Strategische Weichenstellung Über Mühldorf zum Brenner

Spätestens von 2026 an wollen die Österreicher die ersten Züge durch den Brennerbasistunnel rollen lassen.

(Foto: dpa)
  • Der Planungsprozess für die Streckenführung zum Brennerbasistunnel im Inntal hat wieder Fahrt aufgenommen.
  • Ein regionaler Projektbeirat hat sich zum ersten Mal getroffen.
  • Die Deutsche Bahn will München inzwischen links liegen lassen und die Züge über Landshut und Regensburg nach Norden führen.
Von Matthias Köpf, Rosenheim

In zehn, spätestens elf Jahren wollen die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) den großen europäischen Durchbruch geschafft haben. Dann soll mehr als ein Drittel des gesamten transalpinen Güterverkehrs auf der Schiene durch den Brennerbasistunnel rollen, den die Italiener und die Österreicher für grob geschätzte zehn Milliarden Euro auf 64 Kilometern zwischen Franzensfeste und Innsbruck durch den Fels treiben.

Der nächste Flaschenhals zwischen Mittelmeer und Nordsee wird dann an der deutschen Grenze beginnen. Für das Inntal zwischen Kufstein und Rosenheim hat nach jahrelangem Stillstand zuletzt immerhin der Planungsprozess Fahrt aufgenommen. Doch welchen Weg die bis mehr als 700 Meter langen Güterzüge dann weiter nehmen sollen, ist wieder vollkommen offen. Die Deutsche Bahn will München inzwischen links liegen lassen und die Züge über Landshut und Regensburg nach Norden führen. Dies würde zwischen Rosenheim, Wasserburg, Freilassing und Mühldorf einen Trassenausbau im großen Stil nötig machen.

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Der Planungsprozess hat Fahrt aufgenommen

Noch zeigen die Karten der Bahn-Planer im Süden von Rosenheim nur drei Pfeile in Richtung München, Mühldorf und Salzburg. Die Zeit, in der man einfach Linien gezogen habe, sei längst vorbei, heißt es von der Bahn. Solche Linien gibt es noch nicht einmal für das Inntal, wo ein drittes und viertes Gleis nötig sind, um die mehr als 480 Züge aufzunehmen, die der Brennerbasistunnel pro Tag möglich machen wird.

Dass es schon 2025 auf Anhieb so viele sein werden, erwartet die Deutsche Bahn allerdings nicht. Womöglich werde die Zahl von derzeit 180 Zügen pro Tag über den Brenner sogar erst einmal sinken, weil Güterzüge wegen der geringeren Steigung dann fast doppelt so lang werden könnten, sagt ein Bahn-Sprecher. Der Konzern hofft, auch 2026 noch mit der bestehenden zwei Gleisen durchs Inntal auszukommen. Dafür soll es ein Lärmschutzkonzept geben, das laut der jüngsten Ankündigungen von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt im Januar fertig wird.

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Beim Bau der zwei zusätzlichen Gleise machen DB und ÖBB seit einem internationalen Abkommen 2012 gemeinsame Sache. Schon damals war der Brenner-Zulauf auf österreichischer Seite praktisch fertig, während sich die Deutschen erst jetzt mit den bewährten Instrumenten der Nachbarn an die Planung machen. So werden die Befürchtungen und Bedürfnisse der Bürger und Lokalpolitiker im bayerischen Inntal in gestaffelten Dialogrunden erörtert.