Susanna Tausendfreund von den Grünen ist bescheiden: Sie stellt lieber die Themen ins Scheinwerferlicht - und nicht sich selbst.
Susanna Tausendfreund ist keine Bierzeltrednerin und keine Politikerin, die gerne laut attackiert. Selbst vor 140 Autobahnsüdring-Gegnern spricht sie in einer gleichmäßigen, moderaten Lautstärke ins Megaphon, wo andere längst in Emphase brüllen würden.
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Leger und volksnah: Die Grüne Susanna Tausendfreund. (© Foto: Claus Schunk)
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Ihre Hände kneten dabei die Luft, als brächte sie damit politische Kunststücke zuwege - und sie vertraut allein auf ihre grünen Argumente. Seit 1984 ist sie für die Grünen in der Kommunalpolitik, im Jahr 2008 hatte sie dabei mehr Erfolg denn je. Sie ist inzwischen stellvertretende Landrätin des Landkreises München - und will wieder in den Landtag.
Das, daraus macht sie kein Hehl, ist ihre eigentliche Bestimmung und ihr fester Wunsch. Der Partei gehört die 45-Jährige seit 1982 an, damals machte sie gerade ihr Abitur am Pullacher Gymnasium. Seit 1984, seit ihrem Jurastudium an der LMU in München, beackert sie die Kommunalpolitik und gehört seither dem Pullacher Gemeinderat an. Den verließ sie nicht einmal, als sie es 1998 für fünf Jahre in den bayerischen Landtag schaffte.
Beim Versuch, dies zu verstetigen, musste sie im Jahr 2003 bitter anerkennen, dass Fernsehberühmtheit schwer zu schlagen ist, wenn man sich der ruhigen Sachpolitik verschrieben hat in Ökologie und Umwelt, Demokratieverbesserung und Bürgerrechtspolitik. Um ganze 253 Stimmen oberbayernweit musste sie damals der Parteiseniorin Barbara Rütting den Vortritt ins Maximilianeum lassen und wieder in ihren Beruf zurückkehren. Tausendfreund ist Anwältin und arbeitet in München in einer Bürogemeinschaft.
Auf Platz fünf gesetzt
Nun also will sie es wieder wissen, und sie zieht aus ihrem persönlichen Erfolg bei der Kommunalwahl im März viel Kraft und Zuversicht, dass es wieder mit dem Abgeordnetenmandat klappen könnte. Nicht siegessicher, freilich, denn das wäre nicht ihre Art, sondern ruhig und realistisch die Chancen kalkulierend.
Oberbayerns Grüne haben sie wieder auf Platz fünf gesetzt, derzeit haben die Oberbayern-Grünen sechs Sitze im Landtag, und die Stimmung für die Partei ist hervorragend. Barbara Rütting tritt allerdings auch wieder an - dazu schweigt Susanna Tausenfreund lieber.
"Wir haben diesmal die realistische Chance, die absolute Mehrheit zu kippen", streut sie immer wieder begeistert unters Wahlvolk. Dass sich mit neuen Meherheiten ihre politischen Ziele leichter realisieren ließen, muss sie nicht extra erwähnen. Sie will den Autobahnsüdring unbedingt verhindern helfen, weil sie das wertvolle Flora-Fauna-Habitat-Gebiet des südlichen Isartals absolut gefährdet sieht durch diese vom CSU-geführten Kabinett betriebene Uraltplanung.
Schon die 650.000 Euro, die Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) für die Machbarkeitsstudie auszugeben bereit war, ärgern sie. "Rausgeschmissenes Geld." Doch statt mit diesem Stoff in Festzelte und Bürgerhäuser zu gehen, lädt Tausendfreund lieber gemeinsam mit dem Bund Naturschutz - dem sie auch aktiv angehört - zu zwei Fahrrad-Demonstrationen.
Den Behördenkram für die Demos erledigt sie als Anwältin, und bringt es exakt vier Wochen vor dem Wahltag fertig, zweieinhalb Stunden lang in Oberhaching, Straßlach und Grünwald auf dem Fahrrad-Rundkurs durchs gefährdete Gebiet immer nur von Südring und ADAC-Lobby zu reden. Dass sie in den Landtag gewählt werden will, erwähnt sie ganz am Schluss kurz. Fast beiläufig. Zur Sache musste viel gesagt werden, auf Eitelkeiten steht Susanna Tausendfreund nicht.
Legerer Auftritt
Fürs Wahlplakat hat sie sich zwar sogar geschminkt, sonst aber pflegt sie den legeren Auftritt. Als grüne Realpolitikerin von hoher Beliebtheit über ihre Partei hinaus kann sie es sich leisten, Blusen von eher nachlässigem Chic und Trekkingsandalen zu tragen, wenn sie zu ihrem Volk spricht. Und es passt so.
Wenn ihre Hände wieder die Luft kneten und sie eindringlich erklärt, warum mehr für Bildungsgerechtigkeit getan werden muss oder für die Chancen sozial Benachteiligter, dann blicken die Menschen in freundliches Gesicht. Die Frau mag andere Menschen und pflegt als Politikerin seit einem Vierteljahrhundert einen offenen, unkomplizierten Umgang mit ihnen.
Natürlich hat sie ihr juristisches Wissen gerne eingesetzt, um der Grünen-nahen Petra-Kelly-Stiftung zwischen 1996 und 1998 im Vorstand zu dienen. Aber dann fährt sie im März 2008 wieder 13,1 Prozent in der Landratswahl ein, in einem Wahlgang mit fünf Bewerbern geradezu sensationell - und ein Beleg, dass sie eben weit über den Parteirand hinaus unterstützt wird.
Nicht allein vom Pullacher SPD-Gemeinderat Odilo Helmerich, mit dem sie liiert ist, sondern offenbar auch von vielen anderen Wählerinnen und Wählern, die sie persönlich schätzen, aber sonst nicht unbedingt bei den Grünen ihr Kreuzerl machen.
Zu ihrer offenen, unaufgeregten Präsentation gehört auch, dass sie ohne Umschweife Einblicke in ihre private Normalität gewährt. Sie bewohnt ein Ökohaus in Pullach, ist Frankreich-begeistert, radelt gern und sieht derzeit reichlich malträtiert aus.
Wenn sie mit den Händen wieder mal die Ablösung der CSU-Allmacht herbeiknetet, bemerkt man die Kratzern am Arm. Dafür zeichnete ihr französischer Neuzugang "Petite" verantwortlich, der sich erst kürzlich zu ihrem gemütlichen weißen Kater "Balou" gesellt hat. Petite ist eine "Glückskatze". So werden jene Tiere genannt, die in ihrem Fell so ungefähr alle Farben vereinen. Für alles offen, eben.
Eins, zwei, drei - Zauberei
Ach ja, und sollte sich irgendwer wundern, warum ausgerechnet aus dem ehedem konservativen Landkreis München eine zielstrebige Juristin und Bündnisgrüne derart wundersamen Zuspruch erfährt, weit über das landesübliche Maß hinaus, dann sei noch etwas über Susanna Tausendfreunds Hände verraten.
Die tun manchmal nur so harmlos. In Wirklichkeit sind sie angemeldet beim "Magischen Zirkel", kein Witz jetzt. Die Pullacher Politikerin kann zaubern und nennt das bislang ihr Hobby. Mal sehen, was sie am 28.September aus dem Hut zaubern wird.
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(SZ vom 11.09.2008/ssc)
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