Söder will AKW Isar 1 abschalten Größtes anzunehmendes Restrisiko

Selbst Atom-Befürworter sagen, das AKW Isar 1 bei Landshut erfülle nicht die gängigen Sicherheitsstandards. Jetzt will Bayerns Umweltminister Markus Söder die Anlage abschalten.

Von Max Hägler und Christian Sebald

Die CSU will den umstrittenen Reaktor Isar 1 dauerhaft vom Netz nehmen - ein entsprechender Vorschlag des Umweltministers Markus Söder fand nach SZ-Informationen bei der Präsidiumssitzung am Montagnachmittag breite Zustimmung.

Das Argument ist eines, das die Atomkritiker schon seit langem vorlegen: Isar 1 werde nicht mehr gebraucht, es gebe schlicht genügend anderen Strom in Deutschland. Den Landshuter CSU-Oberbürgermeister Hans Rampf wird das besonders freuen. Hatte er sich doch den Zorn der CSU-Größen zugezogen, als er im Sommer 2010 die Stilllegung von Isar 1 forderte.

Die überraschende Wendung der CSU-Spitze und wohl auch der Spitze des Betreibers Eon, die am späten Nachmittag bekannt wird, dürfte in Niederaichbach nicht mehr auf ganz großen Widerstand treffen. Der Ort, in dem die Atomanlage von beinahe jeder Kreuzung aus zu sehen ist, profitiert zwar von den 700 Arbeitsplätzen in den Reaktoren Isar 1 und Isar 2.

Doch regt sich seit drohenden Atomkatastrophe in Japan erstmals sanfte Kritik. "Nach diesem Wochenende macht sich auch der Bürgermeister Gedanken, ob das sicher ist", sagt Josef Haselbeck. Die distanzierten Worte drücken wohl aus, wie ungewohnt sie für den CSU-Politiker sind, der über 50 Prozent seiner Gewerbesteuer-Einnahmen von Eon bekommt.

Noch vor Bekanntwerden der CSU-Präsidiumsentscheidung hat der Landshuter Landrat Josef Eppeneder, der bislang klar für Atomkraft war, am Mittag eine Sondersitzung des Kreistages einberufen. Am 19. April sollen Experten des Umweltministeriums und der Betreiberfirma "unmissverständlich" Auskunft geben, ob Unfälle wie in Japan auch in Isar 1 oder Isar 2 denkbar seien. Wenn die Atomkraftwerke nicht sicher genug betrieben werden könnten, "müssen sie vom Netz - und zwar alle", fordert der CSU-Landrat.

An der Anlage selbst ist wenig zu spüren von all dem politischen Trubel. Der Parkplatz ist voll, Lastwagen fahren ein und aus, über den Parkplätzen flirrt es in den Hochspannungsleitungen: Der im Jahr 1988 in Betrieb gegangene Reaktor Isar 2 mit seinem markanten Kühlturm und Isar 1 laufen im Vollbetrieb.

Sechs Reaktoren, vier Standorte

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