Ein Kommentar von B. Kruse

Im Innern der CSU brodelt es: Bei der Wahl des neuen Parteichefs demonstrierten die Christsozialen aber Geschlossenheit. Jetzt muss Seehofer zeigen, dass er der Richtige ist. Viel Zeit hat er nicht.

Mehr als 90 Prozent für Horst Seehofer - das kann sich sehen lassen. Mit diesem Ergebnis wird der neue CSU-Vorsitzende gut leben können. Seine Partei hat ihm gezeigt, dass sie ihm vertraut und hinter ihm steht.

CSU-Sonderparteitag; dpa

Geschlossene Reihen: Nach den jüngsten Turbulenzen war auf dem CSU-Sonderparteitag der Wille zu einem Neuanfang deutlich erkennbar. (© Foto: dpa)

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Nach den Turbulenzen der vergangenen Wochen in der CSU war das nicht selbstverständlich. Vor allem die Aufregung der letzten Tage um die Bayerische Landesbank hat Seehofer zusätzlich unter Druck gesetzt. Er war noch nicht einmal in der politischen Verantwortung für den Freistaat, schon musste er die erste Niederlage einstecken. Mit seiner Forderung, den gesamten Bank-Vorstand zu entlassen, konnte er sich nicht durchsetzen.

Doch auf dem Parteitag hat das keine Rolle gespielt, nach der Selbstzerfleischung zuvor war der Wille nach einem neuen Anfang ausschlaggebend.

Die 90,3 Prozent täuschen allerdings eine Stabilität vor, von der die Partei weit entfernt ist. Im Inneren der CSU brodelt es. Die Landesteile sind untereinander zutiefst zerstritten. Die Franken verzeihen es vor allem den Ober- und Niederbayern nicht, wie sie nach der Wahlniederlage Günther Beckstein aus dem Amt gemobbt haben.

Die Buhrufe einiger Delegierter gegen Edmund Stoiber und die emotionalen Redebeiträge zeigen, dass der Streit in der Partei noch lange nicht beigelegt ist. Das war erst der Anfang eines langen und schmerzlichen Prozesses.

Um die Partei wieder zu ihrer alten Geschlossenheit und Stärke zurückzuführen, bedarf es mehr. Die Partei muss mit der offenen und ehrlichen Aufarbeitung fortfahren. Günther Beckstein und Erwin Huber ist dies im vergangenen Jahr nicht gelungen. Jetzt ist es an Seehofer, diesen schmerzhaften Dialog zu moderieren, zwischen den zerstrittenen Landesteilen zu vermitteln, stets die passende Medizin parat zu haben.

Und an noch einem Ergebnis muss sich Horst Seehofer messen lassen: Daran, ob er es schafft, die CSU bei Wahlen wieder über die magische Marke von 50 Prozent zu bringen. Das Ziel hat er sich allerdings selbst gesteckt - und vor den Delegierten nochmals explizit wiederholt.

Viel Zeit hat er nicht, um sich zu bewähren. Im kommenden Jahr sind Europa- und Bundestagswahlen. Wenn die CSU bis dahin nicht zu ihrer alten Stärke zurückgefunden hat, sind die Tage von Horst Seehofer an der Spitze der Partei schon wieder gezählt.

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(sueddeutsche.de/plin/bgr)