Wenige Wochen vor seinem Rücktritt geht Stoiber erneut auf Reisen. Diesmal in die Ukraine - mit einem klaren Ziel.

Wenige Wochen vor seinem Rücktritt will Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) der bayerischen Partnerschaft mit der Ukraine neuen Schwung verleihen. Stoiber reist zu einem dreitägigen Besuch in die ehemalige Sowjetrepublik.

Stoiber, dpa

Edmund Stoiber reist für drei tage in die Ukraine. (© Foto: dpa)

Anzeige

Höhepunkt ist ein Treffen mit Präsident Viktor Juschtschenko am Mittwochabend in Jalta auf der Halbinsel Krim. Stoiber will die Ukraine in ihrem Westkurs bestärken. Den von Juschtschenko angestrebten EU-Beitritt hält er allerdings auf längere Sicht für unrealistisch. "Das ist im Moment sicher kein Thema", sagte Stoiber.

Dennoch sieht Stoiber eine klare europäische Perspektive für die Ukraine. Zunächst müsse aber das Partnerschaftsabkommen zwischen der Europäischen Union erneuert werden. Mitte September komme der EU- Ukraine-Rat zusammen. Die EU will die Ukraine mit einer engen Nachbarschaftspolitik unterhalb einer Mitgliedschaft an sich binden.

Auch ein NATO-Beitritt der Ukraine steht nach den Worten Stoibers gegenwärtig nicht auf der Agenda.

"Enorme Chancen" sieht Stoiber für die bayerische Wirtschaft in der Ukraine. Dabei hoffe der Freistaat vor allem auf Aufträge für die Fußball-Europameisterschaft 2012, die gemeinsam von Polen und der Ukraine ausgerichtet werden. Die Ukraine müsse allein vier Flugplätze erneuern, 200 Hotels und 4500 Kilometer Straßen neu bauen.

"Für die bayerische Wirtschaft ist der Besuch wichtig, ich will die Kontakte vertiefen", sagte Stoiber. Auch beim Ausbau erneuerbarer Energien könne der Freistaat die Ukraine unterstützen.

In der Ukraine sind nach einer schweren innenpolitische Krise und einem Machtkampf zwischen dem prowestlichen Juschtschenko und dem nach Russland orientierten Ministerpräsidenten Viktor Janukowitsch für den 30. September Neuwahlen des Parlaments angesetzt.

Ein in Kiew geplantes Treffen Stoibers mit Janukowitsch kommt wegen einer Sportverletzung des Premiers nicht zustande. Stoiber trifft aber die Oppositionsführerin Julia Timoschenko. Er kehrt am Donnerstag nach München zurück.

Bayern hatte im Jahr 1990 noch vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion ein Partnerschaftsabkommen mit der Ukraine abgeschlossen.

Die Zusammenarbeit war aber in den vergangenen Jahren weitgehend eingeschlafen. Stoiber hatte sich in den 1990er Jahren zwei Mal mit dem damaligen Präsidenten Leonid Kutschma in München und in Kiew getroffen. Juschtschenko hatte Stoiber im Februar am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz eingeladen.

Leser empfehlen 

(ddp)