Soziale Medien Von Södereien verfolgt

Markus Söder mit seinem Hund in einem Facebook-Video.

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Markus Söder ist überall, ganz besonders auf Facebook und ganz besonders bei denen, die Seiten von FDP und AfD liken - Targeting sei Dank. Unser Autor glaubte, mit einer besonders guten Idee zu entkommen.

Kolumne von Johann Osel

Die Videos im Netz bieten dem geneigten Landeskind Södereien aller Art: Da erklärt der Ministerpräsident ein neues Gesetz, Amt oder Förderprogramm, was derzeit durchaus vorkommt; Markus Söder gönnt sich einen Spargelsalat - und, weil er ein Mann von Format ist, noch Bratwürste dazu; Söder gratuliert, plaudert, besucht, Söder reaktiviert in der Staatskanzlei Sitzmöbel, die seinerzeit Franz Josef Strauß persönlich plattgehockt und durchgefurzt hat. Das kann sogar unterhaltsam sein.

Das Problem: Nicht nur die geneigten, auch weniger geneigte Bayern bekommen derlei Videos auf Facebook eingespielt. Wie ein Schachterlteufel ploppt Söder in dem Netzwerk auf, auch bei denen, die Kanäle von CSU oder Regierung nicht abonniert haben. Botschaften wie aus dem Nichts.

Die Leidtragenden? Fallbeispiel eins: ein junger Liberaler aus dem Landesvorstand der Jugendorganisation; er hat auf Facebook vor allem Profile von FDPlern abonniert und von solchen, die es werden wollen. Die CSU ist nicht dabei. Beispiel zwei: ein Journalist, der über die AfD im Freistaat berichtet, er folgt zu Recherchezwecken vielen Seiten der Rechtspopulisten. Södereien hat auch er nicht bestellt. Beide sehen aber ständig seine Videos, gesponserte Beiträge. Von Abonnenten der Kanäle von SPD und Grünen sind solche Klagen seltener zu vernehmen.

Was wohl dahinter steckt, heißt "Targeting". Gezielte Netzwerbung, in dem Fall für alle, die man dem bürgerlichen Lager zuschreibt, die der CSU aber aus dubiosen Gründen die Gefolgschaft verweigern. Digitalexperten sagen, dass schon zur Bundestagswahl 2017 fast alle Parteien das - auch umstrittene - Instrument nutzten.

Was tun, um der Verfolgung durch Söder zu entkommen? Der Jungliberale hat mal überlegt - obwohl's ihm bei dem Gedanken seine marktpolitischen Nackenhaare aufstellt -, die Linke auf Facebook zu liken. Damit könnte er dem Raster entfleuchen. Der Journalist, ganz klug, hat einfach alle CSU-Kanäle abonniert und angeklickt, keine Beiträge mehr zu wollen. Das scheint zu funktionieren. Doch kaum war das getan, haben sie direkt vor seinem Küchenfenster im Münchner Osten einen großen Söder-Kopf aufgestellt; schon beim Morgenkaffee trifft ihn nun der landesväterliche Blick. Angeblich soll das nur ein Veranstaltungsplakat sein.

Gestatten: Söder, Markus Söder

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