Ein Stück Geschichte: das irritierende Verhältnis zwischen Franz Josef Strauß und Spiegel-Herausgeber Rudolf Augstein.
Es passierte ganz selten, dass Rudolf Augstein unangemeldet zu einem Redaktionsfest erschien. Der Spiegel-Herausgeber feierte gern, aber er wollte eingeladen sein. Am Abend des 3. Oktober 1988, einem Montag, hatte ein Redakteur des Ressorts Deutschland II zum Umtrunk geladen, um seinen Geburtstag nachzufeiern.
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Franz Josef Strauß auf einem Archivfoto, das knapp zehn Jahr vor seinem Tod entstanden ist. Er habe den "Tod eines Königs" gehabt, wurde später geschrieben. (© Foto: dpa)
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Über der Speicherstadt des Hamburger Hafens lag schon die Dämmerung. Rudolf Augstein sah noch Licht im neunten Stock des Spiegel-Hochhauses, an diesem Abend wollte er nicht nach Hause gehen. Er konnte nicht alleine sein. Blass und wie geistesabwesend stand er plötzlich im Redaktionsflur und bat darum, hier fernsehen zu dürfen.
Stunden zuvor war über die Nachrichtenticker die Meldung gelaufen, dass Franz Josef Strauß in Regensburg im Alter von 73 Jahren gestorben war. Der CSU-Vorsitzende und bayerische Ministerpräsident war zwei Tage zuvor im Jagdrevier des Fürsten von Thurn und Taxis kurz vor einer Hirschhatz zusammengebrochen und aus dem Koma nicht mehr aufgewacht. "Er hat einen schönen Tod gehabt", sagte später der General a. D. Gerd Schmückle, der Strauß sehr verehrte, "den Tod eines Königs."
"Gott mit Dir, Franz Josef"
Rudolf Augstein saß an diesem Abend bis weit nach Mitternacht stumm in einem kleinen Redaktionszimmer, ohne Licht, versunken in einem Schreibtisch-Sessel und starrte stundenlang auf den Bildschirm. Er trauerte.
Im Fernsehen liefen die Nachrufe auf Franz Josef Strauß, Würdigungen eines Politikerlebens, das Rudolf Augstein mitgeprägt und mitbeeinflusst hatte. Auch von ihm selbst war oft die Rede. Jetzt nahm er Abschied. Abschied von seinem großen Kontrahenten, von einem Politiker, den er als Publizist über Jahrzehnte bekämpft und verfolgt, den er aber auch geschätzt und bewundert hatte.
"Die Zeit, da Männer noch wussten, wo es langgeht, und da sie noch Geschichte machten", schrieb Augstein eine Woche später etwas wehmütig in seinem Nachruf, "sie ist für uns auf immer vorbei. Gott mit Dir, Franz Josef Strauß."
"Für uns", das sollte bedeuten, dass beide, Augstein wie Strauß, für die deutsche Nachkriegsgeschichte standen, dass sie zu Symbolfiguren dieser jungen Republik geworden waren. Zwei Männer, die gegensätzlicher nicht hätten sein können, obwohl sie so vieles gemeinsam hatten: das katholische Elternhaus, die Kriegserfahrung, den scharfen Intellekt und das Machtbewusstsein.
Sie brillierten mit bestechenden Geschichtskenntnissen, schätzten es, finanziell unabhängig zu sein, ohne das Geld zu vergötzen; sie liebten das Bier, die Côte d'Azur und die Frauen. Sie lebten als Genussmenschen - der barocke, massige Landesvater und der schmächtige, scharfzüngige Journalist. Sie pflegten geradezu ihre Feindschaft, weil sie sich charakterlich so ähnelten, die Ablehnung des anderen für das eigene Ego brauchten.
Lesen Sie auf der nächsten Seite, was es mit dem "Kamerad, weißt Du noch"-Abend auf sich hatte.
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Daran sollte man auch einmal wieder erinnern bevor zu viel Alt-Herren-Sentimentalität aufkommt. Zitate u. a. aus Wikipedia:
Es wurde bekannt, dass Strauß als Verfechter der atomaren Aufrüstung Deutschlands ein Flugzeug haben wollte, das Atomwaffen bis zum Ural tragen konnte. Jedoch war Paris nicht zu einem deutsch-französischen atomaren Bündnis bereit. Die Amerikaner dagegen versprachen Strauß, im Ernstfall auch nukleare Sprengköpfe zur Verfügung zu stellen. Es war außerdem bekannt, dass Lockheed beim Export des Starfighter in andere Länder Schmiergeld gezahlt hatte. Da auch Strauß vor seinem Besuch bei Lockheed noch die Mirage favorisierte und sich nach seiner Rückkehr für die F-104 aussprach, kam schnell der Verdacht auf, dass auch der deutsche Minister bestochen worden sei (Lockheed-Skandal). Ein entsprechender Untersuchungsausschuss des Bundestags kam aber zu dem Schluss, dass sich eine Bestechung nicht nachweisen ließ. Der Vorwurf wurde daher fallengelassen.
In den ersten 7 Jahren stürzten 90 Maschinen ab, bis zur Ausmusterung 292, wobei 108 Piloten den Tod fanden (nur in Deutschland).
Ob die Angehörigen der Piloten auch so sentimental gestimmt sind, ist fraglich.