Seligsprechung Die Liebe in die Hölle getragen

Pater Engelmar Unzeitig war kein Rebell. Aber im Konzentrationslager wurde er zum "Engel von Dachau".

(Foto: Archiv Redaktion Mariannhill, Reimlingen)

Aufopferungsvoll bis in den Tod kümmerte sich Pater Engelmar Unzeitig um seine Mithäftlinge im KZ. Am Samstag wird der "Engel von Dachau" in Würzburg seliggesprochen

Von Katja Auer, Würzburg

Wer er war sollte keine Rolle mehr spielen, Nummer 26147, ein Häftling unter so vielen. Trotzdem ist Pater Engelmar Unzeitig im Konzentrationslager aufgefallen - durch absolute Nächstenliebe und ein bedingungsloses Gottvertrauen. Den "Engel von Dachau" nannten ihn seine Mithäftlinge. Der junge Pfarrer hatte sich freiwillig gemeldet zur Pflege der Typhuskranken in den abgeschotteten Baracken. Acht Wochen vor der Befreiung starb er mit nur 34 Jahren selbst an der Seuche. Am Samstag um 14 Uhr wird er im Würzburger Kiliansdom seliggesprochen.

Als Hubert Unzeitig wird Pater Engelmar am 1. März als einziger Bub von fünf Geschwister auf einem kleinen Bauernhof in Ostmähren geboren. Im Sudetenland, daher ist er als junger Mann zunächst begeistert von Hitler, der ihn und seine Landsleute "heim ins Reich" holte. 1934 tritt er in den Orden der Missionare von Mariannhill ein und beginnt ein Jahr später in Würzburg ein Studium der Theologie und Philosophie. Immer stärker erkennt er wohl in dieser Zeit das Böse und Unmenschliche im Nazi-Regime. 1939 wird er zum Priester geweiht und tritt eine Pfarrstelle im Böhmerwald an. Dort wirkt er nicht lange, nach nur einem halben Jahr holt ihn die Gestapo ab. Unzeitig hatte sich für die Juden eingesetzt und immer wieder gepredigt, dass man Gott mehr gehorchen müsse als weltlichen Führern. Er ist 30 Jahre alt, als er ins KZ Dachau gesperrt wird.

Dort reift der eher stille Mann zum Seelsorger, er steht vielen Häftlingen bei. Vor allem denen, die besonders schlecht behandelt werden. Den russischen Gefangenen etwa, die in der Lagerhierarchie ganz unten standen, gibt er etwas von seinem ohnehin kargen Essen ab und bettelt andere Häftlinge an, damit sie ihre Rationen mit ihnen teilen. Er übersetzt den Katechismus ins Russische und führt viele theologische Gespräche. Die harte Arbeit, die Schläge, die Folter, die Demütigungen können seinen Glauben an die Güte Gottes nicht schwächen.

"Er war immer der gleiche", berichtet später sein Mithäftling Hans Brantzen, ein Kaplan aus Main. "Wenn die anderen klagten und heimdachten an die guten, alten Tage, wenn es ihnen zu viel wurde und sie nicht mehr konnten, schaute er nach oben zum Vater." Engelmar Unzeitig habe einen feinen Charakter gezeigt, Bescheidenheit, Ruhe und Verträglichkeit in der Enge des Blockes hätte ihn ausgezeichnet. "All das ließ ihn nicht auffallen", erzählt Brantzen. "Was auffiel, war seine Caritas, wenn er bei seinen Mitbrüdern für andere arme Häftlinge bettelte."

1945 bricht der Flecktyphus im Konzentrationslager aus, und die Kranken werden zum Sterben in abgeschotteten Baracken zusammengepfercht. Die Ansteckungsgefahr ist groß, kein SS-Mann betritt die Krankenstation. Pater Engelmar meldet sich freiwillig, um die Kranken zu pflegen und ihnen die Sakramente zu spenden. Er muss gewusst haben, dass er damit sein eigenes Leben riskierte - wenige Wochen vor der Befreiung, im Lager wird schon gemunkelt, dass die Amerikaner auf München vorrücken. Unzeitig geht trotzdem in die Baracken. Er infiziert sich und stirbt am 2. März 1945 am Typhus, gerade 34 Jahre alt geworden. Acht Wochen später befreien die Amerikaner das Konzentrationslager Dachau.

Obwohl die Krematorien nur noch sporadisch arbeiten, da den Nazis Kohle und Holz ausgegangen ist, wird Pater Engelmars Leichnam verbrannt. Einzeln, heißt es, weil ein anderer inhaftierter Priester gute Kontakte gehabt habe. Die Asche wird aus dem Lager geschmuggelt und gelangt über Umwege zu den Mariannhillern nach Würzburg. Am Karfreitag 1945 wird sie auf dem Städtischen Friedhof beigesetzt, seit 1968 wird die Urne in der Herz-Jesu-Kirche aufbewahrt.

Pater Engelmar Unzeitig habe "die Liebe Gottes in die Hölle von Dachau hineingetragen", sagt der Würzburger Bischof Friedhelm Hofmann. Daraus könnten Christen lernen, dass sie sich in Krisenzeiten nicht zurückziehen dürften. 1991 wurde der Seligsprechungsprozess eröffnet. Die Feier am Samstag ist die zweite in Würzburg innerhalb von fünf Jahren. Am 15. Mai 2011 war der Märtyrerpriester Georg Häfner seliggesprochen worden. Auch er starb im Konzentrationslager Dachau.