Erstmals in Bayern muss ein Gericht entscheiden, ob kritische Eltern die Pädagogen ihrer Kinder beurteilen dürfen.
Zum täglichen Geschäft des Lehrers gehört es, Noten zu geben. Wer Kritik austeilt, müsste man meinen, ist auch gut im Einstecken. Doch dem ist nicht so. Das offenbarten jüngst so manche juristischen Auseinandersetzungen, die die Online-Plattform spickmich.de hervorgerufen hat.
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Wer Kritik austeilt, ist nicht unbedingt gut im Einstecken: Eine Grundschulklasse mit ihrer Lehrerin (© Foto: AP)
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Dort läuft es genau umgekehrt. Schüler bewerten die Leistung ihrer Lehrer. Doch die fühlen sich häufig in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt. Ähnlich abweisend reagieren Pädagogen auch auf das Urteil von Eltern. Das zeigt ein aktuelles Verfahren vor einem mittelfränkischen Amtsgericht. Eine Lehrerin reichte Unterlassungsklage ein, weil eine Mutter nicht länger bereit war, Stofffülle und Leistungsdruck am achtjährigen Gymnasium hinzunehmen.
Der 14 Jahre alte Martin Huber (Name geändert) brachte in der achten Klasse in Französisch nur noch Fünfer heim. Selbst regelmäßiger Nachhilfeunterricht änderte daran nichts. Als er im Mai von der Lehrerin obendrein noch einen Verweis bekam, bat seine Mutter um ein Gespräch.
Dort erfuhr sie, dass ihr Sohn kein Einzelfall war, sondern sich die ganze Klasse auf einen Notendurchschnitt von 4,5 in Französisch eingependelt hatte. Zweifel der Mutter an den pädagogischen Fähigkeiten der Lehrerin entstanden aber auch, weil mittlerweile ein Test bei einem Nachhilfeinstitut ergeben hatte, dass ihr Sohn in Französisch eigentlich bei einer Drei, schlechtestenfalls aber bei einer Vier liegt.
Martins Mutter schrieb einen Brief an die Eltern in der Klasse und legte einen Fragebogen mit dem Hinweis bei, überprüfen zu wollen, ob "möglicherweise die Anforderungen im Französisch-Unterricht generell zu hoch sind". Das Anschreiben wurde tags darauf vom Sohn in der Klasse verteilt. Der Großteil der Eltern beantwortete den Bogen und schickte ihn an Frau Huber zurück.
Die Auswertung warf kein gutes Licht auf die pädagogische Eignung der Lehrerin: "Stoff wird schlecht erklärt" - "über Rückfragen wird zu schnell hinweggegangen" - "keine Hilfe für schlechte Schüler" - "bestimmte Schüler werden schikaniert - "Demotivation durch schlechte Benotung" oder "Unterricht nach dem Motto: Vogel, friss oder stirb".
Die Lehrerin fühlte sich von den Eltern diskriminiert. Sie warf ihnen vor, sie wollten auf diese Weise gute Noten für ihre Kinder erzwingen. Der Direktor schaltete sich ein. Doch vermittelnde Gespräche zwischen beiden Seiten waren nicht mehr möglich. Die Lehrerin ließ sich erst krankschreiben. Jetzt reichte sie eine Unterlassungsklage ein. Zwar unterrichtet sie nicht mehr die Klasse, doch will sie die aus ihrer Sicht erfahrene Demütigung nicht hinnehmen - hierin ist sie kein Einzelfall.
Lehrerverbände wie Bayerns Philologen lehnen Eltern- und Schülerbefragungen zum Unterricht ab. "Das ist nicht zielführend", sagt der Vorsitzende Max Schmidt. Solchen Verfahren mangele es an Objektivität, weshalb man Bewertungen nur von externen Experten durchführen lassen solle.
Möglicherweise war das Vorgehen von Martins Mutter nicht professionell, indes wünschen sich Eltern mehr Beteiligung. Jedes Unternehmen führe heute Kundenbefragungen durch, weshalb sollten das nicht auch Schulen tun, fragt der Vorsitzende der Landeselternvereinigung bayerischer Gymnasien, Thomas Lillig.
Es wird spannend sein, wie die Richter entscheiden. Das Urteil wird zum Januar erwartet - es ist in Bayern das erste seiner Art.
(SZ vom 04.12.2008/aho)
Die neueste Antwort
Der Lehrer beeinfluß mit seiner Benotung, in der nach den Erfahrungen nicht weniger der Willkür Tür und Tor geöffnet sind, das zukünftige Schicksal seiner meist wehrlosen Schüler. Insofern ist es notwendig daß es ein effektives Korrektiv gibt das Qualitätsstandards bei Lehrern gewährleistet.
Für den Chirurgen gilt das gleiche: Wer da die Leben seiner Patienten fortgesetzt ruiniert darf auch nicht darauf hoffen wie ein Beamter mit Staatsgarantie dauerbeschäftigt zu bleiben, und wenn alle Stricke reißen "als Strafe" (lol) Patienten in einer anderen Stadt zugrunderichten zu müssen.
Übrigens gibt es bereits Listen in denen Sie die Qualität von Krankenhäusern inklusive Daten über negative Vorkommnisse wie Kunstfehler usw. und über die Zufriedenheit der Patienten mit der Einrichtung abrufen können. Leider sind unsere Schulen von der Vorstellung, sie seien gegenüber ihren Schülern verpflichtet, teils Lichtjahre entfernt - wie gesagt, da herrscht noch oft der Geist des Obrigkeitstaates.
Lehrer die meinen sie könnten sich da jede Kritik an ihrem selbstherllichen Tun verbitten brauchen sich nicht wundern wenn Eltern kreativ werden und entgegen dem geforderten Untertanengeist im Internet Benotungsforen gründen. Bei aller Negativität: Bewertungen helfen auch denen, die GUTE Leistung erbringen!
SZ: "Zum täglichen Geschäft des Lehrers gehört es, Noten zu geben. Wer Kritik austeilt, müsste man meinen, ist auch gut im Einstecken. Doch dem ist nicht so."
Zum täglichen Geschäft des Chirurgen gehört es, Leuten den Bauch aufzuschneiden. Da wäre es doch das gute Recht der Patienten, auch den Ärzten mal .... :)
Spaß beiseite:
1. Es liegt leider keineswegs im Ermessen des Lehrers, ob er benoten will. Viele würden gern darauf verzichten, man könnte sich viel Arbeit und Ärger ersparen.
2. Außerdem darf er die Noten nicht veröffentlichen und sich nicht öffentlich über seine Schüler äußern.
Bravo!
Es ist doch kein Wunder, dass sich die Lehrerschaft der staatlichen Schulen als einzige mir bekannte Berufsgruppe die mit Menschen arbeitet immer noch erfolgreich gegen eine Bewertung durch ihre Kunden sträuben kann.
Angestellte Lehrer können nur sehr selten wegen schlechter Arbeit entlassen werden, beamtete gar nicht, ja noch nicht einmal auf Verwaltungsposten abgeschoben werden. Wenn also durch Bewertungssysteme gleich welcher Art aufgedeckt würde, wieviel miserable Lehrer wir haben, käme ein gigantisches Versetzungskarussel in Gang, das gewaltige Kosten verursachen würde und letztendlich kein Ergebnis brächte, weil auch heute schon kaum ein Lehrer aus einer Strafversetzung seine Lehren zieht und anschließend nicht nur genau so, sondern oft noch schlimmer als vorher vor sich hin wurstelt, , weil er sich ungerecht behandelt fühlt.
Solange also das Beamtensystem nicht aufgebrochen wird und solange das Besoldungssystem nicht von Dienstzeitalter auf Leistungs- bzw. Beurteilungswerte umgestellt wird bleibt es ausschließlich sehr engagierten Eltern vorbehalten durch Einzelfallregelungen wenigstens ihren Kindern die schlimmsten Auswüchse des gegenwärtigen Systems zu ersparen.
Und an die Lehrer, die jetzt anfangen, erbost auf ihr Keyboard einzuhämmern:
Glauben Sie mir, es GEHT anders!
Schon Mitte der 70er als Soldat und Bootsfahrlehrer bei der Bundeswehr waren meine Beförderungschancen direkt von der Erfolsquote und den Beurteilungen durch meine Fahrschüler abhängig und heute, als Freelancer in der Erwachsenenbildung hängen meine Chancen für Anschluss-Lehraufträge direkt von der Beurteilung durch die Telnehmer ab. Bei Maßnahmen mit Abschlussprüfung fließt auch hier zusätzlich die Erfolgsquote mit ein. Klar, es sind gelegentlich ungerechtfertigte "Dem-würg-ich-eins-rein"-Beurteilungen dabei. Aber wenn ich meine Arbeit gut mache, fallen diese so offensichtlich aus dem Rahmen, dass sie nicht in die Gesamt-Beurteilung einfließen.
Dieses System verlangt aber von mir, mich mit jedem Teilnehmer (Schüler) auseinanderzusetzen. Ihn dort abzuholen, wo er persönlich und wissensmäßig steht und auf persönliche Vorbehalte, Ängste, Nöte und Probleme einzugehen. Und ich muss meinen Unterrichtsstoff aktuell halten. "Der war schon vor 10 Jahren gut, da brauche ich mich nicht vorzubereiten" läuft hier nicht.
Quintessenz:
KEIN Lehrer, der seinen Job ernst nimmt und entsprechend arbeitet braucht ein Bewertunssystem zu fürchten.
"Benotungen" von Lehrern in irgendwelchen Internetforen unterliegen keinerlei "Vergabestandards", wie sie eigentlich zum Beispiel für Lehrer gelten würden (was diesen freilich wegen deren de fakto Allmacht vollkommen egal ist), und darin liegt die Gefahr von Rufmord, der dann nicht geahndet wird bzw. werden kann.
Warum aber natürlich spontan Sympathien für Lehrerbenotungen im Allgemeinen aufkommen ist wegen des widerlich-authoritären "Erziehungsstils", den manche Lehrer vor allem im Bundesland Bayern pflegen.
Aus meiner noch nicht zu lange zurückliegenden Schulzeit erinnere ich mich noch sehr gut an den krassen Sadismus den nicht wenige Lehrer pflegten. Noten wurden zu ca. 35% rein willkürlich vergeben, sozial schwache Schüler wurden fertiggemacht und mit Verweisen für Lappalien sturmreif geschossen, dann aus der Schule entfernt.
Es war ein offenes Geheimnis daß Lehrer mit miesem Charakter schleunigst die Karriereleiter rauffielen (mit damit einhergehender Machtzunahme), wohingegen Lehrer die einen guten Draht zum Schüler hatten von der Schulleitung und den Kollegen gemobbt wurden.
Die Frage ist nicht, ob Eltrern Lehrer im Internet benoten dürfen, die Frage ist wann Staat und Gesellschaft endlich den Hintern hochkriegen und für Professionalität und wirkliche charakterliche Eignung bei Lehrern Sorge tragen! Man kann Schulbildung auch nicht-Obrigkeitsstaatlich und ohne Noten- und Repressalienterror aufziehen.
Gerade bei Kindern kann soviel kaputt gemacht werden. Da ist es nicht hinnehmbar, daß es bis heute ein absolutes Glücksspiel ist, ob Kinder an "vernünftige" (geschweige denn GUTE) Lehrer geraten oder an psychisch gestörte Individuen, die die mangelnde Gegenwehr bei diesen jungen Menschen schätzen!
Paging