Edmund Stoiber hat zurückgeschlagen - und darüber wohl vergessen, dass er und seine Fehler entscheidend zum Debakel der CSU beigetragen haben.
Das Finale wollte er sich nicht entgehen lassen, den letzten Teil seiner Rache wollte er live genießen: Zur Sondersitzung der Fraktion war auch Edmund Stoiber erschienen. "Der Herr Fraktionsvorsitzende hat mich eingeladen, dann komme ich natürlich", sagte Stoiber.
Edmund Stoiber ist der wahre Drahtzieher hinter dem CSU-Drama. (© Foto: dpa)
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Und der Ruheständler Stoiber konnte tatsächlich erleben, wie seine Saat aufging. Auch Günther Beckstein musste gehen, er musste resigniert zur Kenntnis nehmen, dass die Bataillone, die Stoiber in Stellung gebracht hatte, zu stark waren. Es war, als ob sich aus dem Grab noch einmal eine kalte Hand herausstrecken würde, um die Erben zu meucheln.
Die Rache des Gestürzten
Seit dem Wahldebakel vom Sonntag hat Stoiber nichts unversucht gelassen, um Rache an seinen Nachfolgern zu nehmen, die ihn im Januar 2007 aus seinen Ämtern gedrängt hatten.
Er hat die Oberbayern-CSU in Stellung gebracht, die den Rücktritt von Huber und Beckstein forderte. Seine Hilfstruppen haben dafür gesorgt, dass die internen Sitzungen breit in den Medien gestreut wurden. Er selbst soll dann in unzähligen persönlichen Telefonaten mit Abgeordneten die Stimmung gegen Beckstein geschürt haben, der wiederum versucht hat, in eigenen Telefonaten mit denselben Leuten seine Haut zur retten.
Endkampf zweier Freunde
Es war der finale Kampf zweier Männer, die einmal enge Vertraute und auch - soweit die Politik diese Kategorie überhaupt kennt - persönliche Freunde waren, und Stoiber hat ihn gewonnen.
Stoibers Rolle in den letzten Tagen sei "diabolisch" gewesen, heißt es in der CSU-Fraktion, es ist vom "Mephisto aus Wolfratshausen" die Rede. Stoibers Rachefeldzug sei "ohne Vergleich in der bayerischen Nachkriegsgeschichte", sagt ein CSU-Mann.
Kein gutes Wort über Beckstein
Dass Stoiber so unerbittlich Vergeltung geübt hat, sagt viel über ihn aus. Er hat die Demütigung seines Sturzes nie überwunden. Dass sich ausgerechnet seine beiden engsten Getreuen, Beckstein und Huber, gegen ihn verschwören könnten, damit hatte er nie gerechnet. Von seinen Nachfolgern hat Stoiber fortan nichts mehr gehalten. Bei offiziellen Anlässen erwähnte er ihre Namen nur, wenn es unbedingt sein musste, im kleinen Kreis machte er abfällige Bemerkungen über sie.
Und den Beifall auf seiner neunmonatigen Abschiedstournee, den ihm seine Partei noch spendiert hatte, hat er für bare Münze genommen. Für Stoiber war sein erzwungener Rücktritt vor allem eine Verschwörung. Dass es seine eigenen politischen Fehler gewesen sind, die diesen Abgang erzwungen haben, das hat er nie ernsthaft reflektiert.
Blind für die eigenen Fehler
Und seine Partei hat es ihm dabei leichtgemacht. Denn dort wird allenfalls nur zart angedeutet, was Gerold Tandler, Stoibers Kompagnon aus gemeinsamen Strauß-Tagen, so unverblümt sagt, wie es immer seine Art gewesen ist. "Der einzige Schuldige an dem Desaster ist Edmund Stoiber."
So wenig, wie in der CDU eine offene Diskussion darüber geführt worden ist, warum die Bundestagswahl 2005 beinahe verloren worden wäre, so wenig hat die CSU ehrlich über die Gründe diskutiert, warum sich die Wähler so vehement von ihr abgewandt haben.
Es war die Reformpolitik, die Edmund Stoiber im Rausch der Zweidrittelmehrheit nach 2003 regelrecht durchgepeitscht hat. Bei dieser Politik stand nie im Vordergrund, ob es für die einzelnen Projekte überhaupt hinreichende Gründe gab. Es ging vor allem darum, Stoiber als größten und mutigsten Reformer Deutschlands zu inszenieren.
Sein Ehrgeiz wird zur Hybris
Stoiber wollte Bayern nach seiner knapp verlorenen Wahl gegen Gerhard Schröder im Jahr 2002 zum Musterland machen und damit zeigen, dass er der bessere Kanzler wäre. Und natürlich hoffte er auf eine zweite Chance als Kanzlerkandidat. Die Politik, die die CSU immer mehr von ihren Wählern entfremdete, war maßgeblich vom persönlichen Ehrgeiz Stoibers geprägt, einem Ehrgeiz, der immer mehr in Hybris umschlug.
Die CSU - und das erklärt vielleicht, warum die Diskussion über die eigenen Fehler so kleinlaut geführt wird - hat sich dieser Hybris unterworfen. Zuerst lustvoll, denn Erfolg ist sexy, und Stoiber ließ keine Gelegenheit aus, um der CSU deutlich zu machen, wem sie diesen Erfolg zu verdanken hatte. Später dann immer gequälter, und nach seiner Flucht aus Berlin 2005 wollte man Stoiber nur noch loswerden. Da hatten die meisten endlich erkannt, dass mit ihm kein weiterer Sieg mehr zu holen gewesen wäre.
Wenn also in der Wahlnacht verschämt davon geredet wurde, man habe mit der verheerenden Niederlage die Quittung für die gesamten fünf Jahre erhalten und nicht nur für das letzte Jahr unter Beckstein und Huber, dann zielte das auf Edmund Stoiber. Es müsste aber genauso auf die eigene Schwäche und Feigheit zielen.
Denn kein einziges Projekt Stoibers, das heute für die Verluste mitverantwortlich gemacht wird, hat die CSU verhindert, als sie die Gelegenheit dazu gehabt hätte. Gegen die brachiale Einführung des achtjährigen Gymnasiums, die allen vorherigen Versprechungen zuwiderlief, hat die damals zuständige Kultusministerin Monika Hohlmeier keinen entschlossenen Widerstand geleistet. Obwohl er sie für sinnlos hielt, führte Günther Beckstein die Polizeireform durch, wenn auch murrend. Bei der Verwaltungsreform ließ die CSU-Fraktion sogar zu, dass Stoibers Adlatus Erwin Huber eine Wählergruppe nach der anderen verärgerte.
Selbst in Einzelfragen fehlte der Mut. Bei der Abstimmung über die Abschaffung des Bayerischen Obersten Landesgerichts, einem der unsinnigsten Anschläge auf gewachsene Traditionen, gingen zahlreiche CSU-Abgeordnete lieber vor die Tür, statt beherzt mit Nein zu stimmen.
Stoiber indes reagiert auf solche Kritik noch heute allergisch. Es dürfte spannend werden, wie viel Nachsicht er seinem Nach-Nachfolger Seehofer diesbezüglich entgegenbringt. Der hat am Montag davon gesprochen, in der CSU müsse nun wieder der Dienst am Menschen im Vordergrund stehen. Gemeint hat er damit: Es muss eine Abkehr von der alten Stoiber-Politik geben.
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(SZ vom 02.10.2008/ lawe)
Entspannter Vierbeiner
Die neueste Antwort
Wenn SIE nochmal in IHREN Beiträgen nachschauen, dann werden SIE erkennen, dass SIE mich zuerst mit DU angesprochen haben. Aber ich sehe IHNEN diesen kleinen Schnitzer gern nach, SIE sind ja RAUCHER. Dennoch dürfen SIE gern weiter DU zu mir sagen, ganz wie es IHNEN besser gefällt. Solche Kleinigkeiten regen mich nicht weiter auf. Ich bin da nicht so verbissen.
Aha, es war also das Rauchverbot des Herrn Stoibers, der die leicht anarchistischen Bayern auf die Urnenbarrikaden gehen ließ. Es war also das Wahlverhalten des Herrn Stoibers im Bundestags, als er gegen die Rücknahme der Pendlerpauschale stimmte, die Beckstein und Huber ohne Not als Wahlkampfschlager eingeführt hatten.
Es war das erbärmliche Gezerre um den Transrapid, als H. Stoiber ohne Skrupel sein Lieblingskind beerdigte, das die Wähler abschreckte. Oder war es das erbärmliche Abschneiden der Bayerischer Schüler in der PISA-Studie, das auf zu großen Klassen beruhte. Oder auf zu wenig Lehrer. Aber nie auf mangelnde Faulheit und Intelligenz.
Hauptsache die Anti-Stoiber-Fronde macht die eigene Partei kaputt und zeigt ein Irrealistätsbewußtsein. Warum die SZ in diesen Chor der schwer Abseitigen (oder leicht Verrückten) einstimmt, liegt wohl daran, daß die CSU nicht mehr Werbeanzeigen zur Wahl geschaltet hat. "Die machen wir fertig, die inserieren nicht."
In erster Linie kämpft ein Mann,
dem man schon lange nicht mehr trauen kann.
Die Bundesbürger haben es schon früh erkannt,
am Kanzleramt ist er vorbeigerannt.
Was für Deutschland war ein Glück auf Erden,
es sollte ja nicht zum Tollhaus werden.
6000 Stimmen fehlten dann
und Gerhard Schröder blieb noch dran.
Die Union fragte sich, was nun,
was können wir noch für Edi tun?
Geben wir ihm das Schloss Bellevue,
doch das Prasidentamt war ihm perdu.
In der EU-Kommission als Kommissar,
in Merkels Kabinett als Superminister sogar.
Er stand für Zögern und für Zaudern,
es ließ daheim die Bayern schaudern.
Seine Wähler grauste, was ist nun,
was wird Ede nun als nächstes tun?
Er trat zurück von nicht angetreten Posten,
es sollte ihm auch den Letzten kosten.
Wer hoch pokert, kann auch hoch verlieren.
In München schlossen sich seine Türen.
Zuviel gestammelt, zuoft gezaudert,
bei Christiansen Unsinn nur geplaudert.
Seine Demission hat die Partei gescheut,
doch dann kam die Nacht von Wildbad Kreuth.
Schlechtes Krisenmanagement, zuviele Pannen,
da lässt sich das Ende schon erahnen.
Am nächsten Morgen war Stoiber dann
Ex-Ministerpräsident und ein freier Mann.
Der acht Monate noch durch die Lande tourte
und beifallheischend die Bürger umgurrte.
12 Monate später zeigt er dann,
wie man aus der Gruft noch Rache üben kann.
Was in der SPD wird praktiziert,
machen Bayerns soziale Christen ungeniert.
Der Stoiber, der die Bibel kennt,
erinnert sich an das Alte Testament.
Dort steht sinngemäß geschrieben,
du must nicht deine Feinde lieben.
Aug um Auge, Zahn um Zahn,
nach Huber, Erwin, ist nun der Beckstein, Günther, dran!
herumheult, dass alles und jeder heult, dann ist diese Heulerei ein echter Grund zum Heulen.
Aber Heulbojen und -susen brauchts nicht:
Bayern ist ein schönes Land, die Menschen sind zünftig, die Berge hoch und die Auen saftig und grün!
Vor allem seit letztem Sonntag ist Bayern gerechter und lebenswerter, als es ohnehin schon war. Es könnte sogar noch gerechter und lebenswerter werden. Aber das wissen Sie, geneigte Leserin, geneigter Leser, ja selbst: 2013 können, sollen und wollen Sie ja wieder wählen!
A guade Zeit!
Es können natürlich auch nicht 80 Millionen Berufspolitiker werden - obwohl wir mindestens so viele Bundestrainer haben.
Sie haben als Staatsbürger in der Demokratie unendlich viele Rechte:
- Wählen
- Partei mitarbeiten
- Partei gründen
- Verbandsarbeit
- Leserbriefe schreiben
- Foren behelligen
- Andere verbal überzeugen, zB auf Veranstaltungen etc. pp.
Wenn Sie es nicht in die Politik geschafft haben, kann es daran liegen, dass Sie es nicht (frühzeitig oder beharrlich oder gut genug) versucht haben.
Die Chance hat ein jeder. Sie können gleich morgen loslegen - wenn Sie es denn nur genug WOLLEN.
Das Hauptproblem scheint mir aber zu sein, dass viele es gar nicht wollen, weil einfach dagegen schimpfen viel bequemer ist, als selber ein Konzept zu haben. Oder?
Paging