Streit um Skigebiet Schwere Schlappe am Sudelfeld

Der Beschneiungsteich im Skigebiet Sudelfeld Mitte September.

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Ein Speicherteich, 250 Schneekanonen, ein neuer Sessellift: Die Aufrüstung des Skigebiets Sudelfeld läuft auf Hochtouren - mit gerichtlicher Genehmigung. Eine erneute Klage haben Naturschützer nun mangels Chancen zurückgezogen. Akzeptieren wollen sie die Pläne trotzdem nicht.

Von Heiner Effern

Der Bund Naturschutz (BN) und der Deutsche Alpenverein (DAV) ziehen ihre Klage gegen die künstliche Beschneiung des Skigebiets auf dem Sudelfeld zurück. Beide Verbände waren bereits am 19. August vor dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof damit gescheitert, im Eilverfahren einen sofortigen Baustopp zu erwirken. "Damit haben sich die Gerichte festgelegt," sagte BN-Chef Hubert Weiger am Donnerstag auf einer gemeinsamen Pressekonferenz. Die Klage habe keine Chance mehr. Bis im Sommer 2015 ein Urteil fiele, sei "die Anlage auf dem Sudelfeld schon feierlich eröffnet".

Das Landratsamt Miesbach genehmigte am 14. April 2014 nicht nur die Aufrüstung des Skigebietes, sondern auch einen sofortigen Baubeginn. Die Arbeiten auf dem Sudelfeld laufen seither, der größte Speicherteich Deutschlands ist schon deutlich in der Landschaft zu erkennen. Auch DAV-Vize-Präsident Ludwig Wucherpfennig räumt die Niederlage ein: "Die Fakten sind geschaffen, die Maßnahmen sind unumkehrbar." Der Bescheid des Landratsamtes wird endgültig rechtskräftig, sobald das Verwaltungsgericht das Verfahren offiziell für erledigt erklärt hat.

Für die Liftbetreiber am Sudelfeld ist die Nachricht beruhigend, ändert aber nicht wirklich etwas. "Wir sind weiter voll am Bauen", sagt Geschäftsführer Egid Stadler. Von Mitte Oktober an soll der Speichersee befüllt werden, der mal bis zu 250 Schneekanonen Wasser liefern soll. In diesem Winter wird allerdings nur ein Drittel der Beschneiung in Betrieb gehen. Der neue Sechsersessellift soll laut Stadler zum Saisonstart Mitte Dezember laufen. So ganz falsch könnten die Liftbetreiber mit ihren Ausbauplänen nicht gelegen haben, wenn die Umweltverbände nun die Klage zurückzögen, sagt Stadler. "Wir bauen so schonend wie möglich."

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Genau so möchten DAV und BN ihren Schritt nicht verstanden wissen. "Das heißt nicht, dass wir die Pläne nun akzeptieren", sagt Weiger. Aber das Geld für eine aussichtslose Klage wollen beide nicht ausgeben. Das heiße aber nicht, dass die Klage folgenlos geblieben sei. Gerade die Tatsache, dass der DAV zum ersten Mal in seiner Geschichte als Naturschutzverband vor Gericht gezogen sei, habe große Bedeutung. "Es gibt eine neue Form der Zusammenarbeit, auf die sich die Politik im Alpenraum einstellen sollte", sagt Weiger. Gemeinsam wollen die Verbände auf den Freistaat Druck machen, seine Schutzgebiete besser zu achten und neue, umweltfreundliche Angebote im Tourismus zu entwickeln.

Für den DAV war es die erste Erfahrung, wie wenig Gewicht der Umweltschutz vor bayerischen Gerichten hat. Der BN kennt dieses Phänomen und will deshalb 2015 mit einer Musterklage vor dem Europäischen Gerichtshof das deutsche Planungsrecht angreifen. Die Behörden dürften ihre Bescheide während eines Gerichtsverfahrens nachbessern, sagt Hubert Weiger. Klagende Umweltschützer dürften ihre Argumente aber nicht präzisieren. Auch am Sudelfeld sei das passiert. Zum letzten Mal, hofft Weiger. "Bei dieser Klage haben wir gute Chancen."

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