Skifahren in Bayern "Bis 2050 werden wir nur noch die Zugspitze haben"

Eine Schneekanone in Lenggries. Derzeit leidet ganz Bayern unter Schneemangel.

Geograf Jürgen Schmude hat den Einfluss des Klimawandels auf den Wintersport untersucht. Ergebnis: Skigebiete müssen künftig auf weiße Ostern setzen. Und im bayerischen Alpenraum wird Skifahren in Zukunft kaum mehr möglich sein.

Von Anna Fischhaber

Auf bayerischen Pisten ist derzeit wenig los. Schneemangel. Professor Jürgen Schmude leitet den Lehrstuhl für Wirtschaftsgeographie und Tourismusforschung an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Im Rahmen eines Forschungsprojekts hat er den Einfluss des Klimawandels auf den Skitourismus in Bayern, Österreich und der Schweiz untersucht. Im Gespräch erklärt er, welche Skigebiete wie lange überleben - und wo Skifahren in Zukunft überhaupt nicht mehr möglich ist.

SZ: Herr Schmude, waren Sie diesen Winter schon Skifahren?

Jürgen Schmude: Ich bin Langläufer. Langlaufen war bisher zumindest in Bayern leider nicht möglich.

Sie haben den Einfluss des Klimawandels auf den Skitourismus untersucht. Mit welchem Ergebnis?

Wir haben die sogenannten optimalen Skitage untersucht, an denen der Rubel wirklich rollt. An solchen Tagen muss mindestens fünf Stunden lang die Sonne scheinen, es darf keinen Niederschlag geben, die Landschaft muss weiß sein, die Windgeschwindigkeit gering. Alle Lifte sollten geöffnet sein und es muss möglichst ein Wochenend- oder Ferientag sein. Die Zahl solcher Tage wird sich reduzieren - regional unterschiedlich natürlich. Aber künftig wird es weniger Tage geben, an denen Skigebiete richtig Geld verdienen. Und die optimalen Skitage verschieben sich in Richtung Ostern. Das ist ein zusätzliches Problem.

Wieso?

Die biologische Uhr in Mitteleuropa ist an Ostern auf Sommer eingestellt - und auf Sommeraktivitäten. Die Frage ist, ob sich diese innere Uhr umstellen lässt. Fest steht: Die Skigebiete können nicht mehr weiße Weihnachten vermarkten, sondern müssen auf weißen Fasching oder weiße Ostern setzen.

Und an Weihnachten kann man künftig nur noch in kurzer Hose zwischen Palmen Skifahren?

So krass wird es nicht sein. Wir werden einzelne Jahre haben, in denen es weiße Weihnachten gibt. Aber das wird seltener. Die Touristen werden künftig woanders Ski fahren, zum Beispiel in Österreich in höher gelegenen Skigebieten. Oder sie verzichten ganz auf Wintersport und machen einen völlig anderen Urlaub.

Vor allem die bayerischen Skigebiete liegen relativ niedrig. Welche dieser Gebiete können langfristig überleben?

Wenige. Wir gehen davon aus, dass wir bis 2050 eigentlich nur noch die Zugspitze haben. Skifahren in den bayerischen Alpen ist langfristig gesehen ein Modell der Vergangenheit.

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Die anderen bayerischen Skigebiete können eigentlich gleich aufgeben?

Wir sind uns natürlich bewusst, dass das eine sehr emotionale Diskussion ist. Wir haben das auch nur rein ökonomisch betrachtet, nicht ökologisch. Darüber muss man separat diskutieren. Die Frage unserer Studie war: Lohnt es sich noch zu investieren?

Und lohnt es sich?

Nach unseren Berechnungen lohnt sich in Skigebieten wie dem Sudelfeld noch eine Investitionsrunde in Schneekanonen, Lifte und Infrastruktur. Nach 15 bis 20 Jahren ist die abgeschrieben, danach wird es in vielen bayerischen Skigebieten nicht mehr sinnvoll sein zu investieren. Wahrscheinlich wird es in Zukunft bessere Schneekanonen geben. Bei Temperaturen, bei denen wir heute keinen Schnee produzieren können, wird das dann sicher gehen. Aber es wird keinen Sinn machen. Das weiße Band in grüner Landschaft ist für Touristen keine Alternative.

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Was könnte eine Alternative für die Skigebiete sein?

Sie müssen jetzt überlegen, was nach dem Skitourismus kommt. Da gibt es kein Patentrezept für alle. Sie könnten etwa auf den demografischen Wandel reagieren und auf die Zielgruppe 50 Plus setzen. Andere Gebiete werden Richtung Wandern und Wellness gehen. Hauptsache, sie machen nicht alle dasselbe.