Von Christine Burtscheidt

"Das Gesetz ist scharf, aber die Vollzugshinweise sind stumpf" - immer mehr Raucherklubs und andere Tricks führen das ursprüngliche so strenge Rauchverbot ad absurdum.

Der Regensburger Oberbürgermeister und Vorsitzende des Bayerischen Städtetags, Hans Schaidinger, neigt zu bildhaften Vergleichen. Bei der gegenwärtigen Auslegung des Nichtrauchergesetzes durch die Staatsregierung fällt ihm ein Zaun ein, dessen Maschen, kaum sei er aufgestellt worden, mutwillig erweitert worden seien.

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Von wegen strenges Rauchverbot: In Bayern wird wieder an immer mehr Orten gequalmt. (© Foto: ddp)

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"Das Gesetz ist scharf, aber die Vollzugshinweise sind stumpf. Damit lässt sich das Rauchverbot in der Praxis nicht vollziehen", kritisiert er und sieht sich durch das Münchner Verwaltungsgericht bestätigt. Dieses hat in einer Eilentscheidung am Mittwoch dem Wirt von zwei Spielhallen in Moosburg recht gegeben, das Rauchen bis zu einer endgültigen Entscheidung weiter zu erlauben. Zuvor hatte das Landratsamt Freising versucht, das Rauchverbot durchzusetzen.

Für den Städtetag ist die Entscheidung ein klares Indiz, dass ein pragmatischer Vollzug des Gesetzes, wie ihn zurzeit die Staatsregierung wünscht, nicht umsetzbar ist. "Damit geraten die Kommunen in die Grauzone", warnte Schaidinger. Die Gerichte ließen Raucherklubs zu, solange die Vollzugsregelungen nicht nachgebessert würden.

"Wir brauchen ein scharfes Gesetz", forderte er die CSU auf. Sonst bleibe man hinter dem zurück, was der Gesetzgeber eigentlich gewollt habe, nämlich Ausnahmen ausschließlich für geschlossene Gesellschaften wie Familienfeiern zuzulassen.

Schaidinger sagte, die Kommunen seien nicht in der Lage, die Raucherclubs zu kontrollieren. Es sei denn, man bekomme dafür mehr Personal. Die Finanzierung müsse jedoch nach dem Konnexitätsprinzip die Staatsregierung übernehmen.

Kritik an dem Gesetz übte auch die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Landtag, Margarete Bause. Sie betonte, das Nichtraucherschutzgesetz sei das einzige Gesetz, das mit staatlicher Hilfe missachtet und unterlaufen werden könne. "Es ist nicht im Sinne eines Nichtraucherschutzgesetzes, dass immer mehr Raucherklubs entstehen und die Kommunen keine Handhabe besitzen, das Gesetz umzusetzen", sagte sie und verlangte "eindeutige und klare Vollzugshinweise, durch die der Schutz der Gesundheit vor erzwungenem Passivrauchen auch wirklich gewährleistet ist".

"Die Arroganz der Staatsmacht brechen"

Verbesserungsbedarf sehen auch die bayerischen Wirte. Sie wollen weiter Druck auf die Staatsregierung ausüben, jedoch mit dem Ziel einer weiteren Aufweichung des Gesetzes: "Wir befürworten eine spanische Lösung", sagte am gestrigen Donnerstag Franz Bergmüller, der Vorsitzende des Vereins zum Erhalt der Bayerischen Wirtshauskultur (VEBWK). In Spanien dürfen Wirte von Einraumgaststätten selbst entscheiden, ob geraucht werden darf.

Dass eine solche Änderung noch mit der CSU zu erreichen ist, glaubt jedoch der VEBWK nach den Erfahrungen der vergangenen Wochen nicht. So kündigte Bergmüller an, im Landtagswahlkampf die FDP und die Freien Wähler mit dem Ziel zu unterstützen, "die Arroganz der Staatsmacht zu brechen". Damit dies auch gelingt, treten die Wirte mit einem eigenen Kandidaten auf der FDP-Liste an: Jürgen Koch ist VEBWK-Vorstandsmitglied und kann mit der Unterstützung von 64.800 Mitgliedern rechnen.

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(SZ vom 18.4.2008/ihe)