Schulpolitik Islamunterricht geplant

Kultusminister Ludwig Spaenle will es versuchen: In einem Modellprojekt soll Islam unterrichtet werden - gleichberechtigt neben dem herkömmlichen Religionsunterricht.

Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) plant einen Modellversuch mit Islamunterricht in deutscher Sprache an bayerischen Schulen. Dieser sei Bestandteil eines "ganzheitlichen Konzepts" zum Thema Migration und Integration, teilte Spaenle mit.

Das Konzept soll am Dienstag nächster Woche dem bayerischen Kabinett vorgelegt werden. Mit dem Islamunterricht solle "ein deutliches gesellschaftspolitisches Signal" gesetzt werden, sagte Spaenle: "Islamische Religionsbildung soll nicht nur Moscheen und Koranschulen überlassen werden. Auch der Staat ist hier in der Verantwortung".

Religionsunterricht als solcher dürfe laut Grundgesetz jedoch nur von verfassten religiösen Körperschaften öffentlichen Rechts getragen werden. Da die muslimischen Gläubigen nicht in einer solchen Form organisiert seien, solle der Unterricht nicht offiziell als Religionsunterricht firmieren.

Stattdessen solle er einen interreligiösen Standpunkt mit einbeziehen, so Spaenle. Der Unterricht soll aber die Teilnahme am christlichen Religionsunterricht oder dem Ethikunterricht ersetzen können.

Geplant ist ein fünfjähriger Modellversuch. Zunächst sollen sich Schulen in Erlangen und München beteiligen, mittelfristig wünscht sich der Minister jedoch "ein Netz über ganz Bayern".

Der Modellversuch wendet sich an alle Schularten. Der Islamunterricht ersetzt das Projekt "Isud" (Islamunterweisung in deutscher Sprache) und soll in Gegensatz zu diesem voll im Lehrplan integriert werden. Auch Erfahrungen aus einem Modellversuch in Erlangen sollen einfließen.

Ergänzend wird zudem ein Konzept zur wissenschaftlichen Ausbildung von Islamlehrern erarbeitet werden. Spaenle bezeichnete das Thema Integration und Schule als ein "zentrales Anliegen": Migration sei im Pisatest kein Pluspunkt für Bayern gewesen.