Skifahren in Bayern Die Schneesucher von der Zugspitze

Mit der Fräse schleudert Seppi Reiser Schnee auf besonders beanspruchte Stellen.

Seit November hat es auf der Zugspitze nicht mehr richtig geschneit. Andreas Huber und seine Männer versuchen dennoch, den Skibetrieb aufrecht zu erhalten. Weil hier oben Kanonen verboten sind, setzen sie auf eine komplizierte Methode: das Snowfarming.

Von Anna Günther, Garmisch-Partenkirchen

Jeden Morgen schaut Karl Dirnhofer auf den Wetterbericht, jeder Morgen ist eine Qual. Der Betriebsleiter des Skigebiets Garmisch Classic hofft seit Wochen auf Schnee, oder zumindest kühlere Temperaturen. Die Wetterstation würde eine Eilmeldung auf sein Handy schicken. Das Telefon schweigt. "Schnee kommt im Januar sowieso nicht mehr, aber wenn wir wenigstens beschneien könnten", sagt Dirnhofer. Ohne Kunstschnee gäbe es in diesem Winter überhaupt keinen Skibetrieb. Zuletzt liefen die 165 Schneekanonen am 30. Dezember, 25 Zentimeter liegen derzeit auf 40 Kilometer Pisten. Drei Talabfahrten sind geöffnet, alle Lifte in Betrieb. Und die Gäste? Zufriedene Gesichter und lockere Lobeshymnen, wen man an der Kreuzeckbahn auch fragt. Viel ist nicht los.

Zartes Grün spitzt aus der Erde, Vögel zwitschern. In den Straßencafés halten bebrillte Cappuccino-Trinker ihre Nasen in die warme Sonne. Klirrend kalter Januar? Von wegen. Während Sonnenhungrige den ausbleibenden Januar-Blues feiern, hoffen die Betreiber der bayerischen Skigebiete seit Wochen auf den Wetterwechsel. Seit Ende November hat es nicht mehr ausreichend geschneit. Ein paar Zentimeter im Dezember, ein paar Anfang Januar - nichts womit die Skigebiete arbeiten können. Wegen der milden Temperaturen stehen auch die Schneekanonen still. Nur die Gipfel der höchsten Berge sind zart bestäubt. Viele Skipisten sind zwar befahrbar, doch überall bietet sich das gleiche Bild: ein schmaler Streifen weiß, rechts und links davon graubraune Wiese und Bergwald.

Wenn es nicht bald Winter wird, muss Garmisch den Weltcup verschieben

"Für die Touristen reicht's", sagt Dirnhofer, die seien froh, dass sie überhaupt fahren können und genießen nach dem Mittag die Sonne vor der Hütte. Sorgen bereitet ihm der Ski-Weltcup. In zwei Wochen sollen Sportler aus aller Welt in Garmisch die Kandahar-Piste herabbrettern, doch wenn nicht bald das Wetter mitspielt, muss der Weltcup verschoben werden. Mitte nächster Woche muss der Internationale Skiverband FIS Bescheid wissen, sagt Dirnhofer. An den Imageschaden für Garmisch-Partenkirchen und die Umsatzeinbußen für die Unternehmer möchte er gar nicht erst denken.

Die Gäste stehen an der Eibsee-Seilbahn zur Zugspitze Schlange. In den Weihnachtsferien warteten manche bis zu zwei Stunden auf die Gondel. An diesem Tag geht es ganz schnell - Januarloch. Doch die Betreiber sind zuversichtlich, die Saison dauert in diesem Jahr bis 6. April. Die Wintersportler versprechen sich auf mehr als 2200 Metern Höhe bessere Skibedingungen. Dafür nehmen einige auch die flacheren Abfahrten in Kauf.

In Deutschlands höchstem Skigebiet unterhalb der Zugspitze wedeln Wintersportler noch entspannt die weißen Pisten herab.

In Deutschlands höchstem Skigebiet müssen die Pistenpräparatoren mit dem auskommen, was vom Himmel fällt. 30 Zentimeter Schnee liegt auf den Abfahrten zwischen Alpspitze, Wetterwandeck und Zugspitze. Im Vergleich zu anderen Skigebieten Bayerns ist das Luxus. Doch abseits der präparierten Bereiche spitzen die blanken Felsen wie Maulwurfshügel aus dem Weiß. 1,35 Meter hoch liegt der sogenannte unberührte Schnee an der Messstelle. In normalen Wintern steckt die orangefarbene Messlatte zwei bis fünf Meter tief im Schnee, felsig sind dann nur die windumtosten Berggipfel.

Oberhalb der Baumgrenze darf laut Gesetz nicht künstlich beschneit werden. So recht verstehen kann Betriebsleiter Andreas Huber das nicht, mit den Kanonen werde in Deutschland reines Trinkwasser zerstäubt. Seit zehn Jahren versuche man bei der Bayerischen Zugspitzbahn gegen das Beschneiungsverbot vorzugehen, bisher ohne Erfolg. Auf der Zugspitze haben sie ihre eigenen Strategien entwickelt, um die Pisten in Schuss zu halten. Snowfarming, nennt sich das.

Pisten für Familien

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Die Männer der Bayerischen Zugspitzbahn betreiben das auf ihre eigene Weise. An Landwirtschaft erinnert bloß der Tank, der einem Gülleanhänger gleich Wasser auf die Piste spritzt. Über Jahrzehnte wurden Methoden ausgefeilt, Tipps an jüngere Generationen weitergegeben. Ohne diese Arbeit mit dem Schnee hätte der Wintersport auf der Zugspitze längst eingestellt werden müssen, sagt Huber.

Statt Technik gilt Erfahrung. Jahrelang haben sie den Gletscher im Sommer mit Planen abgedeckt, das aber hat wenig gebracht. Der Schneeferner schmilzt trotzdem. Umso wichtiger ist das Flicken der Piste, weil darunter der blanke Fels liegt. Der Grainauer kennt jede Mulde, jeden Windhauch, jeden Felsbuckel. "Drei Jahre braucht man schon, um sich hier einigermaßen auszukennen", sagt Andreas Huber. Seit sieben Jahren arbeitet er im Skigebiet Zugspitze, seit drei Jahren ist er stellvertretender Betriebsleiter. Huber ist 25 Jahre alt.