Vier Patres sollen sich in Ettal an mindestens 20 Buben vergangen haben. Der Schulleiter tritt zurück. Auch bei den Maristen in Mindelheim gibt es einen neuen Fall.
Im Kloster Ettal hat es offenbar wesentlich mehr und wesentlich schwerwiegendere Missbrauchsfälle gegeben, als der zurückgetretene Abt Barnabas Bögle eingeräumt hat. Nach Angaben der beiden vom Erzbischöflichen Ordinariat eingesetzten Missbrauchsbeauftragten richten sich die Vorwürfe bislang gegen vier Patres, einer von ihnen ist verstorben.
"Handfester sexueller Missbrauch": Neue Enthüllungen erschüttern das Kloster Ettal. (© Foto: dpa)
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Es gehe dabei um "handfesten sexuellen Missbrauch", sagte der Sprecher des Ordinariats, Bernhard Kellner, am Freitag. Auch lägen Aussagen von Opfern über Schläge und traumatisierende Strafen oder Arbeitsdienste vor. Das Ordinariat geht von mindestens 20 Opfern aus. Nach Abt Barnabas trat am Freitagmorgen auch der Ettaler Schulleiter und stellvertretende Abt, Maurus Kraß, auf Druck des Erzbistums München zurück.
Nach Angaben des bischöflichen Missbrauchsbeauftragten Siegfried Kneißl hatte die Schulleitung Kenntnis von mehreren Vorfällen. Bei einer Feier zum 20. Abiturjubiläum im Jahr 2003 hätten sich zwei ehemalige Schüler unter anderem an Kraß gewandt und von Übergriffen des inzwischen verstorbenen Paters M. berichtet. Konsequenzen hatte dies nicht. Der Pater blieb bis 2004 im Schuldienst.
Dieses Nicht-Handeln nannte Kneißl ein "starkes moralisches Vergehen". Es habe in Ettal ein "beharrliches Schweigen" geherrscht. Auch der Münchner Anwalt Burkhard Göpfert, der als weiterer Ansprechpartner für Schüler und Eltern eingesetzt wurde, spricht von einer "Mauer des Schweigens". Beide Männer sind seit Dienstag im Kloster und laut Göpfert "pausenlos im Einsatz, weil so viele Menschen das Bedürfnis haben zu reden".
Verdächtiger konnte Jugendarbeit fortsetzen
Die meisten Missbrauchsvorwürfe stammen aus den 1970er und 80er Jahren; nicht verjährt seien bislang nur die Vorwürfe gegen einen Pater, der 2005 in die Klosterfiliale nach Sachsen versetzt worden war. Auch gegen ihn lägen Verdachtsmomente vor, die auf schweren sexuellen Missbrauch hindeuten. Abt Bögle hatte, nachdem die Vorfälle im Kloster bekannt geworden waren, ein psychologisches Gutachten über den Mann angefordert. Obwohl das Gutachten nach SZ-Informationen empfahl, den Mann nicht weiter im pastoralen Dienst einzusetzen, arbeitete er nach seiner Versetzung nach Sachsen mit Jugendlichen und Familien.
Auch im Maristen-Internat in Mindelheim und in der Klosterschule der Missionsbenediktiner in St. Ottilien sind weitere Fälle bekannt geworden. Am Donnerstag traf in St. Ottilien ein Einschreiben ein, in dem ein ehemaliger Schüler einem ehemaligen Lehrer Missbrauch vorwirft.
Der Mann wurde bereits 1969 aus dem Orden entfernt. In einem weiteren, anonymen Schreiben war einem bis zuletzt in der Seelsorge tätigen Ordensmitglied vorgeworfen worden, mit Schülern Nacktfotos gemacht zu haben. Er wurde nach Angaben der Erzabtei vom Dienst suspendiert. Die Staatsanwaltschaft Augsburg ermittelt. In Mindelheim sind inzwischen offenbar zwei Missbrauchsfälle bekannt - einer aus den achtziger Jahren und einer jüngeren Datums, der möglicherweise noch nicht verjährt ist.
Nach Angaben des bischöflichen Missbrauchsbeauftragten Siegfried Kneißl hatte die Schulleitung Kenntnis von mehreren Vorfällen. Bei einer Feier zum 20. Abiturjubiläum im Jahr 2003 hätten sich zwei ehemalige Schüler unter anderem an Kraß gewandt und von Übergriffen des inzwischen verstorbenen Paters M. berichtet. Konsequenzen hatte dies nicht. Der Pater blieb bis 2004 im Schuldienst.
"Starkes moralisches Vergehen"
Dieses Nicht-Handeln nannte Kneißl ein "starkes moralisches Vergehen". Es habe in Ettal ein "beharrliches Schweigen" geherrscht. Auch der Münchner Anwalt Burkhard Göpfert, der als weiterer Ansprechpartner für Schüler und Eltern eingesetzt wurde, spricht von einer "Mauer des Schweigens". Beide Männer sind seit Dienstag im Kloster und laut Göpfert "pausenlos im Einsatz, weil so viele Menschen das Bedürfnis haben zu reden".
Die meisten Missbrauchsvorwürfe stammen aus den 1970er und 80er Jahren; nicht verjährt seien bislang nur die Vorwürfe gegen einen Pater, der 2005 in die Klosterfiliale nach Sachsen versetzt worden war. Auch gegen ihn lägen Verdachtsmomente vor, die auf schweren sexuellen Missbrauch hindeuten. Abt Bögle hatte, nachdem die Vorfälle im Kloster bekannt geworden waren, ein psychologisches Gutachten über den Mann angefordert. Obwohl das Gutachten nach SZ-Informationen empfahl, den Mann nicht weiter im pastoralen Dienst einzusetzen, arbeitete er nach seiner Versetzung nach Sachsen mit Jugendlichen und Familien.
Auch im Maristen-Internat in Mindelheim und in der Klosterschule der Missionsbenediktiner in St. Ottilien sind weitere Fälle bekannt geworden. Am Donnerstag traf in St. Ottilien ein Einschreiben ein, in dem ein ehemaliger Schüler einem ehemaligen Lehrer Missbrauch vorwirft.
Der Mann wurde bereits 1969 aus dem Orden entfernt. In einem weiteren, anonymen Schreiben war einem bis zuletzt in der Seelsorge tätigen Ordensmitglied vorgeworfen worden, mit Schülern Nacktfotos gemacht zu haben. Er wurde nach Angaben der Erzabtei vom Dienst suspendiert. Die Staatsanwaltschaft Augsburg ermittelt. In Mindelheim sind inzwischen offenbar zwei Missbrauchsfälle bekannt - einer aus den achtziger Jahren und einer jüngeren Datums, der möglicherweise noch nicht verjährt ist.
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(SZ vom 27.02.2010/woja)
Surfrider Beach in Malibu
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Am Maristenkolleg Mindelheim gab es Ende der 70er Jahre einen verzweifelten Hilferuf der Missbrauchsopfer: Sie schrieben groß mit Unkrautvernichter "§175" in den Garten vor dem Internat. § 175 war der Paragraph des Strafgesetzbuchs, der homosexuelle Beziehungen zu Minderjährigen unter Strafe stellte. Die einzige Reaktion des Ordens bestand darin, den Rasen umackern zu lassen. Es ist jedenfalls kaum möglich, dass irgendjemand an der Schule keine Hinweise auf Missbrauchsfälle hatte.
Brigitte Blumschein, ehemalige Schülerin
In einem Elite-Internat in Bayern wurden in den 70ern Schüler von Lehrern geschlagen? Das war doch in Bayern damals im Kindergarten und Grundschule der Normalfall. Wenn ich da an unsere Dorfschule und den kirchlichen Kindergarten mit seinen Ordensschwestern zurückdenke, fällt mir eigentlich keine Stammkraft ein, die nicht regelmässig Ohrfeigen verteilt hat. Der Schulleiter, übrigens ein überaus beliebter Sozialdemokrat, immer schön vornweg. Richtig verboten wars ja auch gar nicht - nur während der allierten Besatzung. In den 80ern kams dann irgendwie aus der Mode. Kein Wunder, dass die Mehrheit der über vierzigjährigen Bayern traumatisiert sind.