Von Kassian Stroh

CSU und FDP streiten wieder, diesmal über Schaeffler: Innenminister Herrmann warf Wirtschaftsminister Zeil mangelnde Rückendeckung für das Unternehmen vor.

Der andauernde Machtkampf der beiden Autozulieferer Conti und Schaeffler ist zum neuesten Streitthema der schwarz-gelben Regierungskoalition avanciert. Innenminister Joachim Herrmann (CSU), als Mittelfranke der in Herzogenaurach ansässigen Schaeffler-Gruppe besonders verbunden, warf Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) mangelnde Rückendeckung für das Unternehmen vor.

CSU, FDP, Schaeffler, dpa

"Bei Schaeffler/Conti sind die gemeinsamen Hausaufgaben noch immer nicht gemacht": CSU und FDP haben ein neues Streitthema. (© Foto: dpa)

Anzeige

"Ich halte die öffentliche Kritik vom Kollegen Zeil an der Firma Schaeffler für ausgesprochen schädlich für den Wirtschaftsstandort Bayern", sagte er am Sonntag. Auch Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) kritisierte: "Der Zwischenruf meines Wirtschaftsministers war nicht gut."

Zeil hatte zuvor gesagt: "Bei Schaeffler/Conti sind die gemeinsamen Hausaufgaben noch immer nicht gemacht. Wenn man so arbeitet, muss man ganz leise sein, was staatliche Hilfen betrifft." Zeil nannte Herrmanns Replik "reflexhaft" und "nicht zielführend", um Arbeitsplätze zu sichern. Er habe keine einseitigen Schuldzuweisungen gemacht, sondern nur Professionalität der beiden Firmen eingefordert, sagte er.

Die Frage, wie Bayern sich verhält, sollte der Autozulieferer womöglich milliardenschwere Staatshilfen beantragen, hatte bereits im Mai die Koalition gespalten. Seehofer zeigte sich am Sonntag offen: "Auf Grundlage eines vernünftigen Konzepts bin ich jederzeit bereit, Hilfen zu organisieren."

Klare Grenzen

Der Disput reiht sich nahtlos ein in eine Serie von Wortgefechten innerhalb der Koalition. Zuletzt hatte CSU-Fraktionschef Georg Schmid von der FDP mehr Disziplin angemahnt. Zeil hingegen nannte seine Partei den "stabilen Faktor". Man mache sich nur "Sorgen um die Nervosität" bei der CSU. "Der Wahlkampf darf keine Auswirkungen auf die Regierungsarbeit haben", mahnte Zeil.

Der Streit schwelt seit gut zwei Wochen; da wollte Regierungschef Horst Seehofer (CSU) der FDP-Wirtschaftsstaatsskeretärin Katja Hessel eine Auslandsdienstreise wegen einer gleichzeitig stattfindenden Kabinettssitzung verbieten. In der CSU-Spitze herrscht die Lesart vor, man habe dem kleinen Koalitionspartner einmal klar die Grenzen aufzeigen müssen.

FDP-Fraktionschef Thomas Hacker wiederum diagnostiziert, die CSU befinde sich in einer "Selbstfindungsphase", und mahnt "normale Sacharbeit" an. Die FDP hat wegen der Querelen eine Sitzung des Koalitionsausschusses beantragt, für die die Staatskanzlei nach wie vor keinen Termin benannt hat.

Leser empfehlen 

(SZ vom 03.08.2009/woja)