Von Klaus Ott

Klare Worte: Die kommunalen Kreditinstitute halten die Sanierungspläne der Staatsregierung für die BayernLB für illusorisch.

Die Bayerische Landesbank ist derzeit dabei, sich neu zu erfinden, und die von der Staatsregierung in Auftrag gegebenen Umbaupläne werden intern mit hehren Worten angekündigt. "Es ist das größte Projekt, das unser Haus jemals gestemmt hat", tönt die Arbeitsgruppe "Herkules", die mit 250 Leuten an der Sanierung der BayernLB arbeitet.

Bild vergrößern

Reizthema Bayerische Landesbank. (© Foto: ddp)

Anzeige

Die Staatsbank habe in ihrer 125-jährigen Geschichte schon viele Herausforderungen überlebt - Inflation, Weltwirtschaftskrise, Nachkriegszeit - und werde auch dieses Mal nicht untergehen. "Wir werden eine starke Regionalbank mit internationaler Ausrichtung."

Bei Bayerns Sparkassen sieht man das anders. Nach Ansicht führender Vertreter der kommunalen Kreditinstitute können sich Regierungschef Horst Seehofer und Finanzminister Georg Fahrenschon die Umbaupläne weitgehend sparen, weil daraus ohnehin nichts werde.

Die Landesbank ist im Sparkassenlager bereits seit Monaten ein Reizthema. Wenn Vorstände und Aufsichtsräte der Kommunalbanken unter sich sind, wird heftig geschimpft über das Missmanagement in der BayernLB wie auch der früheren Staatsregierung unter Edmund Stoiber, die von einem weltweit bedeutsamen Finanzinstitut träumte. Jetzt hat erstmals ein Top-Mann der Sparkassen diese Kritik auch öffentlich geäußert.

"Wir sind skeptisch, ob das geplante neue Geschäftsmodell für die Landesbank ausreicht", sagt Harald Strötgen, der Chef der Münchner Stadtsparkasse. Deutschland brauche keine sieben Landesbanken als Ergänzung für die Sparkassen. "Im Prinzip reicht eine Landesbank." Deutlicher hat noch niemand aus den Sparkassen Seehofer und Fahrenschon wissen lassen, dass deren Sanierungspläne wohl zum Scheitern verurteilt seien.

Staatsregierung und Vorstand der BayernLB wollen die Kosten und den Geschäftsumfang drastisch reduzieren, 5600 der 19200 Stellen streichen, Auslands-Standorte schließen und stattdessen die Kreditvergabe an den heimischen Mittelstand ausbauen. Um diesen Markt kümmern sich aber schon seit vielen Jahren die Sparkassen.

Keine Angst vor Konkurrenz

So richtig Angst vor einer Konkurrenz durch die BayernLB haben die Sparkassen nach Worten von Strötgen nicht. Die Kommunalbanken könnten den Kunden bessere Konditionen bieten als die durch hohe Sanierungskosten belastete Landesbank, die bis vor kurzem jeweils zur Hälfte dem Freistaat und den Sparkassen gehörte.

Nun ist der Freistaat, weil er die BayernLB mit zehn Milliarden Euro gerettet hat, weitgehend Alleininhaber. Die Sparkassen sind froh, fast vollständig draußen zu sein. Sie haben bei der Landesbank bereits 400 Millionen Euro abschreiben müssen.

Strötgen habe das "noch zurückhaltend formuliert", sagt ein hoher Funktionär des Sparkassenverbandes und CSU-Politiker. Aus der BayernLB werde "nichts mehr gescheites". Die Landesbank solle "ihren Mist doch alleine machen". Ein Aufsichtsrat einer Großsparkasse sagt, die Kritik im Verband am Sanierungskonzept der Regierung sei groß. Man brauche im Übrigen keine sogenannte "Bad Bank" für wertlos gewordene Finanzanlagen. "Wir haben doch schon eine Bad Bank - die Landesbank."

Strötgen drückt aus, was viele im Sparkassenlager denken, auch mit seiner Kritik am Vorstand der BayernLB. Dort habe es einen "unangemessen hohen Risikoappetit" gegeben, man habe unter falschen Annahmen Milliardenbeträge in den später zusammengebrochenen US-Immobilienmarkt investiert und sich dabei zu sehr auf das Urteil von Finanzagenturen statt eigene Kontrollen verlassen.

Bei einer Tagung des Sparkassenverbandes sagte Strötgen kürzlich dem Vorstand der Landesbank, "für einen glaubwürdigen Schritt nach vorne wäre es wichtig, sich zu entschuldigen". Darauf warten die Sparkassen und die Bürger bislang allerdings vergeblich.

Leser empfehlen 

(SZ vom 07.03.2009)