Streit um "Mein Kampf" Hetzschrift darf nicht unkommentiert in die Welt

Im Frühjahr hatte sich der Landtag darauf verständigt, eine maßgebliche Edition, die das IfZ verantwortet, mit Mitteln des Freistaates voranzutreiben und so Hitlers Text 70 Jahre nach dem Tod des Diktators und dem Erlöschen des Urheberrechts nicht unkommentiert in die Welt zu schicken. Die Schrift weiter durch juristische Tricks unter Verschluss zu halten, auch um Geschäftemacherei zu verhindern, plante man damals nicht: auch, weil im Internet der Text binnen Sekunden heruntergeladen werden kann.

Jetzt sucht man nach einer salomonischen Lösung - die Finanzminister Söder einstweilen in einem "Sowohl als auch" findet: Einerseits soll die kommentierte Ausgabe des IfZ vorangetrieben werden, andererseits wolle der Freistaat auch weiterhin sein Urheberrecht gegen andere Veröffentlichungen einklagen. "Bisher haben wir im In- und Ausland gegen Verlage, die das Werk nachdrucken wollten, gewonnen", sagte Söder, "wir halten an unserem Urheberrecht bis 2015 fest." Denn es sei zu befürchten, "dass einzelne Leute eine Menge Geld mit diesem Buch verdienen wollen".

Das IfZ wertete die Debatte als "wichtiges Signal", sagte eine Sprecherin. Man habe den Eindruck gewonnen, dass nicht die Arbeit der Historiker strittig sei, sondern nur eine mögliche kommerzielle Vermarktung. "Die Edition steht unseres Erachtens nicht im Feuer."

"Mein Kampf" soll im Schulunterricht behandelt werden

Auch die Pläne, es nicht bei einer gedruckten Ausgabe zu belassen, sondern zudem eine pädagogisch aufbereitete Schulausgabe sowie ein Hör- und ein E-Book zu erstellen, werden weiter verfolgt. Gerade die Behandlung an Schulen und das Hörbuch hatten aber manchen entsetzt - zum Beispiel den Holocaust-Überlebenden Max Mannheimer. Auch der wissenschaftliche Leiter des Editions-Projektes am IfZ, Christian Hartmann, hält diese Pläne für übertrieben.

Für die wissenschaftliche Edition macht sich die FDP stark. Eine solche werde wohl kaum zum Bestseller, glaubt Julika Sand (FDP). Sie werde zur "Enttabuisierung und Entmystifizierung" beitragen. Auch SPD und Grüne warnten vor einer Tabuisierung. Christoph Rabenstein (SPD) sprach sich dennoch für die rechtliche Prüfung eines Verbots einer Neuauflage aus. Sepp Dürr (Grüne) hält ein Verbot "für grundsätzlich falsch". Erst wenn man das Buch freigebe, nehme man ihm den Nimbus. Auch hätten "die heutigen Nazis mit Hitler nicht mehr viel zu tun". Dem widersprach der Finanzminister: Man dürfe die Wirkung einer Neuauflage nicht unterschätzen. Die rechte Szene greife auch heute noch auf alte Hetzparolen zurück.