US-Armee schließt Standort Bye-bye Schweinfurt

Grafenwöhr ist ein großer Truppenstandort der US-Armee - noch. Denn eine US-Militärzeitung hat nun den Abzug zweier US-Brigaden aus Europa gemeldet. Neben Grafenwöhr wäre demnach vom Abzug aus Bayern auch der gesamte Standort Schweinfurt betroffen.

Wer durch das Oberpfälzer Städtchen Grafenwöhr läuft, der bekommt an den Geschäften nicht nur die deutsche, sondern immer auch die englische Version von Werbesprüchen zu lesen. Grafenwöhr ist ein großer Truppenstandort der US-Armee - noch. Denn die amerikanische Militärzeitung "Stars and Stripes" hat nun den Abzug zweier US-Brigaden aus Europa gemeldet. Experten sehen davon eindeutig auch den Standort Grafenwöhr betroffen. Die Befürchtung, dass die Army abgezogen werden könnte, schwebte schon seit längerem über der Stadt.

Süddeutschland mit den US-Standorten und den von der Truppenredizierung betroffenen Stützpunkten Grafenwöhr, Baumholder und Schweinfurt.

(Foto: dapd)

"Stars and Stripes" stützt sich bei seiner Meldung auf Aussagen des US-Verteidigungsministeriums Pentagon vom Donnerstag. Im Rahmen der Vorstellung von Einzelheiten zum künftigen Militärhaushalt soll der Abzug sogenannter schwerer Brigaden aus Europa verkündet worden sein. "Die einzigen zwei schweren Brigaden, die wir haben, sind die 170. und die 172. Brigade", erklärte ein Sprecher des amerikanischen Militärs in Heidelberg.

Neben Grafenwöhr wäre demnach vom Abzug aus Bayern auch der gesamte Standort Schweinfurt und in Rheinland-Pfalz die Garnison Baumholder betroffen. In Europa würden dann noch zwei Brigaden verbleiben: eine im ebenfalls oberpfälzischen Vilseck und eine im italienischen Vicenza. In Grafenwöhr sind 3800 Soldaten stationiert. Der geplante Abzug ist Teil der Sparpläne des Pentagon und bedeutet nach dessen Angaben nicht die Schließung des Standorts. Die US-Armee in Schweinfurt soll hingegen komplett aufgelöst werden.

Wenig überrascht über die Meldung zeigte sich am Freitag Grafenwöhrs Bürgermeister Helmuth Wächter. "Die Diskussion um die Brigade kenne ich schon seit Jahrzehnten", meinte er und zeigte sich zuversichtlich, nachdem ihm US-General Marc Hertling zugesichert habe, dass der Abzug ausreichend durch wechselnde Truppen kompensiert werde. Darauf vertraue er.

In Deutschland sind derzeit insgesamt 36.000 US-Soldaten stationiert, knapp 20.000 davon in Bayern. Dazu kommen nach Schätzung der US-Armee noch doppelt so viele Familienangehörige der Soldaten.

Der Truppenübungsplatz in Grafenwöhr wurde 1910 für die bayerische Armee errichtet und nach dem Zweiten Weltkrieg von den Amerikanern übernommen. Die USA haben hier in den vergangenen Jahren viel Geld investiert. Das jüngste große Ausbauprogramm hatte ein Volumen von rund einer Milliarde US-Dollar. Grafenwöhr ist unter anderem Sitz des Joint Multinational Training Commands, das für Training und Ausbildung der US-Armee in Europa zuständig ist. Dort trainieren auch Truppen der Bundeswehr und anderer Partnerländer.