Strafanzeige gegen Hühnermäster Wiesenhof am Pranger

Abnormes Wachstum, Schmerzen, verkrüppelte Beine: Tierschützer werfen dem Hühnermäster Wiesenhof vor, sogenannte Turbo-Hühner zu züchten. Gegen drei weitere Betriebe im Landkreis Altötting und in der Oberpfalz haben sie nun Strafanzeige gestellt.

Von Christian Sebald

Der Tierschützer Friedrich Mülln und seine Organisation "Soko Tierschutz" erheben schwere Vorwürfe gegen zwei weitere Wiesenhof-Hühnermästereien im Landkreis Altötting und eine Wiesenhof-Brüterei im oberpfälzischen Regenstauf. "In den beiden Mästereien werden Hühner einer völlig überzüchteten Rasse gehalten", sagt Mülln. "Die Tiere haben ein so abnormes Wachstum, dass sie Schmerzen haben, massiv leiden und kaum laufen können." Die Beine vieler Hühner seien so verkrüppelt, dass sie nicht in der Lage seien, Wasser und Futter zu erreichen.

Der Oberpfälzer Hühnerbrüterei, in der Küken für die Mast ausgebrütet werden, wirft Mülln vor, für einen möglichst hohen Fleischertrag gezielt sogenannte Turbo-Hühner zu züchten. Dabei nehme Wiesenhof in Kauf, dass die Tiere Qualen erleiden. "Daher haben wir Strafanzeige gegen die drei Wiesenhof-Betriebe gestellt", sagt Mülln. "Wir erwarten, dass die Staatsanwaltschaft die Verstöße hart verfolgt." Auch ihre neuen Vorwürfe will die Soko Tierschutz mit Filmaufnahmen belegen.

Die Soko Tierschutz bezieht sich in der Anzeige unter anderem auf Paragraf 11b des Tierschutzgesetzes - den sogenannten Qualzucht-Paragrafen. Danach ist es verboten, Wirbeltiere zu züchten, wenn damit gerechnet werden muss, dass bei den Nachkommen "mit Leiden verbundene erblich bedingte Verhaltensstörungen auftreten". "Das ist bei dem Wiesenhof-Zuchtbetrieb eindeutig der Fall", sagt Mülln. "Wir wollen das nicht länger hinnehmen."

Aber auch den beiden Mastbetrieben im Landkreis Altötting wirft Mülln schwere Verstöße gegen das Tierschutzgesetz vor. Vor allem in den letzten Tagen vor der Schlachtung könnten sich die Hühner dort kaum noch schmerzlos bewegen. Das könne man in den Aufnahmen daran erkennen, dass sie sich nach wenigen Schritten wieder setzen. Die Mäster ignorierten dies und überließen die Tiere ohne medizinische Hilfe sich selbst.

Mit Parasiten und Insekten belastet

In einem Betrieb seien zudem viele tote und teils bis zur Unkenntlichkeit verweste Tiere entdeckt worden. Außerdem wirft Mülln dem Inhaber vor, dass die Belüftungsanlage der Halle für die vielen tausend Tiere zu schwach sei. Deshalb stünden die Tore nächtens offen, sodass die Tiere der kalten Zugluft ausgesetzt seien. Die Einstreu, auf der Hühner gehalten werden, sei extrem mit Parasiten und Insekten belastet.

Wiesenhof wies den Vorwurf zurück, dass das Unternehmen Turbo-Hühner züchte. "Wir züchten keine Hühnerrassen", sagte eine Sprecherin. Zu den anderen Anschuldigungen wollte sie sich nicht äußern, "da uns keine konkreten Hinweise vorliegen". Wiesenhof hatte in der vergangenen Woche nach Vorwürfen der Soko Tierschutz seine Verträge mit einem Hähnchenmäster im Kreis Altötting gekündigt und den Mann angezeigt. Die Soko Tierschutz hatte den Mann gefilmt, als er lebende Hühner in einen Container für Tierkadaver warf. Auch dessen Mitarbeiterin war gefilmt worden, als sie ein lebendes Tier heftig gegen einen Plastikeimer schlug und es dann ebenfalls in den Kadavercontainer warf.