Interview: A. Ramelsberger

Unterstützung für eine umstrittene Idee: Im SZ-Interview spricht Grünen-Chef Sepp Daxenberger über die neue Freude an schwarz-grüner Zusammenarbeit.

Renate Künast von den Grünen will angesichts der aktuellen Schwäche der SPD Koalitionen mit der Union nicht mehr ausschließen. Das könnte zu erheblichem Streit in der Partei führen. Der Fraktionschef der Grünen im bayerischen Landtag, Sepp Daxenberger, unterstützt Künast.

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Bayerns Grünen-Chef Sepp Daxenberger schließt eine schwarz-grüne Koalition nicht aus (© Foto: dpa)

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SZ: Sie haben keine Angst vor einer Zerreißprobe für die Grünen, wenn nun nicht mehr Rot-Rot-Grün das Ziel sein soll, sondern Schwarz-Grün?

Daxenberger: Auch bei einer Koalition mit den Linken würde es eine Zerreißprobe geben. Es gibt viele unter den Grünen, vor allem aus dem Osten, die unter der SED gelitten haben. Und ich kann mit der Freibier-Mentalität der Linken schon gar nichts anfangen. Die versprechen doch allen alles.

SZ: Können Sie sich da eher eine Koalition mit der Union vorstellen?

Daxenberger: Ich bin dagegen, vor Wahlen irgendwelche Koalitionen auszuschließen. Diese Ausschließeritis bringt nichts. Schwarz-Grün wäre sicher ein schmerzlicher Kompromiss für uns, aber es würde Bewegung in die politische Landschaft bringen. Natürlich müssten CDU und CSU auch über ihren Schatten springen, bei der Atompolitik vor allem, aber auch wenn es um Soziales und Migration geht. Ich fände so ein Projekt spannend. Ich gebe zu: Bei der Bundestagswahl ist ein solches Ergebnis nicht sehr wahrscheinlich, aber das heißt ja nichts für die Zukunft.

SZ: Sind Union und Grüne für so eine Koalition nicht viel zu verschieden?

Daxenberger: Auch viele in der Union sind an so einer Zusammenarbeit interessiert. Mich haben Umweltpolitiker der CSU schon gefragt, ob man sich nicht stärker annähern könnte. Es gibt viele Bereiche, wo wir uns berühren, gerade bei der Bewahrung der Schöpfung. Von unserer Kernkompetenz würde die Union profitieren. Wir dagegen tun uns verdammt schwer damit, in die Köpfe hineinzubekommen, dass auch wir was von Wirtschaft verstehen. Das könnte in so einer Koalition besser gelingen.

SZ: Mittlerweile stellen sich die CSU-Leute als die besseren Grünen dar. Gerade hat der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer erklärt, die CSU solle so grün wie möglich werden, die Ökologie sei eine Chance.

Daxenberger: Der hat offensichtlich unser Parteiprogramm gelesen und für gut befunden. Aber er ist ja keine Ausnahme: Der Münchner CSU-Politiker Johannes Singhammer will plötzlich mit grünen Themen punkten, und CSU-Umweltminister Markus Söder hat auch sein grünes Herz entdeckt.

SZ: Graben die Ihnen das Wasser ab?

Daxenberger: Nein, die zahlen auf unser Konto ein. Die Bürger merken, wer das Original ist und wer nur nachmacht.

SZ: Haben Sie keine Berührungsängste mit einem Markus Söder oder einem Horst Seehofer?

Daxenberger: Der Söder macht das, was ihm Erfolg bringt. Wenn das grüne Inhalte sind, ist das ok. Beim Seehofer weiß ich nie, woran ich bin. Diese Beliebigkeit regt mich auf. Aber ich muss die Leute ja nicht sympathisch finden. Ich möchte grüne Inhalte durchsetzen. Diese Leute sind für mich Geschäftspartner, keine Lebenspartner.

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(SZ vom 15.06.2009/aho)