Sekte der Zwölf Stämme Jugendamt trennt Babys von Müttern

Gut Klosterzimmern ist die Heimat der Glaubensgemeinschaft "Zwölf Stämme", der vorgeworfen wird, ihre Kinder zu misshandeln.

Schreiende Kinder und Handgemenge: Dramatische Szenen spielten sich bei der urchristlichen Glaubensgemeinschaft "Zwölf Stämme" ab. Weil die Sekte im Verdacht steht, Kinder zu misshandeln, holte Polizei und Jugendamt erneut Babys aus ihrer Obhut.

Von Stefan Mayr

Einen weiteren Großeinsatz im Zusammenhang mit der Glaubensgemeinschaft Zwölf Stämme hat es am Montag im schwäbischen Dürrlauingen (Kreis Günzburg) gegeben. Etwa 20 Polizisten und Mitarbeiter des Jugendamtes erschienen um sieben Uhr früh im dortigen St. Nikolaus-Heim, um sieben Kinder abzuholen. Dabei spielten sich nach Angaben der betroffenen Eltern dramatische Szenen ab: "Schreiende Kinder wurden ihren Müttern entrissen und mit Gewalt in die Autos gesteckt", berichtet Carsten Hennigfeld. Betroffen sind drei Familien mit Kindern im Alter von 18 Monaten bis zehn Jahren.

Möglichkeit zum Abstillen gehabt

In der Mutter-Kind-Wohngruppe des Heimes wohnten drei Mütter der Glaubensgemeinschaft, die ihre Kleinkinder stillten. Als das Jugendamt im September 40 Kinder aus den Häusern der Zwölf Stämme in Klosterzimmern und Wörnitz abholte und auf Pflegefamilien und Kinderheime verteilte, wurden diese Babys zunächst nicht von ihren Müttern getrennt, sondern in Dürrlauingen untergebracht. Allerdings nur vorübergehend, wie eine Sprecherin des Landratsamts Donau-Ries betont. Darauf habe man die Eltern bereits im Oktober hingewiesen: "Sie wussten, dass die Trennung vollzogen wird." Die Mütter hätten "die Möglichkeit zum Abstillen" gehabt.

Die Eltern kritisieren das Vorgehen der Behörden dagegen scharf. "Ich durfte mich nicht einmal von meinem Kind verabschieden", sagt Christiane Wetjen. "Mir wurde der Arm umgebogen und mein Sohn aus der Hand gerissen." Nach Angaben von Vater Carsten Hennigfeld sei sein Sohn schwer zuckerkrank und bei einem weiteren Kleinkind liege ein ärztliches Attest vor, wonach die Trennung von der Mutter "lebensbedrohlich" sei. Dennoch sei es einfach mitgenommen worden. Das Familiengericht Nördlingen hat den Eltern aus der Glaubensgemeinschaft vorübergehend das Sorgerecht entzogen, weil es eine Gefährdung des Kindswohls sieht. Es wirft den Zwölf Stämmen vor, ihre Kinder mit Weidenruten zu züchtigen.

Dass dies zu ihren Erziehungsmethoden gehört, bestätigten einige Mitglieder der Glaubensgemeinschaft am Donnerstag bei einer "offenen Gesprächsrunde" im Sportheim Deiningen. Dabei zeigte eine Mutter vor etwa 70 Zuhörern auch eine Rute vor. "Die Diskussion war relativ laut und emotional", sagt Bürgermeister Karlheinz Stippler.