Besuch in der Verbotenen Stadt: Was Karin Seehofer von Hausdrachen hält und worauf ihr Mann schmallippig reagiert.
Man muss sich die Kultur und die Sehenswürdigkeiten seines Gastlandes schon ansehen - allein dafür, dass man bei seinen Gastgebern darüber schwärmen kann. Denn wer in Bayern kein Bier probiert und keinen Berg gesehen hat, der gilt als Ignorant. Genauso ist es bei der Großen Mauer und der Verbotenen Stadt in China.
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Ministerpräsident auf Reisen: Horst Seehofer besucht die Verbotene Stadt. (© Foto: dpa)
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Dass er ignorant sei, das will sich Ministerpräsident Horst Seehofer natürlich nicht nachsagen lassen bei seinem Besuch in Peking. So versprach er dem chinesischen Außenminister, sofort nach dem Treffen mit ihm in die Verbotene Stadt zu eilen, den früheren Kaiserpalast.
Seehofer fand dort Anregungen nicht nur für die Gespräche mit chinesischen Regierungsvertretern, sondern auch mit seiner Frau. Die begleitete ihn und ließ sich von der Fremdenführerin erklären, dass hier auf jedem Haus ein Drache sitze - das Sinnbild für Macht.
"Ein weiblicher oder ein männlicher Drache?", fragte Seehofer. Die Fremdenführerin musste ihn enttäuschen: Drache sei in China neutral, nur mächtig. Seehofer blickte ein wenig enttäuscht. Nur seine Frau war zufrieden. "Es ist gar nicht so schlecht, wenn ein Drache im Haus ist", sagte sie vieldeutig.
Dann ging es weiter. Durch das Tor der (ganz normalen) Harmonie bis zur Halle der höchsten Harmonie. Diese höchste Form der Ausgeglichenheit werde in China dadurch garantiert, dass alle Macht in einer Hand sei, erklärte die Fremdenführerin. In China bedeute Zentralismus Frieden - und Frieden sorge für Harmonie.
Seehofer zeigte sich gelehrig: "Höchste Harmonie bedeutet also, dass alles in einer Hand sein muss", sagte er. Da sei der Föderalismus ja wohl nicht dafür geeignet. Und spottete auch noch in Richtung der schwarz-gelben Koalition in Berlin: "Wir müssen uns ein bisschen um Berlin kümmern - in Sachen Harmonie." Er selbst gilt dort nicht als großer Harmonisator.
Dann ging es weiter, am Palast der geistigen Vervollkommnung vorbei, über den Goldwasserfluss hinweg, bis zum Palast des ewigen Frühlings. Nur einen Bereich ließen Seehofers samt Anhang aus: die Wohnpaläste der Konkubinen. 3000 Geliebte hatten die chinesischen Kaiser zeitweise. "Lichtjahre" sei so etwas von seiner Vorstellung entfernt, sagte Seehofer schmallippig. Dann ging er schnell weiter.
Die deutsche Botschaft hatte ausdrücklich darum gebeten, die Paläste der Konkubinen bei der Führung zu umgehen. Man wollte dem Mann aus München nicht zu nahe treten. Karin Seehofer nahm die Konkubinen-Frage locker: "3000 Frauen - kein Wunder, dass die chinesischen Kaiser nicht alt geworden sind."
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(SZ vom 28.4.2010/bica)
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Die neueste Antwort
. . . hatten die chinesischen Kaiser zeitweise. "Lichtjahre" sei so etwas von seiner Vorstellung entfernt . . "
Ist doch klar, dass Horstl da neidisch wird!
Palast der Harmonie, Palast der geistigen Vervollkommnung, ....
Damit kann der Seehofer doch gar nichts anfangen.
Gab es denn keinen Palast oder wenigstens ein Haus der geistig Fehlgeleiteten und Wankelmütigen?
"Kein Wunder, dass die chinesischen Kaiser nicht alt geworden sind", meinte Frau Seehofer zur Konkubinenfrage. Das ist eine unmissverständliche Warnung an den Horstl. Womöglich nimmt sie die Sache selbst in die Hand!
@Theodolinde: Die Mitreise von Frau Seehofer soll den Chinesen demonstrieren, daß die Episode mit der Konkubine in Berlin vorbei ist, und Herr Seehofer wieder ein vorbildliches christliches Eheleben führt. Was sich Herr Seehofer damals in Berlin erlaubt hat, ist bei vielen chinesischen Männern ein Statussymbol in einem Grenzbereich von Toleranz - junge Burschen reden manchmal angeberisch von einer "ein-Kind-pro-Frau-Regel". Und emanzipierte chinesische Frauen erklären ihrem Zukünftigen vor der Heirat: Wenn Du dir ein Konkubine nimmst, dann reiche ich die Scheidung ein! - In China wurde ich wiederholt von jungen Burschen gefragt, wieviele Frauen pro Mann in Bayern üblich seien, das sei doch ein reiches Land.
Die Reise des bayerischen Ministerpräsidenten nach China wirft unzählige interessante Fragen auf - wovon die Frage nach dem seehoferischen Hausdrachen mit Sicherheit noch zu den amüsanteren zählt.
Allerdings fände ich in diesem Zusammenhang noch wesentlich interessanter wer eigentlich die Reise von Frau Seehofer bezahlt? Wenn nämlich der Steuerzahler für die Reisekosten der Ehefrau des Ministerpräsidenten aufkommen muss, finde ich das schon bedeutend weniger amüsant.
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