Von Stefan Braun

Horst Seehofer hat Markus Söder viel Einfluss übertragen. Bayerns neuer Umweltminister wird diese Chance nutzen - denn er strebt nach Höchstem.

Markus Söder, man kann das so sagen, ist kein Mensch für halbe Sachen. Entweder er ist oben, oder er ist unten. Die Ausschläge seiner Karriere sind so heftig wie seine Fähigkeiten, in öffentlichen Diskussionen politische Gegner zu attackieren.

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Wird künftig zu den stärksten in Seehofers Kabinett zählen: Umweltminister Markus Söder. (© Foto: dpa)

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Nach zwei Jahren eher im Hintergrund wird er künftig zu den stärksten im Kabinett von Horst Seehofer zählen. Zuständig für Umwelt und Gesundheit wird er das eine Thema nutzen, um die CSU zu modernisieren - und mit dem anderen Thema versuchen, im Bund die Stimme Bayerns zu werden. Seehofer hat ihm viel Einfluss übertragen, und der 41-jährige Söder wird viel tun, um diese Chance zu nutzen.

Tiefer Sturz als mächtiger Parteigeneral

Sein Aufstieg jetzt wird so recht erst messbar beim Blick auf den tiefsten Moment in seiner Karriere. Der fand ausgerechnet im Kaisersaal der bayerischen Residenz statt. Der Abend ist nicht ganz zwei Jahre her, und er war bitter für Söder. Noch war er CSU-Generalsekretär. Aber so recht gehörte Söder an diesem Abend nicht mehr dazu.

Es war der letzte Neujahrsempfang für Edmund Stoiber, es war ein Freitag im Januar 2007. Wenige Tage später kam Kreuth mit dem politischen Sturz Stoibers, doch wer Augen und Ohren hatte, der spürte schon im Kaisersaal, wie sich die Macht neu verteilte. An diesem Abend war Söder nur noch manchmal im Saal, meistens schaute er nur kurz rein, im Zentrum standen die Hubers, Becksteins und Herrmanns. Söders Zeit als mächtiger Parteigeneral war abgelaufen.

Knapp zwei Jahre später ist alles anders, nach einer durstigen Strecke als Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten ist Söder nun mächtig aufgestiegen. Beklagte er sich in dieser Zwischenzeit manchmal über mangelnde öffentliche Resonanz, so wird er jetzt alles tun, um das zu ändern. Seinen Aufstieg verdankt er Seehofers Einschätzung, dass Söder zu den wenigen zählt, die eigentlich fast alles können, bis hin zum Amt eines Ministerpräsidenten - später einmal.

Die politische "Allzweckwaffe" der CSU

Das deckt sich zwar nicht mit der Bewertung manches Berliner Gesundheitspolitikers, der Söders Kompetenz mindestens in diesem Bereich nicht erkennen kann. Wie wenige andere in der Nachwuchsriege aber gilt der Nürnberger Söder, der erst vor kurzem den dortigen CSU-Bezirksvorsitz von Günther Beckstein übernommen hat, in der CSU als politische "Allzweckwaffe".

Dass Söder selbst das genauso sieht, unterstrich er vor wenigen Monaten in Berlin bei der Eröffnung einer Franz-Josef-Strauß-Ausstellung. Als Laudator hatte Söder Edmund Stoiber eingeladen. Und als der fertig war mit seinen Worten, erinnerte Söder an die Reihung Strauß-Stoiber-Söder, die sich doch aufs beste miteinander verbinde. Alle im Saal wussten, was gemeint war.

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(SZ vom 31.10.2008)