Schwarz-gelbe Koalition in Bayern Als die Fetzen flogen

In der Nacht zuvor war die Stimmung allerdings offenbar weit weniger entspannt in der Staatskanzlei. Das Krisentreffen von CSU und FDP dauerte bis nach 23 Uhr, drei Stunden sprachen Seehofer, die stellvertretende CSU-Chefin Barbara Stamm und Fraktionschef Georg Schmid mit den Vertretern der FDP: Regierungsvize Martin Zeil, Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch und Fraktionschef Thomas Hacker.

Die offizielle Sprachregelung danach lautete, Friedenssignale auszusenden. "Wir haben uns aufeinander zubewegt", erklärte Barbara Stamm am Donnerstag. Georg Schmid sagte: "Der Wille zur Einigung war spürbar." Und für die FDP sagte Martin Zeil über den Streit: "Wir wollen das gemeinsam lösen."

Tatsächlich flogen hinter den Türen der Staatskanzlei offenbar die Fetzen, in der Sache kamen beide Seiten kaum weiter. Vor dem Treffen hat sich Seehofer im Landtag heftig über die FDP aufgeregt, sie mit einem Erbsenzähler verglichen, mit dem er am Anfang seiner Laufbahn im Landratsamt Ingolstadt zu tun hat. Einem "Dipfelscheißer". Weil Grünen-Spitzenkandidatin Margarete Bause dies mitbekam und im Internet auf Facebook schilderte, war die FDP alarmiert.

Die Liberalen hätten in dem Gespräch alle möglichen Äußerungen angesprochen und sich dies verbeten", heißt es hinterher aus Teilnehmerkreisen. Martin Zeil will sich zu Inhalten des Gesprächs nicht äußern, machte aber klar, die Dipferlscheißer-Schmähung sei nicht in Ordnung gewesen. "Das gehört zur Kategorie der unangemessenen Äußerungen", eine Konsensfindung im komplizierten Gebührenstreit sei dies "nicht dienlich" gewesen.

Die CSU-Seite habe ihrem Ärger über Thalhammer Luft gemacht. Er hatte vor dem Treffen mit seiner Äußerung, keine Kompromisse eingehen zu werden, Seehofer empört. Konkrete Vereinbarungen habe es nicht gegeben, hieß es. Allerdings habe die FDP deutlich gemacht, dass sie sich auch einen frühen Volksentscheid vorstellen könne und damit nicht bis zur Landtagswahl gewartet werden müsse. Am kommenden Freitag wollen CSU und FDP wieder miteinander reden.