängern? Weniger Straßen bauen oder reparieren? Den Trachtenverbänden die Zuschüsse streichen? Museen schließen oder weniger bauen? Die Staatsoper geringer subventionieren? Mitarbeiter der Staatskanzlei abbauen?
Oder was?
Die alte Hoffnung, wenn man die Steuern senkt, werde das die Wirtschaft so ankurbeln, dass die Steuern später doppelt wieder hereinkommen, trägt halt nicht mehr so weit, weil ein einzelner Staat auf die vernetzte Weltwirtschaft gar nicht mehr viel Einfluss hat.
Man möchte immer wieder an den Wirtschaftsnobelpreisträger John Kenneth Galbraith erinnern, der schon 1958 ziemlich klar aufgezeigt hat, dass mit immer besserer Versorgung der Privathaushalte mit Gütern und Dienstleistungen die öffentlichen Güter immer wichtiger werden und einen größeren Teil der Wirtschaftsleistung darstellen müssen, weil sonst privater Reichtum bei öffentlicher Armut herrscht - und am Schluss viel weniger privater Reichtum möglich ist. Nur ein staatliches, gutes Bildungssystem, eine staatliche Infrastruktur und eine staatliche Mindestabsicherung ermöglichen es dem Einzelnen, etwas aus sich und seinen Möglichkeiten zu machen - zu investieren, zu lernen, sich zu entwickeln. Das muss man mit Steuern finanzieren. Sonst wird es extrem ungerecht und auch unpraktisch.
Das Seltsame ist, dass offensichtlich die Mehrheit des Volkes lieber Schulden zurückgezahlt als Steuern gesenkt sähe. Und unsere Politiker beten uns trotzdem vor, man müsse die Steuern senken.
Rottal Inn - Bürgerentscheid mit fast 90 % gegen die Privatisierung:
http://www.heise.de/tp/blogs/8/146518
Tja - die Bürger wollen die direkte Mitbestimmung.
Seehofer ist ein Fähnlein im Winde - heute strahlt er mit Merkel und Westerwelle, alles ist Friede, Freude, Eierkuchen, dann kommt wieder seine Abneigung gegen die FDP durch, die nach der Wahl nur kurzfristig verschwunden war - vielleicht durch das Du mit Westerwelle!?
Ich kann Seehofer nicht ernst nehmen, morgen sieht man ihn wieder traulich vereint mit Merkel und Westerwelle "lachen" - er war nie ein Könner und/oder Kenner, er war immer ein Dampfplauderer!
Ach diese Balancefigur !
(//de.wikipedia.org/wiki/Balancefigur ! )
Jetzt wettert er gegen die FDP-Steuersenkungspläne, und wenn's mal wieder ums Profilieren gegen die CDU oder Berlin geht, dann zaubert er solfort ganz eigene Steuersenkungspläne aus dem Zylinder.
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