Seine Mutter sitzt im Knast, der Vater ist nach Drogengeschäften untergetaucht: Ein 12-jähriger Junge aus Rosenheim, der als sexuell auffällig gilt, ist in einer geschlossenen Therapieeinrichtung untergebracht worden - fast 700 Kilometer entfernt von seiner Oma, der einzigen Bezugsperson in seinem Leben. Eine überzogene Maßnahme - oder reagiert hier das Jugendamt endlich einmal rechtzeitig, um einen potentiellen Sexualstraftäter zu therapieren?
Der zwölf Jahre alte Manuel sieht nicht so aus, als ob er für sich oder andere gefährlich sein könnte: blondes Haar, Brille, für sein Alter eher klein und zierlich gewachsen. Auf einem Foto umarmt er seinen Urgroßvater, auf einem anderen gibt er beim Baden den coolen Macker, mit nach oben ausgestreckten Armen wie ein Fußballstar. Seine Großmutter Erika (beide Namen von der Redaktion geändert) zeigt in ihrer Münchner Wohnung einen ganzen Stapel Bilder von den letzten gemeinsamen Unternehmungen, denn sie kann ihren Enkel derzeit nicht besuchen. Niemand kann das.
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Die Zimmer in Manuels neuer Heimat sind nachts verschlossen. (© dpa)
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Manuel ist seit etwa drei Wochen "untergebracht", wie es im Juristen-Deutsch heißt: Der Bub lebt in einer geschlossenen Therapieeinrichtung für Jugendliche von zwölf bis 18 Jahren, die "sexuelle Auffälligkeiten" zeigen. Diese Einrichtung liegt in Nottuln bei Münster, fast 700 Kilometer von seiner Oma, 54, entfernt, der einzigen Bezugsperson in seinem Leben. Die Zimmer dort sind nachts verschlossen.
Das Amtsgericht Rosenheim hat das am 21. Juli 2011 so verfügt, in einer einstweiligen Anordnung ohne mündliche Verhandlung, wegen "Gefahr im Verzug". Das Jugendamt der Stadt München, dem Manuel unterstellt ist, hatte dies beantragt, in Rücksprache mit dem Heim im Raum Rosenheim, in dem Manuel die vergangenen vier Jahre lebte.
Die Großmutter beauftragte den Anwalt Rainer Wiedermann, dagegen vorzugehen. In der kommenden Woche wird das Amtsgericht Rosenheim nun über die Zukunft von Manuel mündlich verhandeln. Es wird wohl zumindest festlegen, ob der vorerst auf die Zeit bis zum 1. September 2011 verfügte Aufenthalt im geschlossenen Heim bei Münster verlängert wird.
Dass Manuel einer Therapie bedarf, darin sind sich alle Beteiligten einig. Wie es dazu kommen konnte, dass das Leben in wenigen Jahren solch harte Spuren in Manuels Psyche hinterließ, kann nur seine Großmutter berichten. Er hat sonst niemanden mehr. Der Vater wird, sagt Oma Erika, wegen Drogen verhaftet, als Manuel noch nicht mal ein Jahr alt ist. Als die Mutter einen neuen Freund findet, soll er ein paar schöne Jahre gehabt haben, in denen die Mutter arbeitete und ihn die Großmutter regelmäßig betreute.
Als Manuel fünf war, "ging die Hölle los", sagt Erika. Die Mutter wechselt den Freund, Drogen beherrschen ihr Leben. Der Vater wird entlassen, soll mit dem Kind Horrorfilme und Porno-Magazine angesehen haben. Als Manuels Mutter von der Oma kein Geld mehr bekommt, bricht sie mit ihr, Erika darf ihren Enkel nicht mehr sehen. Der Bub spielt, so erzählt er später Therapeuten, den ganzen Tag PC oder Gameboy.
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Die neueste Antwort
12 Jahre und sexuell straftätig?
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass so Sachen wie Hose runterziehen, auf den Po hauen etc. bei Kindern ganz normal sind. Ich frage mich, ob das Jugendamt sich wirklich für seine Schützlinge einsetzt oder nicht eher gegen sie. Als Kind habe ich im Kindergarten Kinder erlebt, die ins Waschbecken urinierten, oder Doktor oder Mutter, Vater, Kind gespielt haben. (das sind jetzt noch harmlose Zustände!)
Der Kleine braucht durchaus eine Therapie, denn schließlich muss er mit seinem Schlicksal alt werden.
Ich würde hinterfragen wieso er sexuell auffällig wird. Was suchen wir in Sex? Liebe? Anscheinend will der Kleine einfach mal normal gedrückt werden, und jemanden haben, der ihm einen guten Morgen Kuss auf die Wange gibt und ihn zur Schule begleitet und sich für seine Talente interessiert.
Was man auch stark schützen muss ist seine Unschuldigkeit. Kein 12-Jähriges Kind will jemandem weh tun. Kinderseelen sind zu keinen ernsthaften Gewaltakten fähig. Kinderseelen sind alle gleich und unschuldig. Und diese Seele wurde niemals ernst genommen. Ausgenutzt und missachtet.
Ich hoffe, er bekommt jemanden professionellen an die Seite. Da zeigt das Jugendamt mal wieder was es für fehlerhafte, unprofessionelle Arbeit macht. Die sitzen wahrscheinlich nur in deren Zimmern und tratschen über deren eigene Beziehungsprobleme.
Die ERfolge der sehr teuren Therapien sind mehr wie bescheiden. Oft nur ein Betätigungsfeld von Profil Neurothikern der Betreuer Gruppen. siehe "Mehmet"! Als er in der Türkei war, war er plötzlich vollkommen normal und konnte sogar ein erfolgreicher Geschäftsmann werden. Das Problem ist das Deutsche Justiz und Sozial Netz, wo viele Leute damit prächtig verdienen.
Um es mal zusammenzufassen: Der Junge hat einige Jahre in der Hölle hinter sich, dann kommt das Jugendamt und schlägt noch einmal mit dem Hammer voll auf ihn drauf, indem es ihn noch weit von seiner Oma entfernt interniert, trotz der Ansicht zweier Therapeuten, die ihn kennen und ihn ganz offensichtlich nicht für gefährlich wenn auch Therapiebedürftig halten. Eine Therapie allerdings, welche auch ambulant durchgeführt werden kann.
Ich glaube nicht, dass diese bürokratische, engstirnige Vorgehensweise der Schreibtischtäter die Gesellschaft schützt. Vielmehr sind hier einige Ignoranten am Werk, welche sich einen Dreck um das Wohl des Kindes scheren.
Auch weil ein Junge mit 12 Jahren, der andere an die Geschlechtsteile fasst nicht unbedingt ein zukünftiger Sexualstraftäter ist. In dieser Zeit stellen Jungen allerhand Blödsinn an, besonders im Freundeskreis.
Und wenn man eine solche Vergangenheit wie der Junge hier hat und dabei keine Freunde, mit denen man Grenzen sich selbst kennenlernen kann, schlägt man leicht über die Stränge der Gesellschaftlichen Normen. Insbesondere über die Normen einer derzeit hysterischen Gesellschaft, die bei jedem pubertären Auswuchs, welcher sich leicht durch Hintern versohlen lösen lässt, gleich potentiell therapiebedürftige, zukünftige Sexualstraftäter sieht.
Was dem Jungen helfen würde wäre, bei seiner Oma leben zu können, auf die Schule zu gehen und Freunde zu finden. Sonst nichts. Die bornierten Behördenheinis helfen ihm jedenfalls nicht. Sie zerstören ihn und machen ihn zu dem, was sie in ihm sehen wollen mit ihrem Internierungswahn
Aufgrund der familiären Verhältnisse, hätte das Jugendamt eigentlich schon viel früher bemerken müssen, dass sich der Jungen in keine gute Richtung entwickeln könnte, sei es im Bezug auf Drogen, Gewalt oder Sex. Es hätte alles Mögliche sein können. Präventivmaßnahmen wären hier vielleicht angebracht gewesen. Ob es nun psychologische Betreuung oder Hilfestellung bei der Erziehung des Jungen für die Großmutter gewesen wäre, hätte man vielleicht diese Art der "Eskalation" verhindern können.
Ihn komplett aus seinem Umfeld zu reißen, ihm das Gefühl zu geben eine Abnormität, ja gar ein Mostrum zu sein, indem man ihn isoliert- das könnte sich eher kontraproduktiv auswirken.
Zitat: "Zum anderen: Wenn man liest, wie Sie sich aufgeführt haben, dann muss man sich bemühen um Mitleid für Sie. "
Wie kommen Sie darauf, dass ich schrieb, um Mitleid zu bekommen?
Verhältnisse zu erklären, Dinge zu erzählen- bedeutet nicht immer, dass man Mitleid will- es gibt tatsächlich Menschen, welche beide Seiten betrachten und ihre eignen Schwächen zugeben hierbei- und ganz einfach über solche Dinge reden, damit man alle Seiten betrachten kann und Dinge sehen kann, die man sonst evtl. übersieht.
Ich hätte es ja leicht wegschweigen können, dass ich impulsiv reagierte.
Und es ist einfach Fakt, dass Kinder und Jugendliche - wenn sie traumatisiert sind und/oder im Kinderheim sich zurechtfinden müssen- auffällig werden können in vielerlei Hinsicht.
Dennoch sind es Kinder und Jugendliche und müssen so behandelt und versorgt werden.
Und diesen sind wir als Gesellschaft verpflichtet ihnen eine Chance zu geben heilen zu können und sich in der Gesellschaft zurechtzufinden.
Dazu gehört eben auch, dass man einfache Menschenrechte einhält und Sanktionen nicht entwürdigen statt zu strafen.
Ich möchte die Schlagzeilen sehen, wenn Sie einen erwachsenen Menschen so behandeln würden- wie manch Kinderheimkind oder Kind in einer Kinderpsychiatrie- behandelt wird/wurde.
Zitat:Die Kinderheim-Kultur in Deutschland ist im Vergleich zu vielen anderen Ländern sehr gut.
Nein, dem widerspreche ich vehement.
Ausser es geht Ihnen um die wirtschaftliche Versorgung.
Aber da wären wir wieder bei unsinnigen Vergleichen angelangt- dann können wir auch fordern, dass Hartz4Empfänger nur noch Wasser und Brot bekommen, da in anderen Ländern Menschen verhungern und es ihnen dann immer noch besser geht.
Klar- sogesehen geht es den deutschen Kindern sehr gut.
Aber im Vergleich zu deutschen Menschen- eben nicht. Und allein das zählt- da wir hier leben und eben nicht in Afrika.
Dort ist übrigens das soziale Gefälle nicht so hoch - zwischen Kinderheimkindern und anderen Kindern- wie z.B. in Deutschland- da dort auch die anderen arm sind.
Es geht immer auch um das Verhältnis im eignen Land.
Der Junge ist 12- und ich wünsche ihm, dass man dies nicht vergißt und ihm menschenwürdig hilft und ihn gut versorgt, sodass er zur Ruhe kommen kann und sich gesünder entwickeln kann noch.
Paging