Sie werden getreten, bespuckt und geschlagen: Die bayerische Polizei beklagt die zunehmende Gewalt gegen Beamte. Innenminister Herrmann fordert deshalb härtere Strafen - und bessere Ausrüstung.
Irgendwann im Laufe der Pressekonferenz kommt dem Minister die Idee. Langsam verlässt er das Stehpult, an dem er gerade ein paar Zahlen referiert und seine Forderungen formuliert hat. Er geht zum Sideboard an der Wand des Raumes, nimmt einen Betonbrocken in die rechte Hand und einen Polizeihelm in die linke. "Mit solchen Betonbrocken wurden unsere Beamten des Unterstützungskommandos Dachau bei den 1.-Mai-Krawallen in Hamburg beworfen", sagt Joachim Herrmann, der bayerische Innenminister. "Und davor schützen nur solche Helme."
Bild vergrößern
Immer öfter werden Polizisten von Randalierern und Raufbolden angegriffen. Der Freistaat will das nicht länger hinnehmen. (© dpa)
Anzeige
Die Botschaft ist klar: Der Freistaat will es nicht mehr hinnehmen, dass immer öfter Polizisten von Randalierern und Raufbolden, Demonstranten und Fußballhooligans, aber auch von scheinbar ungefährlichen Bürgern etwa bei einer Kfz-Kontrolle - quasi aus dem Nichts heraus - angegriffen werden. Mehr als 1600 Polizeibeamte wurden laut Innenministerium im Jahr 2010 im Einsatz verletzt.
Immer öfter seien Polizeibeamte Opfer von Gewalt. Fast jeder Dritte sei im vergangenen Jahr im Dienst beleidigt, bespuckt, gestoßen, geschlagen oder getreten worden. Das geht aus dem "Landeslagebild Gewalt gegen Polizeibeamte" hervor, einem Bericht, den das Innenministerium in diesem Jahr erstmals erstellt hat. Daher gibt es auch keine Vergleichszahlen aus dem vergangenen Jahr. Dennoch ist sich Herrmann sicher: "Gewalt gegen Polizeibedienstete hat in den vergangenen zehn Jahren stark zugenommen." Allein bei Widerstandshandlungen (etwa gegen eine Festnahme) verzeichneten die Statistiker von 2003 bis zum Jahr 2009 einen Anstieg um mehr als 20 Prozent.
Herrmann will nun mit schärferen Gesetzen und einer besseren Ausrüstung gegensteuern. "Wir müssen die schützen, die uns schützen" - diesen Satz haben seine PR-Strategen dem Minister aufgeschrieben. Dem CSU-Mann selbst fällt dann auch noch etwas Griffiges ein: "Die Beamten halten für uns ihren Kopf hin. Darum müssen wir darauf achten, dass keiner deren Kopf gefährdet." Unter anderem fordert Herrmann schärfere Strafen: Bei Widerstandshandlungen gegen Vollstreckungsbeamte sieht das Gesetz derzeit eine Höchststrafe von zwei Jahren Gefängnis vor; Herrmann will drei Jahre. Ein entsprechender Gesetzentwurf habe im Bundesrat "parteiübergreifend" eine klare Mehrheit gefunden, so der Minister. Doch nun stecke er im "Koalitionsgeplänkel" von Schwarz-Gelb in Berlin fest. "Dafür habe ich im Interesse unserer Beamten kein Verständnis." Zudem testet die bayerische Polizei derzeit einen speziellen Gehörschutz, der vor Knalltraumata schützen soll. Diese erleiden die Polizisten häufig bei gewalttätigen Demonstrationen.
Aber auch im täglichen Einsatz kommt es immer wieder zu Übergriffen, berichten Polizeibeamte. Herrmann verwies auf einen Münchner Fall vom vergangenen Wochenende: Zwei junge Männer gerieten nach durchfeierter Nacht in eine hitzige Schlägerei. Als Polizisten eingriffen, wurden sie Ziel der Aggression: Ein Beamter bekam einen Tritt gegen den Kopf. Nur weil der Angreifer Turnschuhe trug, ging die Sache glimpflich aus. "Früher galt: In dem Moment, in dem die Polizei auf der Bildfläche erschien, haben sich die Täter davongemacht", sagt Hermann. Heute hingegen gingen Täter auf die Polizisten los.
Vor allem Jugendliche hätten immer weniger Respekt, berichtet der Münchner Polizeikommissar Markus Conen. "Beleidigungen sind an der Tagesordnung." Bei einem Punkkonzert wurde er vor einigen Jahren verprügelt. Acht Konzertbesucher seien auf ihn und seine Kollegin losgegangen. "Es waren Leute, die Ärger mit der Polizei suchten." Die Übermacht war zu groß, die Kollegin ging zu Boden. "Irgendwann konnten wir weglaufen." Die Täter tauchen in der Menge unter. Laut Statistik machen Heranwachsende nur etwa 3,5 Prozent der bayerischen Bevölkerung aus; bei den Straftaten gegen Polizisten liegt der Anteil der 18- bis 21-Jährigen bei 16,5 Prozent.
Ein Problem ist auch Alkohol; der sei "Aggressionsverstärker Nummer eins", sagt Herrmann. 70 Prozent der Gewalttäter hätten vorher Drogen genommen. Auffallend ist auch, dass es in einigen kleineren Städten wie Amberg, Regensburg, Rosenheim oder Aschaffenburg häufiger zu Gewalt gegen Beamte kommt als in Großstädten. Die Fachleute wollen die Entwicklung weiter beobachten. Möglicherweise sind Großereignisse eine Erklärung.
- Verfassungsschutzbericht Historischer Höchststand bei linksextremen Straftaten 03.03.2011
- Sicherungsverwahrung Bloßes Wegsperren geht nicht mehr 17.05.2011
- Herrmann: Sohn macht auf Skandal-Rapper Gangster aus Erlangen 20.01.2011
- Max-Villa in Ammerland Öffentliche Aufforderung 07.06.2011
- In Olching und Umgebung Verräterische Botschaften 06.06.2011
- Indien: Yogi im Hungerstreik Mit harten Bandagen 05.06.2011
- Steigende Gewalt gegen Polizei Uniform als Provokation 02.06.2011
(SZ vom 03.06.2011)
Wirbel um Obama-Biographie
Die neueste Antwort
vermutlich kamen die Drei nicht so ganz aus dem linksextremistischen Milljöh
"darf diesem marodierenden Mob auch schon mal mit der 9mm antworten ..."
Es gibt einige Länder auf der Erde, in denen das so gehandhabt wird.
Ich würde da ja nicht unbedingt wohnen wollen, aber wenn Sie mögen ... ?
dww
Das Problem mit den schnittigen Forderungen nach Strafe und dem damit verbundenen Persönlichkeitskonzept ist: Es stimmtnicht. Die Gesellschaft wird nicht besser mit dem Beschwören von Eigenverantwortlichkeit, ganz im Gegenteil. Das Strafrecht zeigt das am deutlichsten: Strafe fördert Rückfall. Das ist keine Interpretationsfrage, das ist wissenschaftlicher Konsens.4 Wer keine fundamentalistischen religiösen Motive hat, kommt nicht umhin das anzuerkennen. Daher setzt progressive Strafverfolgung beispielsweise in Skandinavischen Ländern mittlerweile auf Resozialisierung und auf die Verbesserung der Lebensumstände des Täters.5 Wo weder Geld noch Ideen vorhanden sind, wird weiterhin konventionell gestraft – mit verheerenden Rückfallquoten.6 Man könnte auch sagen, Resozialisierung setzt auf die Behebung der Ursache des Problems, anstatt Sympthombekämpfung zu betreiben. Es hat sich historisch gezeigt, dass es wirksamer ist verzweifelten Menschen bessere Chancen zu bieten, als sie härter zu unterdrücken. Sicher, Unterdrückung ist die einfachere und günstigere, sogar die intuitive Gangart. Aber Gewalt erzeugt immer Gegengewalt, und dann ist die Französische Revolution da.
Der ganze Artikel auf: http://gesellschaftvonhinten.wordpress.com/
Eine gewisse Fraktion hier kommt immer nur mit der Gewalt von Linken und Migranten - und verallgemeinert und übertreibt dabei natürlich hemmungslos. "...die vielen Stadtteile in Deutschland die gar nicht mehr zum Land gehören. Dort "behaupten" Clans aus Naost ihre eigenes Gewaltmonopol gegen die Polizei und haben schon fast gewonnen".
@Demerziel, was exakt wollen Sie damit aussagen? Und welche Stadtteile sollten das sein? Es gibt keine Stadtteile, die auf diese Art "beherrscht" würden. Es gibt allenfalls Strukturen in den Clans und Familien, mit denen die Polizei schwere Probleme hat.
So etwas ist ein deutlicher Unterschied.
--------------------------------
Ansonsten handelt der Artikel auch um viele Gewaltvorfälle, die weder mit dem linken Milieu noch dem Migrationshintergrund zu tun haben.
Es gibt in Deutschland sicher viele Regionen, bei denen linke Gewaltvorfälle weit seltener vorkommen (zumal Bayern; höchstens bei den seltenen Demos, bei denen auch Autonome teilnehmen, bzw. das Übergewicht haben) als der übliche Vandalismus und Hooliganismus.
Und im (fast) gesamten Osten Deutschlands dürfte Gewalt und Vandalismus von Migranten auch minimal sein. Auch dort geht die höhere Aggressivität von ganz und gar strammen Deutschen aus (ob nun organisierte Rechte oder irgendwelche Hools und Säufer).
Es gibt einige Fußball-Clubs, bei deren Fan-Anhang die Polizei eigentlich wöchentlich mit Ausschreitungen rechnen muss. Ich würde annehmen, da kommt mehr zusammen als bei einer Castor-Demo einmal im Jahr oder sagen wir alle 1-2 Monate potenziell gewaltträchtige linke Demos.
Bitte beachten Sie unsere netiquette und unsere AGB
Paging